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Krähen sorgen in Gaggenau für kurze Nächte

Gaggenau (uj) – „Spätestens morgens um halb sechs ist die Nacht für uns vorbei“, berichten Elisabeth und Katharina Herrmann aus Gaggenau. Der Grund: In den Platanen in der Humpertstraße nisten Krähen. 25 Nester hat die Familie Herrmann gezählt und klagt über Lärm und Dreck.

„Dort oben in den Bäumen befinden sich die Nester der Krähen.“ Klaus und Elisabeth Herrmann in der Humpertstraße bei den Parkplätzen der Hans-Thoma-Schule. Foto: Jahn

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„Dort oben in den Bäumen befinden sich die Nester der Krähen.“ Klaus und Elisabeth Herrmann in der Humpertstraße bei den Parkplätzen der Hans-Thoma-Schule. Foto: Jahn

Von Ulrich Jahn

Der Gaggenauer Klaus Herrmann ist genervt. Von seinen Nachbarn. Aber nicht von Menschen, sondern von Krähen. Die haben sich in den Platanen in der Humpertstraße in Gaggenau (Sackgasse von der Schulstraße entlang der Hans-Thoma-Schule in Richtung Bismarckstraße) breitgemacht.
„Vor etwa vier Jahren hat es angefangen“, berichtet Herrmann. Damals hatten Krähen in den Bäumen „zwei oder drei Nester“ gebaut. Vergangenes Jahr waren es deren zwölf. Und in diesem Jahr haben Klaus Herrmann und seine Frau Elisabeth in den Bäumen 25 Nester gezählt. „Ganz weit oben befinden die sich, inzwischen sieht man die nicht mehr, weil sie hinter den Blättern versteckt sind“, berichtet Elisabeth Herrmann.

Das Ehepaar wohnt seit fast 40 Jahren in dem Haus Ecke Schulstraße/Humpertstraße. Die ganze Zeit war es recht ruhig. Erst vor vier Jahren fing die Angelegenheit an, als die ersten Krähen die Platanen für sich entdeckten.

„Spätestens morgens um halb sechs ist die Nacht für uns vorbei“, berichtet Herrmann. „Die Jungen schreien und haben Hunger“, hat er im Prinzip Verständnis für die Vögel. Doch mittlerweile hat sich die Situation wegen der steigenden Anzahl an Nestern nicht nur für das Ehepaar verschärft.

Bewohner des Helmut-Dahringer-Hauses, die normalerweise über die Humpertstraße in die Stadt gehen, machen nach seinen Beobachtungen inzwischen einen Bogen um die Straße und weichen über die Bismarckstraße und die Konrad-Adenauer-Straße aus. Es seien immer mehr Parkplätze in der Humpertstraße verwaist, da die Autos verstärkt weiße Flecken von den Hinterlassenschaften der Krähen aufweisen würden. Und auch auf der Straße und dem Gehweg selbst sieht man die Spuren.

Zehn weiße Flecken pro Quadratmeter

Leidtragende seien ebenso die Lehrkräfte der benachbarten Hans-Thoma-Schule. Für diese sind Stellflächen in der Humpertstraße reserviert – direkt unter den Platanen. Fast täglich müssen die Herrmanns zudem ihren Balkon und die Markise reinigen. Dunkle Flecken sind dennoch unübersehbar. „Pro Quadratmeter sind zehn weiße Flecken schon fast normal“, berichtet Elisabeth Herrmann.

Kontakt hatte das Ehepaar unter anderem zu dem Vogelschutzexperten Pierre Fingermann aus Rastatt aufgenommen. Dieser habe gesagt, die einzige Möglichkeit sei, die Platanen runterzuschneiden. Dann könnten die Krähen nicht mehr hoch oben ihre Nester bauen und würden sich wohl andere Nistmöglichkeiten suchen. Im Jahr 2005, so Klaus Herrmann, seien die Platanen „ziemlich runtergeschnitten“ worden.

Auf diese Karte können die Herrmanns in Gaggenau aktuell wohl nicht setzen. Auf eine entsprechende Anfrage des BT im Rathaus antwortet die städtische Pressestelle: „Da Krähen eine geschützte Tierart darstellen, darf nicht in deren Lebensraum eingegriffen werden. Die städtische Umweltabteilung betont, dass Bäume zudem viele ökologische Aufgaben erfüllen und deshalb nicht, aufgrund der Lärmbelästigung durch die Krähen, gefällt oder gestutzt werden dürfen. Aufgrund dieser Sachlage ist es der Stadtverwaltung nicht möglich, weiter einzugreifen.“

Ganz hat das Ehepaar Herrmann die Hoffnung auf Besserung noch nicht aufgegeben. Beide planen, ihr Anliegen in einer der nächsten Bürgersprechstunden bei Oberbürgermeister Christof Florus vorzutragen.

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Erstellt:
13. Mai 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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Dr. Erika Lemmer 15.05.202012:27 Uhr

Nur in der kurzen Brutzeit unterhalten sich die Krähen lautstark. Dann ist wieder Ruhe. Das sollte man den intelligenten Tieren auch gönnen. Die Menschen machen auch Krach und Dreck


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