Luchs „Toni“ bekommt Sender

Gernsbach (red) – Der Luchs, der im vergangenen Oktober erstmals in der Region gesichtet wurde, ist nun bei Gernsbach mit einem Sender ausgestattet worden. Zudem wurde er auf den Namen „Toni“ getauft.

Der Sender soll Experten Daten zu den Lebensraumansprüchen, dem Wanderverhalten und Beutespektrum von Luchs „Toni“ liefern. Foto: FVA

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Der Sender soll Experten Daten zu den Lebensraumansprüchen, dem Wanderverhalten und Beutespektrum von Luchs „Toni“ liefern. Foto: FVA

Der Luchsnachweis war eine kleine Sensation, denn die scheuen Tiere sind äußerst selten im Land. Nachdem bereits im Oktober erste Nachweise auf die Anwesenheit des Luchses in der Region erbracht wurden, tappte das Tier im Dezember im Weisenbacher Gemeindewald in eine Fotofalle.

Nun wurde das männliche Tier, das bisher die wissenschaftliche Bezeichnung B3001 trug, im Rahmen des landesweiten Luchsmonitorings der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) mit einem Sender ausgestattet. Das Halsband wird laut Mitteilung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Idealfall zwei Jahre Informationen zu dem Aufenthaltsort des Luchses an die Experten schicken, die daraus Informationen zu Lebensraumansprüchen, dem Wanderverhalten und über das Beutespektrum des Tieres ableiten können.

Frage der Herkunft soll geklärt werden

„Eine solche Besenderung liefert uns wichtige Daten für den Schutz der streng geschützten Tierart“, wird der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, in der Mitteilung zitiert. Es sei dem Ministerium ein Anliegen, diese Informationen transparent an die Personen aus Jagd, Forst und Landwirtschaft weiterzugeben und damit die „vertrauensvolle Zusammenarbeit im Wildtiermonitoring weiter auszubauen“, heißt es weiter. „Dass wir auf einem guten Weg sind, zeigt sich auch durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Land und den Verbänden in der Arbeitsgruppe Luchs und Wolf. Wir freuen uns sehr, dass auch diesmal der Landesjagdverband die Patenschaft für den Luchs übernommen hat“, so Hauk.

Mit der Besenderung wurde der Luchs auf den Namen „Toni“ getauft. Der Frage der Herkunft wird nun über genetische Analysen nachgegangen. Eine Zuwanderung aus der Schweiz gilt als wahrscheinlich. Ob Luchs „Toni“ im Nordschwarzwald nur auf der Durchreise ist oder sich dort langfristig niederlässt, werden die Daten des Halsbandsenders zeigen.

Männchen suchen wohl weibliche Gefährten

Luchse sind für Menschen ungefährlich und auf die Erbeutung von Rehen und Gämsen spezialisiert. Schafe oder Ziegen werden nur selten von Luchsen angegriffen. Im Schadensfall erhält der Tierhalter eine Ausgleichszahlung durch den Luchsfonds Baden-Württemberg. Ursprünglich waren Luchse bis ins späte Mittelalter in ganz Mitteleuropa verbreitet. Vor 40 Jahren wurden Luchse in der Schweiz aktiv angesiedelt. Seit den 90er-Jahren ist von dort die Zuwanderung einzelner ausschließlich männlicher Luchse nach Baden-Württemberg nachgewiesen, die sich vermutlich aufgrund fehlender weiblicher Luchse selten über eine längere Zeit niedergelassen haben. Seit 2004 konnten 13 verschiedene Tiere in Baden-Württemberg nachgewiesen werden. Sie kommen überwiegend aus den angrenzenden Vorkommen im Schweizer Jura. Fünf Luchse wurden bisher mit einem Halsbandsender ausgestattet, für die der Landesjagdverband jeweils die Patenschaft übernahm.

Die FVA bittet darum, Luchshinweise möglichst rasch unter der Nummer (0761) 4018274 oder an info@wildtiermonitoring.de zu melden. Weitere Informationen zum Luchs finden sich auf der Homepage der Arbeitsgruppe Luchs unter www.ag-luchs.de und unter www.wildtiere-bw.de. Informationen zum Monitoring Großer Beutegreifer finden Sie auf der Homepage der FVA unter www.fva-bw.de.

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Erstellt:
16. April 2020, 12:30 Uhr
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