Murgtal-Modul für Berufsschulen

Murgtal/Rastatt (red) – Ein offenes System, das den Forschergeist weckt: Die Erweiterung der bestehenden Lernfabrik 4.0 – das ist das „Murgtal-Modul Industrie 4.0“.

Murgtal-Modul für Berufsschulen

An der Carl-Benz-Schule freut man sich über das neue „Murgtal-Modul“. Foto: IHK Karlsruhe

Lust auf Experimentieren und Neues auszuprobieren. Ein mobil einsetzbarer Experimentiertisch, an dem Schüler einen Pressvorgang programmieren, auslösen, protokollieren, aufzeichnen und auswerten können. Horst Fritz, Vorsitzender des IHK-Arbeitskreises Industrie 4.0 und Geschäftsführer der Fritz Automation GmbH in Forbach freut sich: „Das Besondere an dem Modul ist, dass es keine abgeschlossene Lösung ist, sondern eine Plattform mit universeller Steuerung, die nach allen Seiten kommunizieren kann.“ Wichtig war in der Umsetzung auch der regionale Praxisbezug: „Wir haben mit den beteiligten Ausbildungsbetrieben besprochen, welche Anwendungen interessant sind und auch in der Produktion eingesetzt werden. Genau diese Module haben wir schwerpunktmäßig in dem System eingebaut“, wird Fritz in einer Mitteilung der IHK Karlsruhe zitiert. „Das Murgtal-Modul ist als Baukasten erweiterbar um andere Systeme wie zum Beispiel kleine Roboter. Auch ist es offen für weitere Firmen, die sich einbringen wollen“, ergänzt Dr. Claudia Rainfurth, Referentin für Industrie 4.0 bei der IHK.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Seit Juli setzt die Josef-Durler-Schule in Rastatt das Murgtal-Modul im Unterricht ein, seit Februar die Carl-Benz-Schule (CBS) in Gaggenau. Neu ist neben der mobilen Einsatzmöglichkeit im Klassenraum die dezentrale Vernetzung mehrerer Module an verschiedenen Standorten. Man kann sie von überall aus steuern, auch als Hausaufgabe von zu Hause aus. So können Projekte entstehen, bei denen Azubis an verschiedenen Berufsschulen und Betrieben gleichzeitig an einer gemeinsamen Prozesskette arbeiten, indem sie die Module miteinander koppeln. Der Schulleiter der CBS, Volker Bachura: „Ziel war, mehrere solcher Pressen zu haben und in unterschiedlicher Funktion zu verwenden. Eine Presse steht haptisch an jeder Schule, die anderen Pressen sind als digitale Zwillinge an den anderen Standorten zur Verfügung. Damit kann man eine komplette Prozesskette abbilden und via Internet miteinander kommunizieren. Diese Verzahnung ist eine neue Art, wie Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe in Lernkooperationen miteinander agieren können – mit hohem Mehrwert für alle Lernenden. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist gerade in Zeiten der Globalisierung ein Zeichen, weg vom Kirchturm zu gehen, die Ausbildung miteinander voranzubringen, sie weiter zu entwickeln, Lernideen und Lerneffekte auszutauschen.“

„Stecker rein und los geht’s“

Für Christian Schmid, Projektleiter der Lernfabrik 4.0 an der CBS, ist die Mobilität und der unkomplizierte Einsatz im Unterricht ein wesentliches Plus des Murgtal-Moduls: „Die bestehende Lernfabrik 4.0 ist fest in einen Raum eingebaut, das Murgtal-Modul steht dagegen auf Rollen und ist damit mobil für den Einsatz im Klassenzimmer, für Arbeiten in Schüler-Teams oder auf Messen geeignet.“ Das Modul ist kein reines Didaktik-Modul, sondern entspricht von der Anordnung her dem Industriestandard, besitzt die gleiche Sicherheitstechnik und auch die Software ist die gleiche, wie die einer großen Presse. Damit ist es sehr praxisnah, einfach und komplex zugleich.

Dr. Kilian Krettenauer von der CBS betont den experimentellen Charakter und die hohe Attraktivität für Berufs- und Fachschüler: „Das Modul fasziniert und weckt den Forscherinstinkt. Es besitzt eine ganze Bandbreite an technischen Möglichkeiten und damit viele Einsatzmöglichkeiten im Unterricht.“ Je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr entdeckt man, wie viele kleine Aufgaben man damit bearbeiten kann – so das Fazit der Schüler. Die Entdeckungsreise reicht über alle Ausbildungsniveaus. Clemens Falk hat als Technikerschüler an der CBS gerade seinen Abschluss gemacht und das Zusammenwirken der Komponenten des Murgtal-Moduls zum Gegenstand seiner Technikerarbeit gemacht: „Das Murgtal-Modul sieht auf den ersten Blick sehr einfach aus, aber je mehr man sich mit den Einzelheiten beschäftigt, desto anspruchsvoller werden die Aufgaben.“