Musikalisches Erwachen, ergreifende Dramatik

Gaggenau (red) – Etwa 300 Zuhörer erlebten in der Jahnhalle ein fulminantes Dreikönigskonzert. Im ersten Teil verdiente sich das Ensemble Sax & Co (Foto: Mandic) der Musikschule viel Beifall; im Anschluss wusste das Sinfonische Blasorchester der „Harmonie Karlsruhe“ zu gefallen.

Um Gastmusiker erweitert, begeistert das Ensemble Sax & Co zum Auftakt des Dreikönigskonzerts. Foto: Mandic

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Um Gastmusiker erweitert, begeistert das Ensemble Sax & Co zum Auftakt des Dreikönigskonzerts. Foto: Mandic

Von Wolfgang Tzschaschel

Etwa 300 Zuhörer hatten sich am Montag in der Jahnhalle eingefunden und erlebten ein fulminantes Dreikönigskonzert. Oberbürgermeister Christof Florus hob in seiner Begrüßung die Verbindung zwischen der nun hundertjährigen Stadtkapelle und der städtischen Musikschule durch das Ensemble Sax & Co hervor. Dabei habe sich dessen Leiter Gerold Stefan große Verdienste erworben. Sax & Co bestritt sodann den ersten Teil des Konzerts.

Aufgrund der Erweiterung durch Gastmusiker waren es an die 40 Mitwirkende, die mit populären Weisen beste Unterhaltung boten. Mit maßvollen Tempi, stets perfekt zusammengehalten durch den Dirigenten, kamen „La Bamba“ und das durch ständige Synkopen nicht einfach zu spielende „La Cucaracha“ zu Gehör. „The second Waltz“, das wohl bekannteste Stück des sonst eher etwas sperrigen Dmitri Schostakowitsch, sowie die Evergreens „Somethin‘ Stupid“ und „Brasil“ schlossen sich an.

Zu einer Zugabe ließen sich die Musiker nicht lange bitten, denn „was geprobt wurde, wird auch gespielt“, so Stefan mit einem Augenzwinkern. Ohne Probe, aber dennoch recht versiert, übernahm dann das Publikum mit Händen, Füßen und Stimmen seinen Part bei „We will rock you“ von Queen.

Gaggenauer dirigiert Karlsruher

Im zweiten Teil gehörte die Bühne den Gästen aus Karlsruhe, dirigiert vom Gaggenauer Musikschulleiter Oliver Grote. Das Sinfonische Blasorchester besteht nun keineswegs nur aus Bläsern, die für sich schon, vom Englischhorn bis zum Euphonium, eine erstaunliche Vielfalt zeigten. Breit gefächertes Schlagwerk gehörte ebenso dazu wie ein Klavier, und sogar ein einsames Cello fand sich zwischen Klarinetten und Saxophonen.

Zum Einstieg ging es bildlich in den hohen Norden. „Aurora Borealis“ des Amerikaners Rossano Galante zeigt die Nordlichter als impressionistisches Klanggemälde mit dramatischer Wucht. Hier wie bei den noch folgenden Programmpunkten gelang es Oliver Grote mit seiner beeindruckenden Stabführung, aus einem Ensemble hervorragender Musiker ein Höchstmaß an Geschlossenheit und musikalischer Gestaltung herauszuholen.

Als zweites Werk folgte „The Hounds of Spring“ von Alfred Reed, ein elegisches Frühlingserwachen. Besonders reizvoll wirkten die melodiösen Holzbläser-Soli über einem sonoren Klangteppich aus Blech, bevor schließlich das gewaltige Finale losstürmte.

Kluge Einführungsworte leiteten den Höhepunkt des Abends ein, die von Otto Martin Schwarz vertonte „Geschichte der Anne Frank“. Nach dem eindringlichen – und wichtigen – Appell „Wehret den Anfängen!“ setzte die ergreifende, teils auch verstörende Musik ein. Boriana Baleff spielte mit ihrer Violine die Melodie des von den Nazis verfolgten Mädchens ohne Pathos, aber mit berührendem Ausdruck. Klar, dass diese Solistin nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen wurde!

Bei dem von Stephen Bulla arrangierten Medley „Ellington!“ wurde das Sinfonische Blasorchester umstandslos zur Big Band, die bei dieser Hommage meisterhaft zu swingen vermochte. Oboen und Cello waren selbstredend auch hier dabei.

Wieder ganz anders das folgende Stück, „Loch Lomond“ von Frank Ticheli: Die Musik war teils hymnisch angelegt, malte aber auch die düsteren Schattierungen des Totenreichs aus.

Die Filmmusik zu „Silverado“ von Bruce Broughton, bei der man schier die Westernhelden durch die staubige Prärie reiten sehen konnte, beendete das angekündigte Konzertprogramm. Als Zugabe servierte das Orchester „Jitterbug“, einen fetzigen Tanz von Robert Buckley. Dass die von Oliver Grote deklarierte Tanzfläche dabei leer blieb, konnte nur daran liegen, dass niemand sich vom reinen Zuhören losreißen konnte. Dazu gab es dann – nach Standing Ovations – sogar noch eine zweite Gelegenheit.

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Erstellt:
8. Januar 2020, 00:00 Uhr
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