Nach existenziellen Problemen in den 80ern geht es steil bergauf

Gernsbach (vgk) – 50 Jahre Jugendfeuerwehr Obertsrot: Viele tolle Aktionen bis hin zur Teilnahme an Weltrekordversuch.

Tolles Team: Die Nachwuchsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Obertsrot. Das Bild entstand anlässlich des 125. Jubiläums der Abteilung im Jahr 2018. Foto: FFW

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Tolles Team: Die Nachwuchsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Obertsrot. Das Bild entstand anlässlich des 125. Jubiläums der Abteilung im Jahr 2018. Foto: FFW

Das sich in den 1980er Jahren verändernde Freizeitverhalten der Jugend stellte die Feuerwehrabteilung Obertsrot zwischenzeitlich vor ein schier unlösbares Problem. Denn Jugendfeuerwehren sind existenziell für eine Freiwillige Feuerwehr, wenn es um die personelle Stärke der aktiven Mannschaften geht. In Obertsrot führte der Nachwuchsmangel so weit, dass für die verbliebenen jungen Feuerwehrmitglieder ein eigenständiges Proben nicht mehr möglich war. Dies wurde erst wieder realisierbar nach einer gezielten und erfolgreichen Werbekampagne.

Neben dem Erwerb feuerwehrtechnischen Könnens umfasste das Angebot damals Fußball- und Schießturniere, Besuche in den Technikmuseen Mannheim und Sinsheim, Zoo- und Kinobesuche, die Teilnahme an Zeltlagern auf Kreisebene bis hin zu Stippvisiten bei Berufsfeuerwehren – unter anderem der Flughafenfeuerwehr Frankfurt. Ebenso nahmen die Angehörigen der Obertsroter Jugendfeuerwehr an der von der Kreisjugendfeuerwehr organisierten Tour de Murg teil. Im schweizerischen Thun traf man sich mit Mitgliedern der befreundeten Wehr aus Hilterfingen/Hünibach.

Von den jungen Kameraden der Kreisfeuerwehr ging 1991 auch die Initiative für einen Orientierungslauf aus, den der Obertsroter Nachwuchs gemeinsam mit den Ottenauer Feuerwehrjugendlichen für sich entscheiden konnte. Ein Erfolg, der im darauffolgenden Jahr leider nicht mehr wiederholt werden konnte. Gleichwohl wusste die Feuerwehrjugend in regelmäßiger Abfolge gemeinsam mit Jugendlichen anderer Wehren beim Erwerb von Leistungsspangen zu punkten.

Jugendfeuerwehr war lange eine rein männliche Angelegenheit, bis das erste Mädchen ab 1990 sich zur Feuerwehrfrau ausbilden ließ. Immer wieder unterstützten die jugendlichen Feuerwehrkameraden die aktive Wehr bei offiziellen Anlässen, wie etwa beim 100-Jahr-Jubiläum der Abteilung, als ein großes Zeltfest gefeiert wurde – ebenso wie 2018, als zum riesigen Jubiläumsfest 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Oberstrot eingeladen wurde (wir berichteten).

Initiativ wurde man auch 1994, als die Wald – und Wiesenputzete der Stadt Gernsbach ausfiel. Kurzerhand engagierte sich die Jugendabteilung in Eigenregie für die gute Sache. Mit einem Tag der offenen Tür und einem weiteren Orientierungslauf, durchgeführt von der Kreisfeuerwehrjugend, feierte der Nachwuchs 1995 das 25-jährige Bestehen. Zudem war die Jugendfeuerwehr 1999 aufgefordert, beim Aufstellen eines Weltrekords teilzunehmen. Gemeinsam mit Kameraden aus dem gesamten Landkreis Rastatt ließ diese an der Murg bei Niederbühl unter Verwendung von 371 Strahlrohren eine gigantische Wasserwand emporsteigen. Zudem katalogisierte der Nachwuchs im Spätjahr 2004 sämtliche Hydranten in Obertsrot. Im Anschluss daran wurde zum „Winterfest“ eingeladen. Zwei Jahre später stieg erstmals ein mit allen Jugendfeuerwehren Gernsbachs gemeinsam arrangiertes Zeltlager, durchgeführt in Stutensee. Seit diesem Zeitpunkt finden diese Freizeiten im Wechsel mit den Kreisjugendzeltlagern statt.

Auf Jugendleiter Thomas Stößer (1995) folgte 2002 Manuel Welsch. Er übernahm später von Holger Böhner den Posten des Stadtjugendfeuerwehrwarts, woraufhin übergangsweise für ein Jahr Andreas Dörrer die Feuerwehrjugend übernahm. Zudem konnte 2010 das 40-jährige Bestehen der Nachwuchsabteilung groß gefeiert werden.

Mit einem Jugendteam bestehend aus Christian Enczmann, Sascha Krems und Annemarie Götz, startete die Jugend in eine neue Ära. Die neue Führung brachte frischen Wind in die Gruppe. Der 2007 mit den Hilpertsauer Jugendlichen durchgeführte 24-Stunden-Tag hatte eine Aufstockung des Jugendkaders zur Folge. Im Jubiläumsjahr wird die Jugend von Jugendleiterin Saskia Fieg betreut. Heute ist die Jugendarbeit der einzelnen Feuerwehrabteilungen nicht mehr nur Standort bezogen. Immer öfter wird ein gemeinsamer Übungsansatz mit den Nachwuchskräften anderer Rettungsorganisationen gesucht – auch um sich frühzeitig kennenzulernen und zu vernetzen. Ebenso passé sind während der Ausbildung Drill und Gehorsam. „Die Themen, die wir vermitteln, sind aber immer noch dieselben. Kameradschaft und Hilfe am Nächsten, gepaart mit Technik und Erlebnis“, erklärt der Obertsroter Abteilungskommandant Oliver Schmidt.

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Erstellt:
8. Mai 2020, 17:30 Uhr
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