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Orgelspiel als Lebenselixier

Gernsbach (ueb) – Der in Obertsrot lebende Kirchenmusiker Friedemann Schaber wird zum Kirchenmusikdirektor ernannt. Der Kantor der St. Jakobskirche ist auch durch seine kompositorische Arbeit deutschlandweit bekannt.

•In Anerkennung seiner Verdienste um die Kirchenmusik und seiner integrativen Arbeit im Bezirk wird Friedemann Schaber zum Kirchenmusikdirektor ernannt. Foto: Uebel

•In Anerkennung seiner Verdienste um die Kirchenmusik und seiner integrativen Arbeit im Bezirk wird Friedemann Schaber zum Kirchenmusikdirektor ernannt. Foto: Uebel

Von Dagmar Uebel

Wie derzeit fast selbstverständlich, galt im BT-Gespräch die erste Frage dem gesundheitlichen Befinden. „Gut, sehr gut“, antwortete Friedemann Schaber. Um anschließend zu bedauern, dass dem Kantor der Gernsbacher St. Jakobskirche und der Rastatter Stadtkirche dieses Virus in dieser kontaktarmen Zeit doch ziemlich zu schaffen macht. Dabei möchte er mit seiner Musikalität erreichen, dass es immer wieder gelingt, Verbindungen zwischen Menschen unterschiedlichen Denkens zu erhalten und neue Kontakte zu schaffen. Doch Schaber kann wenig Hoffnung machen, dass er noch in diesem Jahr seine Freude und Begeisterung mit anderen Menschen öffentlich teilen kann – zumindest was die Chorarbeit betrifft.

Friedemann Schabers Leben und Wirken ist geprägt von der Musik. „Schon von Kindesbeinen an“, wie er lächelnd und auch mit etwas Stolz erzählt. Nicht verwunderlich für einen Jungen, dem quasi die Musik in die Wiege gelegt worden war – damals, als er 1959 als Sohn eines Organisten und einer Flötistin in Waldangelloch im Kraichgau geboren wurde. Lagen seine musikalischen Anfänge im Kirchenchor, folgte bald Unterricht an Flöte und Klavier.

Als seine Klassenfreunde für die Beatles oder Elvis schwärmten, begeistere sich Friedemann Schaber für Bach und Reger, bedeutete das Orgelspiel für ihn Lebenselixier. Mit der Folge, dass dem gerade einmal 15-Jährigen die erste Orgelstelle anvertraut wurde. Nach Studienjahren an der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik ließ das Amt des Kirchenkantors der Gernsbacher St. Jakobskirche nicht lange auf sich warten.

Es folgten Verpflichtungen in Rastatt und im Bezirk Baden-Baden. „Jetzt, fünf Jahre vor Ende meiner Kantorentätigkeit, würde ich diese breite Fächerung nicht mehr machen“, so Schaber. Immerhin, und das auch nicht so einfach nebenbei, leitet er noch eine Kantorei: Entstanden aus den Chören Gernsbach und Rastatt, gründete er den Bezirks-Bläserkreis Baden-Baden und Rastatt und ist auch gerne konzertant unterwegs.

Titelverleihung muss verschoben werden

Nicht immer eine leichte Zeit, hat er sich doch darüber hinaus vor allem durch seine kompositorische Arbeit einen sehr guten Ruf in Deutschlands Kirchenmusikerkreisen erworben. Da so etwas nicht unbemerkt bleibt, überrascht es nicht, dass Kantor Friedemann Schaber noch in diesem Jahr vom Evangelischen Oberkirchenrat zum Kirchenmusikdirektor ernannt werden wird. „In Anerkennung seiner Verdienste um die Kirchenmusik und seiner integrativen Arbeit im gesamten Kirchenbezirk“, lautet die Begründung.

Zunächst für den 5. Juli in der Rastatter Michaelskirche geplant, entschloss sich Schaber, der den Gottesdienst zur Titelverleihung zusammen mit den Kantoreien Gernsbach und Rastatt, den Bläserkreisen und dem Kantatenorchester Murgtal gestalten wollte, diesen Termin zu verschieben. Ob überhaupt noch in diesem Jahr, steht für den Kantor noch nicht fest. „Maximal 30 oder 40 Leute, und die auch noch mit Mundschutz: Das ist nicht die Gemeinde, die ich mir zu diesem Anlass wünsche“, erklärt Schaber. Auch steht noch nicht fest, ob er in Gernsbach, Gaggenau oder in Rastatt stattfindet.

„Zeit für mich, da noch einige Übungsstunden dranzuhängen“, lächelt er und seine Hände streichen liebevoll über die Orgel-Manuale. Und gleich füllen Töne und Akkorde seines Choralvorspiels „Nun jauchzt dem Herrn, alle Welt“, Schabers 1984 entstandene Bearbeitung des Bach-Präludiums G-Dur mit brausendem Klang auch die entferntesten Räume der Gernsbacher Kirche. Und doch zu viel Zeit für den Kantor, denn Schaber muss seit Wochen die Füße, sprichwörtlich gemeint, ziemlich still halten. Corona mit seinen Abstandsregulierungen zwingt ihn und seine Musikerkollegen dazu.

Viele Zuhörer beim virtuellen Gottesdienst

Das letzte Konzert liegt Monate zurück. Das für die Karfreitagsfeier geplante Paul Hindemiths Trauermusik zum Thema musste abgesagt werden. Einen kleinen Eindruck seines Bläser-Könnens gab Schaber stattdessen an zwei März-Abenden mit „Der Mond ist aufgegangen“ von den Höhen des Gernsbacher Storchenturms (wir berichteten).

Weitaus mehr Zuhörer und Beobachter folgten dem virtuellen Gottesdienst, den er am 10. Mai per Skype zusammen mit 50 weiteren hauptamtlichen Kantoren der Landeskirche musikalisch gestalten durfte. Keinesfalls zu vergessen sind die Stunden, in denen Schaber drei Orgelschüler mit seiner Musik- und Orgelbegeisterung anstecken will. Und auch nicht die schönen Momente, in denen der Organist und Blechbläser auch einmal in Gospel und Jazz-Melodien schwelgt. Mehr Zeit gibt es nun aber auch für den begeisterten Obertsroter und seine Frau Beate, öfter als zuvor mit den Fahrrädern unterwegs sein zu können, um beim Bergwandern die Natur zu beobachten. Von großer Wichtigkeit ist zudem die Zeit, seine beiden Söhne, die Tochter und die inzwischen drei Enkel nach deren Befinden zu fragen. Und das hat mit Corona nun so ganz und gar nichts zu tun.