Pfeiffer: Freude über Eindämmung von Motorradlärm

Gaggenau (red) – Bürgermeister Michael Pfeiffer begrüßt die jüngste Entscheidung des Bundesrats zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm.

Motorräder sollen leiser werden. Doch wann die Entscheidung umgesetzt wird, ist ungewiss. Foto: Patrick Seeger/dpa

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Motorräder sollen leiser werden. Doch wann die Entscheidung umgesetzt wird, ist ungewiss. Foto: Patrick Seeger/dpa

Von Thomas Senger

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir diesen wichtigen Schritt erreicht haben und warten gespannt die weiteren Entwicklungen ab“, wird Pfeiffer in einer Nachricht aus dem Gaggenauer Rathaus zitiert.

Die kurvigen und idyllischen Strecken durch das Murgtal ziehen vor allem bei schönem Wetter und an Sonn- und Feiertagen viele Motorradfahrer an, erläutert die Stadt Gaggenau. Doch was für viele ein Freizeitvergnügen darstellt, geht für viele Anwohner mit einer Lärmbelästigung einher. So auch in Gaggenau, wo viele Bürger unter dem Lärm zu schnell fahrender sowie von getunten Motorrädern leiden.

Um dagegen vorzugehen, hat sich die Stadt Gaggenau vor einiger Zeit der „Initiative Motorradlärm“ angeschlossen. Inzwischen gehören dieser 99 Kommunen aus Baden-Württemberg an. Aufgrund von vielen weiteren Initiativen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen kam es nun zum Beschluss des Bundesrates zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm.

Mit dem Beschluss vom 15. Mai erkenne der Bundesrat das Problem des Motorradlärms an und stell weitere Forderungen an die Bundesregierung und die EU. Konkret werde hierbei genannt, dass „ein rücksichtsvolles Miteinander, die Einhaltung geltender Gesetze und Geschwindigkeitsregelungen Voraussetzung sind, um Interessenskonflikte und Verbotszonen zu vermeiden.“

Da diese Maßnahmen oftmals zu „weich“ seien, sollen die Polizeibehörden der Länder ein wirkungsvolles Instrumentarium an die Hand bekommen, um wirkungsvoll kontrollieren und sanktionieren zu können.

Vorgeschlagen wird ebenfalls, dass Fahrzeuge nicht nur bei der Typprüfung die vorgeschlagene Höchstgrenze von 80 dB (A) einhalten müssen. Darüber hinaus sollen Motorräder vor allem im normalen Fahrgeschehen deutlich leiser werden – die konkrete Bezeichnung bezieht sich hierbei auf die „Real Driving Sound Emissions“.

Wann die Entschließung des Bundesrates jedoch umgesetzt werden soll ist noch offen. Feste Fristen für die Bundesregierung gibt es nicht. Die unterschiedlichen Initiativen der Länder wollen jedoch „am Ball bleiben“ und möglichst viele andere Kommunen, Kreise und Unterstützer hierfür begeistern.

Wichtige Punkte der Bundesratsentscheidung:

Strengere Lärmemissionswerte: Die Bundesregierung soll sich bei der EU-Kommission für strengere Lärmemissionswerte durch Verschärfung der in der EU geltenden Grenzwerte bei der Genehmigung und Zulassung neuer Motorräder einsetzen.

Der Bundesrat hält dabei eine Begrenzung der Geräuschemissionen in allen Fahrzuständen (Real Driving Sound Emissions) auf einen Grenzwert von maximal 80 dB(A) zielführend: Er soll für alle Neufahrzeuge über alle Betriebszustände einzuhalten sein.

Strafen sollen bei Manipulationen am Auspuff, Luftfilter sowie bei sonstigen Eingriffen, die eine erhebliche Steigerung der Lärmemissionen zur Folge haben. Diese sollen deutlich verschärft werden.

Sound-Design: Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, Motorsteuerungen an Motorrädern zu verbieten, die individuell vom Fahrer einstellbare Soundkulissen („Sound-Design“) ermöglichen und durch die störende und belästigende Geräusche erzeugt werden können.

Halterhaftung: Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, eine Halterhaftung einzuführen, da der jeweilige Fahrer unter dem Helm nicht erkennbar ist. Weiterhin soll die Einführung von Fahrtenbuchauflagen verpflichtend werden, sofern die Fahrer nicht ermittelbar sind.

Beschränkungen: Die Bundesregierung soll Geschwindigkeitsbeschränkungen und zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes ermöglichen. Motorräder mit alternativen Antriebstechniken, wie beispielsweise Elektroantrieb, sollten von möglichen Verkehrsverboten ausgenommen werden.

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Erstellt:
27. Mai 2020, 14:52 Uhr
Lesedauer:
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Georg Seidel 28.05.202013:34 Uhr

Jetzt geht es mal wieder pauschal gegen die Motorradfahrer. Streckensperrungen an Sonn- und Feiertagen? Am besten doch gleich das ganze Wochenende noch mit dazu, dann kann man sich unter der Woche nach Feierabend noch für eine kurze Zeit bis es dunkel wird aufs Motorrad setzen. KFZ-Steuer zahl ich aber für 365 Tage, oder?
Was ist eigentlich parallel mit den Zweitakt-Hummeln, die ultrahochdrehend und stinkend mit manipulierter Technik unterwegs sind? Was ist mit den Sportwägen? Mit den Riesen-SUVs?
Natürlich gibt es überall schwarze Schafe - aber jetzt pauschalisiert allen den Spaß am Motorradfahren verderben? Vielen Dank schonmal!


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