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Pizza-Ofen brummt als Dank für unermüdlichen Einsatz

Gernsbach (stj) – Das Restaurant „Michelangelo“ in der Gernsbacher Haydnstraße bietet in Zeiten der Corona-Krise DRK-Rettungskräften kostenloses Essen an.

Pizzabäcker Oskar Jakobczyk schiebt eine Margherita für einen Notfallsanitäter des DRK in den Ofen des „Michelangelo“. Foto: Juch

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Pizzabäcker Oskar Jakobczyk schiebt eine Margherita für einen Notfallsanitäter des DRK in den Ofen des „Michelangelo“. Foto: Juch

Von Stephan Juch

Wenn Menschen selbst von der aktuellen Situation stark betroffen sind, aber trotzdem anderen unter die Arme greifen, ist das ein ganz besonderer Akt der Solidarität. Einen solchen leisten Renata Gradowski und Oskar Jakobczyk. Die Wirtsleute aus Scheuern bieten in Zeiten der Corona-Krise Rettungskräften und anderen, die trotz Ansteckungsgefahr weiter ihrer Arbeit nachkommen müssen, kostenloses Essen aus der Küche des Restaurants „Michelangelo“ an.

Die Hallen-Tennisplätze, auf denen ihre Gäste sonst während des Essens die Ballwechsel verfolgen können, sind genauso verwaist wie die Tische und die Theke im „Michelangelo“. Aber der Pizza-Ofen brummt. Zusammen mit dem Gernsbacher Taxi-Unternehmen Bellack haben Gradowski und Jakobczyk seit Dienstag einen Lieferservice eingerichtet.

„Früher gab es das bei uns nicht“, erzählen die Wirtsleute aus Scheuern im BT-Gespräch. Ihnen komme jetzt zugute, dass sie schon immer sehr viel auch zum Mitnehmen angeboten haben. Ihr Gastronomiebetrieb ist zwar wie alle anderen seit Samstag geschlossen, doch „unsere Gäste lassen uns nicht im Stich“, freuen sich die sympathischen Gastgeber über zahlreiche Bestellungen. Weil auch Taxi-Bellack derzeit wenig Fahrten hat, sei die Kooperation eine klassische Win-win-Situation.

Die Idee, Rettungskräfte kostenlos kulinarisch zu verwöhnen, sei am letzten Öffnungstag am vergangenen Freitag spontan entstanden. Marco Bachmann, Notfallsanitäter beim DRK, ist Stammgast im „Michelangelo“ und mit den Wirtsleuten befreundet. Auch seine Kollegen von der nahe gelegenen DRK-Rettungswache in Gernsbach kommen gerne und oft von der Hillau- in die Haydnstraße, um im Tenniscenter zu essen. So entstand die Solidaraktion der aus Polen stammenden Gernsbacher. „Das ist nicht selbstverständlich“, freut sich Bachmann und verweist auf die sozialen Netzwerke, über die sich das DRK beim „Michelangelo“ bedankt.

Der Notfallsanitäter aus Gernsbach berichtet, dass er und seine Kollegen in Zeiten der Corona-Krise nicht unbedingt mehr Einsätze zu absolvieren haben. Allerdings sei der alltägliche Hygieneaufwand um ein Vielfaches gestiegen. „Die Nachbereitung eines Einsatzes nimmt sonst circa 20 Minuten in Anspruch, jetzt müssen Fahrzeug und Gerätschaften ausführlich desinfiziert werden – das dauert mitunter eine Stunde oder mehr“, erzählt der Notfallsanitäter. Auch in Anbetracht der wenigen Zeit, die einem da bleibt, sei das Essensangebot seiner Freunde eine „tolle Sache“.

Hefe für den Pizzateig wird langsam knapp

Bei der Lieferung der Pizzen und anderen Speisen der Karte werde natürlich strengstens auf die Sicherheitsvorkehrungen geachtet; selbiges gilt für diejenigen, die ihre Bestellung abholen. Am Eingang des „Michelangelo“ steht Desinfektionsmittel bereit, direkter Kundenkontakt wird vermieden. „Das klappt sehr gut“, berichtet Renata Gradowski und lobt ihre Kundschaft, zu vielen gebe es ein Vertrauensverhältnis.

Da die Supermärkte noch normal geöffnet haben, gebe es bisher auch keine Engpässe in der Lieferkette; einzig Hefe für den Pizzateig sei zuletzt knapp geworden, erzählen die Gastronomen, die derzeit Dienstag bis Samstag von 16 bis 21 Uhr sowie sonntags von 12 bis 14 und 16 bis 20.30 Uhr in der Küche arbeiten. Sie sind guten Mutes, die Corona-Krise zu überstehen und ihr Restaurant, das sie seit 2006 betreiben, bald wieder unter normalen Umständen öffnen zu können.


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