Stadtkapelle: Erfolgreicher Re-Start

Gernsbach (ueb) – Beim Feierabendkonzert der Stadtkapelle im Gernsbacher Kurpark, dem ersten öffentlichen Auftritt seit dem Lockdown, ist die Begeisterung auf der Bühne und beim Publikum spürbar.

Zeigt sich voller Spielfreude und begeistert beim ersten Konzert dieses Jahres: Die Stadtkapelle Gernsbach. Foto: Uebel

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Zeigt sich voller Spielfreude und begeistert beim ersten Konzert dieses Jahres: Die Stadtkapelle Gernsbach. Foto: Uebel

Von Dagmar Uebel

Die Stadtkapelle Gernsbach zeichnet sich nicht durch einseitiges Musizieren aus. Im Gegenteil, ihr Repertoire überrascht immer wieder durch eine breite Fächerung. Ob volkstümlich, schlagertypisch oder sogar klassisch: die 45 Musikerinnen und Musiker begeistern ihr Publikum immer wieder.

Wenn man sie nur lässt. Bereits das geplante Konzert zum Jahresbeginn, als die Stadtkapelle die Reihe der Kurkonzerte mit der schon traditionellen Osterhasensuche beginnen wollte, fiel der beginnenden Pandemie zum Opfer. „Normalerweise lägen bereits zwei Doppelkonzerte und mindestens zehn Auftritte hinter uns“, erklärt Vereinsvorsitzende Martina Mary im BT-Gespräch.

Doch echte Musiker lassen sich in ihrer Musizierfreude und Motivation auch durch Lockdowns nicht ausbremsen. Da die Corona-Verordnungen ein enges Zusammensitzen nicht erlauben, nutzen sie seit acht Wochen die räumliche Weite des Schulhofs der Von-Drais-Grundschule für ihre wöchentlichen Proben.

60 wunderbar konzertante Minuten

Zur Freude der Anwohner auf heimischen Balkonen oder der Hollywoodschaukel im Garten hinter dem Haus. Und sogar in Scheuern herrscht hier und da verwundertes Ohrenspitzen. Nun also beiderseitiges entspanntes Aufatmen, als die Kapelle das Publikum zu ihrem ersten Auftritt dieses Jahres in den Kurpark einlud. Mit den Worten „Wir haben Sie sehr, sehr vermisst“ begann Petra Tuschla-Hoffmann, die langjährige Dirigentin der Stadtkapelle, ihre kurze Begrüßungsrede.

Obwohl die Musikerinnen und Musiker alles andere als sauertöpfisch zu sein scheinen, schienen sie während des Feierabendkonzerts besonders „gut drauf“ zu sein. Da wurden auf der Bühne fliegende Absprachen zwischen Dirigentin und Bläsern getroffen und Solisten nach vorn gerufen, die wegen der vorgeschriebenen Höchstzahl präsenter Aktiver abseits der Bühne auf ihren nächsten Auftritt warten mussten. In runden 60 Minuten präsentierte die Stadtkapelle Melodien, die durch ihre Bekanntheit und „stimmungsaufhellende Wirkung“ keinen im Publikum kalt lassen konnten. Das gebotene Repertoire begann ganz ortsgebunden mit dem „Gruß aus Gernsbach“. Beim „Murgrauschen“ gelang es dem Flügelhornisten Otmar Bender, das lebendige Fließen und auch stetige Rauschen der Murg musikalisch nachzuempfinden.

Es folgten internationale Welthits, die von Italien schwärmten, Irland streiften, mit „Europas Klänge“ Weltoffenheit zeigten. Mit dem Schlager-Titel „Rote Lippen“ kamen die 1960er Jahre wieder zum Klingen und die Zuhörer zum Lächeln.

Solistische Glanzleistungen boten der Tenorhornist Manfred Schäfer mit der „Edelweiß-Melodie“ und Sebastian Hoffmann bei der „Löffel-Polka“. Musikalisch wieder gut zu Hause angekommen, war nach einer guten Stunde die Zeit gekommen, das Feierabendkonzert mit „Bis bald, auf Wiedersehen“ stimmungsvoll zu beenden.

Die Möglichkeiten des Publikums, während eines Konzerts Freude auszudrücken, sind begrenzt. Doch wer sich umschaute, dem blieben die Zeichen dafür nicht verborgen. Ob Mitwippen der Füße, Mitsummen oder rhythmisches Klatschen bei besonders eingängigen Titeln: Von allem war etwas am Mittwochabend dabei. Apropos Klatschen: Der Schlussapplaus motivierte indes die Musiker für eine Zugabe. Spätestens beim Badnerlied waren sich alle Beteiligten einig, runde 60 wunderbar konzertante Minuten erlebt zu haben.


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