Wahrzeichen für die Neuausrichtung in Gaggenau

Gaggenau (hu) – Er wächst stetig in die Höhe, der neue „Bau 50“ auf dem Daimler-Werksgelände in Gaggenau.

Ein Wahrzeichen, das für die Neuausrichtung steht: Der neue „Bau 50“ auf dem Daimler-Werksgelände in Gaggenau wächst stetig in die Höhe. Foto: Peter Kraft

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Ein Wahrzeichen, das für die Neuausrichtung steht: Der neue „Bau 50“ auf dem Daimler-Werksgelände in Gaggenau wächst stetig in die Höhe. Foto: Peter Kraft

Von unserer Mitarbeiterin Swantje Huse

Wie Werksleiter Thomas Twork im ersten Quartalsgespräch des Jahres erklärte, liegen die Arbeiten für das neue Klappenteilezentrum „im Plan“. Auch Gesamtbetriebsratsvorsitzender Michael Brecht zeigte sich mehr als zufrieden. „Der neue Bau 50 ist ein Wahrzeichen, das für die Neuausrichtung steht.“ Diese Neuausrichtung meint das, was sonst auch gerne „Transformationsprozess“ genannt wird – sprich, die Umstellung der Automobilbranche auf alternative Antriebsformen. Bei Daimler heißt das vor allem: E-Mobilität.

Mit der Entscheidung, das Gaggenauer Werk gemeinsam mit dem Werk Kassel zum Kompetenzzentrum in Sachen elektrischer Antriebskomponenten zu machen, spielt das Murgtal hier eine entscheidende Rolle. Bereits im vergangenen Jahr sei in Gaggenau die Produktion der Komponenten für den eActros angelaufen, so Twork: „Und die Produktion soll weiter hochgefahren werden.“ In diesem Jahr sollen Komponenten für den eEconic für den europäischen Markt und den eCascadia und den eM2 für den nordamerikanischen Markt folgen.

Parallel dazu werde aktuell geklärt, welche Teile künftig in Gaggenau produziert werden können. „Das ist jetzt die entscheidende Phase, um Impulse zu setzen“, erläutert Twork, der insgesamt aber eher vage bleibt. „Die letzte Strophe des Lieds“ sei noch nicht gesungen, es gehe jetzt darum, zu klären, mit wem was genau gemacht werden könne. „Alleine ist ein solcher Prozess nicht mehr zu schultern“, betont der Werksleiter.

Klar sei aber: Die Zerspanung habe auch im elektrischen Zeitalter ihre Daseinsberechtigung. „Und wir haben die Möglichkeit zu zeigen, was wir können.“ Noch im Laufe dieses Jahres soll laut Twork die Infrastruktur des neuen Kompetenzzentrums stehen. Das heißt, Büros und Werkstätten sind fertig und eine etwa 20-köpfige „Kernmannschaft an Bord“.

Bürgermeister-Contest um Recycling-Anlage?

Bis in Gaggenau auch visionär produziert wird, wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen, stellte der Werksleiter klar: „Das braucht drei bis fünf Jahre Zeit für die Entwicklung und den Aufbau der Produktionsanlagen.“

Während Gaggenau das neue Leitbild „Kompetenzzentrum“ erhalten hat, ist das Werk in Kuppenheim für die Pilotfabrik im Batterie-Recycling bestimmt worden. Lange war hier auch Gaggenau im Spiel. Fest steht: Für mehr als die Pilotanlage ist auf dem Kuppenheimer Werksgelände kein Platz. In Gaggenau aber auch nicht, wie Gesamtbetriebsratsvorsitzender Michael Brecht betont. Anders als Twork darf er auch zum Bereich Mercedes-Benz sprechen, zu dem Kuppenheim seit der Aufspaltung gehört. Twork hingegen kann sich nur zu Daimler-Trucks äußern.

„Weder an dem einen Standort noch an dem anderen hätten wir genügend Platz“, sagt Brecht zu einer dauerhaften Batterie-Recycling-Anlage. Er, der sich nicht nur lange für das Projekt an sich, sondern auch für den Standort Gaggenau stark gemacht hat, bringt nun einen „Bürgermeister-Contest“ ins Spiel: „Jeder Bürgermeister soll gerne Flächen einbringen.“ Gebraucht würden 30.000 bis 40.000 Quadratmeter.

Während Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler bereits eine Fläche gegenüber des Presswerks an der Landesstraße 67 genannt hat, arbeite die Stadt Gaggenau laut Brecht noch „fieberhaft an Möglichkeiten“.

Absatz um rund 20 Prozent gesteigert

Betriebsratsvorsitzender Michael Brecht sieht in einem Wettbewerb wie dem Bürgermeister-Contest nur Vorteile: „Ob wir die Flächen nutzen oder nicht: Für jede Industriefläche werden sich geeignete Anbieter finden.“ Auch der Blick auf das vergangene und das aktuelle Jahr fällt sowohl beim Standortverantwortlichen als auch beim Betriebsratsvorsitzenden positiv aus. Daimler Truck habe seinen Absatz 2021 um rund 20 Prozent steigern können – das habe sich auch in den Gaggenauer Auftragsbüchern widergespiegelt. Die laufende Produktion gepaart mit der Neuausrichtung seien angesichts der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen „eine Herausforderung“, so Twork. Auch Brecht erklärt: „Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor, auch auf Kurzarbeit.“ Er hoffe aber, dass es nicht nötig werde, diese Karte erneut zu ziehen.


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