Waldseebad: Das Kneippbecken soll weg

Gaggenau (tom) – Im künftigen Waldseebad soll es kein Kneippbecken mehr geben. Denn laut Gesundheitsamt sollen dort die gleichen Anforderungen gelten wie in einem chemisch-technischen Bad.

Baustelle des Waldseebads im Januar 2020. Leonie Finkbeiner/Archiv

© Leonie Finkbeiner

Baustelle des Waldseebads im Januar 2020. Leonie Finkbeiner/Archiv

Von Thomas Senger

Das früher sehr beliebte Tretbecken im Waldseebad soll abgerissen werden. Über diese Empfehlung einer Arbeitsgruppe soll der Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am Montag, 17. Februar, befinden. Die als Kneippbecken bekannte kleine Anlage gilt als Sanierungsfall. Als Kosten für ein neues Edelstahlbecken, Strom- und Wasseranschluss werden 50000 bis 60000 Euro benannt. Hinzu kommen Kosten unter anderem für Abbruch, Betonfundamente, Grab- und Erdarbeiten. Bislang wird das Tretbecken aus dem Traischbach gespeist. Aber: „Einer Bachwassernutzung stimmt jedoch das Gesundheitsamt nicht zu, da sich die Anlage innerhalb eines Schwimmbadgeländes befindet“, erläutert die Stadtverwaltung, „es wird hier eine Wasseraufbereitung wie bei einem chemisch-technischen Bad nach DIN 19643 gefordert. Letztlich empfiehlt die Unterarbeitsgruppe von „ZG Gaggenau 2030“ dem Gemeinderat, das Tretbecken stillzulegen und zurückzubauen.

Auf BT-Anfrage erläutert das Landratsamt die Argumentation des Gesundheitsamts:

Sorge wegen Keimen im Wasser

Das Wasser des Traischbachs sei in der Vergangenheit bei Proben mit Enterokokken und coliformen Keimen belastet gewesen. Das Infektionsschutzgesetz, hier §37, schreibe aber vor, dass Wasser nicht zur Übertragung von Krankheiten führen darf. „Aus Sicht des Gesundheitsamtes ist dies aufgrund der geringen Größe des Beckens nur mit einer Wasseraufbereitung nach DIN 19643 sicher zu gewährleisten“, so Pressesprecherin Gisela Merklinger. Damit wäre das Kneippwasser also sauberer als das Wasser, das im selben Waldseebad im Naturbad zum Baden freigegeben würde.

Bachwasser könne Bakterien der Gattung Cryptosporidien, Clostridien und Giardien aufgrund von Darmausscheidungen von Wasservögeln oder Schnecken beinhalten. Diese Erreger könnten nur durch eine systemische Partikelabscheidung – also eine Filtrationsanlage, wie sie Schwimmbäder betreiben –, zurückgehalten werden.

Gelange dieses Bachwasser über den Mund in den Körper, „kann es zu schon bei einer sehr geringen Erregeraufnahme zu schwerwiegenden Darminfektionen kommen“, gibt die Behörde zu bedenken. Ein Anschluss des Tretbeckens an den Wasserkreislauf des Naturbades würde nicht zu einer deutlichen Kostensenkung führen, da auch hier Leitungen für den Wasserzufluss und –abfluss verlegt werden müssen.

Als Kosten für ein neues Edelstahlbecken, Strom- und Wasseranschluss werden 50000 bis 60000 Euro benannt. Hinzu kommen Abbruch, Betonfundamente, Grab- und Erdarbeiten, Verlegung eines Schmutzwasserkanals für abgebadetes chlorhaltiges Wasser sowie Erhöhung der Betriebskosten, unter anderem für Chemikalien. Ferner sind jährliche Füllwasseruntersuchungen, monatliche Beckenwasseruntersuchungen sowie jährliche amtliche Kontrollen erforderlich.

Die öffentliche Sitzung des Gemeinderats im Rathaus beginnt um 18 Uhr.

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Erstellt:
13. Februar 2020, 17:26 Uhr
Aktualisiert:
14. Februar 2020, 18:26 Uhr
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