Beeindruckendes Denkmal jüdischer Kultur in Mittelbaden

Kuppenheim (red) – Der jüdische Friedhof in Kuppenheim ist eine der ältesten Begräbnisstätten in der Region. Seit 1694 wurden dort Verstorbene bestattet, doch in der Nazizeit wurde der Gottesacker verwüstet.

Der jüdische Friedhof Kuppenheim ist kulturhistorisch interessant und zudem auch idyllisch gelegen. Foto: Arbeitskreis Stolpersteine

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Der jüdische Friedhof Kuppenheim ist kulturhistorisch interessant und zudem auch idyllisch gelegen. Foto: Arbeitskreis Stolpersteine

Der europäische Tag der jüdischen Kultur ist ein Aktionstag, der seit 1999 jährlich am ersten Sonntag im September begangen wird. Der Tag wird heute in rund 30 europäischen Ländern von jüdischen und nichtjüdischen Organisationen gemeinsam gestaltet. Er dient dazu, das europäische Judentum, seine Geschichte, Traditionen und Bräuche in Vergangenheit und Gegenwart besser kennenzulernen.

Dazu werden auf lokaler und regionaler Ebene unter anderem Führungen zu Stätten jüdischer Kultur, Konzerte, Ausstellungen und Vorträge zu einem jährlich wechselnden Leitthema organisiert. Der Tag erinnert an die Beiträge des Judentums zur Kultur unseres Kontinents in Vergangenheit und Gegenwart, heißt es in einer Pressemitteilung des Arbeitskreises Stolpersteine Kuppenheim.

Reges jüdisches Leben am Oberrhein

An beiden Rheinufern zwischen Basel, Straßburg und Karlsruhe waren die Beziehungen zwischen den jüdischen Gemeinden und die Verbindung mit der regionalen Kultur stets sehr eng. Auf beiden Seiten des Rheins war bis zum 20. Jahrhundert das Landjudentum vorherrschend. Die religiösen jüdischen Bräuche wurden geachtet, wobei das jüdische Leben eng mit der Alltagskultur und den Landleben verflochten war. Bei aller Unterschiedlichkeit gab es über die Jahrhunderte hinweg eine wechselseitige Bereicherung in vielen Lebensbereichen.

Der Arbeitskreis Stolpersteine lädt aus Anlass des Aktionstags Interessierte aus der Region zu einer Führung auf dem jüdischen Friedhof in Kuppenheim ein. 1694 fand das erste Begräbnis auf dem „Mergelberg“ statt. 1857 wurde der Friedhof zum Verbandsfriedhof für 16 jüdische Gemeinden (von Ettlingen bis ins Hanauer Land) bestimmt. Der Friedhof wurde in der sogenannten Reichspogromnacht 1938 verwüstet, Grabplatten herausgerissen und zerstört, die Aussegnungshalle eingeäschert. Auf Befehl der NS-Verwaltung hätte der Friedhof 1941 geschleift werden sollen. Jedoch konnte er nicht mehr abgeräumt und zerstört werden, in Zeiten des „totalen Kriegs“ war offenbar anderes wichtiger.

Mehr als 200 Grabsteine lagen zum Kriegsende am Boden, zum Teil von Gräsern und Gebüsch zugewachsen. Der Friedhof befand sich in einem jämmerlichen Zustand, im südlichen Bereich mit Stacheldraht eingezäunt. Überlebende und Nachkommen des Holocaust haben damals immer wieder das Erscheinungsbild des Friedhofes bemängelt, berichtet der Arbeitskreis.

Rundgang anlässlich des Tags der jüdischen Kultur

In den 1960er und 70er Jahren begann die Stadt Kuppenheim in enger Zusammenarbeit mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden den Friedhof zu pflegen, wobei ein Großteil der Kosten vom Land Baden-Württemberg getragen werden. Seit Jahren nun stellt der jüdische Friedhof ein Kulturgut von Rang dar, eingebettet in die reizvolle Vorbergzone oberhalb Kuppenheims.

Die Führung (auch bei schlechtem Wetter) beginnt am Sonntag, 6. September, 11 Uhr (Dauer etwa eineinhalb Stunden), Stadtwaldstraße 120 (oberhalb des Schützenhauses). Männliche Teilnehmer sind gehalten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Die Teilnahme ist kostenlos. Spenden zur Legung von Stolpersteinen werden am Ende gerne entgegengenommen. Um die die Corona-Sicherheitsregeln einzuhalten, wird die Begehung auf 20 Teilnehmer begrenzt. Anmeldung: Telefon (07225) 75543, E-Mail: heinz_wolf@gmx.de.

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Erstellt:
4. September 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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