Betriebe laufen wieder an

Rastatt (red) – Nach mehreren Wochen in Null-Stunden-Kurzarbeit laufen die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie in der Region wieder an. Die IG Metall Gaggenau sieht jedoch aktuell noch kein Anzeichen für Entwarnung der kritischen Situation.

Die IG Metall sieht noch kein Anzeichen für Entwarnung. Symbolfoto: Karmann/dpa

© dpa-avis

Die IG Metall sieht noch kein Anzeichen für Entwarnung. Symbolfoto: Karmann/dpa

Claudia Peter, erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, informiert, dass der Anlauf auf niedrigem Niveau sei. „Während in einigen Betrieben mit rund der Hälfte der Belegschaft produziert werden kann, sind es in anderen Betrieben nur zehn Prozent.“ Die Beschäftigten seien weiterhin in einem großen Maß in Kurzarbeit. Die Gewerkschaft bewertet die Vorkehrungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz als „sehr vorbildlich“. Hierzu hätten sich die betrieblichen Verantwortlichen und die Betriebsräte viel Arbeit gemacht. Ihnen gelte ein besonderer Dank für das teilweise wochenlange Engagement. Nun gelte es, durch entsprechende Nachjustierungen dafür zu sorgen, dass es durch die zusätzlichen Schutzmaßnahmen nicht zu einer Verdichtung von Arbeit komme.

Besorgt sieht die IG Metall laut Mitteilung auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. „Wirtschaftsexperten warnen vor der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Wenn wir aktuell in die Betriebe schauen, dann ist das eine sehr realistische Einschätzung“, erläutert Claudia Peter. Ohne entsprechendes Hochfahren könne es in einigen Betrieben in absehbarer Zeit zu Liquiditätsengpässen kommen. Solche Szenarien hätten erhebliche Risiken für die Beschäftigten, dazu gehörten Einkommenseinbußen und sogar Arbeitslosigkeit. Peter weiter: „Menschen, die nicht wissen, wie lange sie noch Geld verdienen, sind nicht motiviert, neue Autos, Möbel oder Kleidung zu kaufen. Die Wirtschaft braucht jedoch den Konsum, um wieder angekurbelt zu werden.“

Konjunkturprogramm gefordert


Deswegen sieht die IG Metall ein breit angelegtes Konjunkturprogramm als außerordentlich wichtig an, um die verschiedenen Branchen, die von der Krise heftig betroffen sind, wieder anzukurbeln. Das systematische und schrittweise Hochfahren des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens sei dazu ein wichtiger Schritt.

„Die Menschen brauchen eine Perspektive und einen sichtbaren Weg aus den beschränkenden Maßnahmen“, ergänzt der zweite Bevollmächtigte Bodo Seiler. Unerlässlich sei es, dass sich die Unternehmen zu ihrer sozialen Verantwortung bekennen. Das heißt für die IG Metall: Keine Angriffe auf Tarifverträge, keine Einschränkungen von Ausbildung, keine Angriffe auf Arbeitnehmerrechte und erzielte Standards.

Ein besonderer Fokus liegt für die IG Metall auf den Familien. Auch wenn es zwischenzeitlich durch eine Erweiterung im Infektionsschutzgesetz die Möglichkeit der bezahlten Freistellung für Eltern gibt, löse das nur vorübergehend die Mehrfachbelastung von erwerbstätigen Eltern. Eine gute Vereinbarkeit von Arbeit und Familie gehöre zu den Kennzeichen einer funktionierenden familienfreundlichen und geschlechtergerechten Gesellschaft. Dies dürfe nicht infrage gestellt werden.

Aus der täglichen Beratung weiß die IG Metall zu berichten, wie sehr Beschäftigte unter dieser Situation leiden. Auch Homeoffice sei für viele Eltern nur eine schwierige Lösung, da der Spagat zwischen der Arbeit zuhause und der Betreuung der Kinder in der sehr eingeschränkten Bewegungsfreiheit eine erhebliche Belastung sei.

Neben der Belastung der Eltern werden sich aus Sicht der IG Metall soziale Ungleichheiten und psychische Belastungen auf Kinder auswirken. „Nicht jedes Kind hat ein familiäres Umfeld, in dem es emotionale Sicherheit, Lernunterstützung und die finanziellen Möglichkeiten für digitale Lernmöglichkeiten gibt“, betont Claudia Peter.

Der Wiederanlauf einer flächendeckenden professionellen Betreuung der Kinder, von der Kita über die Schule bis hin zu sozialpädagogischer Begleitung, sind für die IG Metall unerlässlich, um nicht langfristig „gesellschaftlichen Zündstoff zu entfachen“.

Zum Artikel

Erstellt:
11. Mai 2020, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.