Die Rückkehr des Meerrettichs nach Niederbühl

Rastatt (sb) – Weit über die Region hinaus ist Niederbühl als Meerrettichdorf bekannt, dabei wird das scharfe Gemüse dort seit Jahrzehnten nicht mehr angebaut. Nun soll die Tradition wieder aufleben.

Burkard Herrmann gibt sein Wissen über den Meerrettichanbau gern an seinen Sohn Georg und den Heimatverein Niederbühl-Förch weiter. Foto: Stephan Friedrich

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Burkard Herrmann gibt sein Wissen über den Meerrettichanbau gern an seinen Sohn Georg und den Heimatverein Niederbühl-Förch weiter. Foto: Stephan Friedrich

Von Stephan Friedrich

Lebten früher zahlreiche Familien vom Meerrettich, ist dieser heute selbst in Niederbühler Privatgärten kaum noch zu finden. Der 85-jährige Burkard Herrmann weiß warum: „Meerrettichanbau ist mit viel Arbeit verbunden“, sagt einer der letzten Niederbühler, die das für den Ort namensgebende Gemüse noch in großem Umfang angebaut haben. Die Pflanzung des Meerrettichs erfolgt stets Mitte April. Schon dabei muss einiges beachtet werden. „Der Setzling muss schräg eingegraben werden und das gerade abgeschnittene Stück, der Kopf, sollte an der Ostseite liegen, damit er stets die Morgensonne abbekommt“, erläutert Herrmann. Aufwendig ist auch die Pflege, denn im Juni und dann wieder Anfang August wird die Meerrettichpflanze vorsichtig ausgegraben. Nun werden die „Fusseln“, kleine Triebe an der Seite der Stange, mit den Fingern abgekratzt. Die Triebe am Ende der Stange dürfen dabei ebenso wenig beschädigt werden wie die Pflanze selbst. „Die Fusseln entziehen der Pflanze einfach zu viel Energie. Wenn man die Säuberung nicht zwei Mal im Jahr durchführt, dann wächst der Meerrettich nicht richtig“, betont Burkhard Herrmann.

Einst Handel bis Wien und Paris


Sein Wissen stößt beim im vergangenen Jahr neu gegründeten Heimatverein Niederbühl-Förch auf offenen Ohren. Die Mitglieder haben sich entschlossen, die Tradition des Meerrettichanbaus wieder nach Niederbühl zu holen. Erstes Problem: Woher bekommen wir Jungpflanzen? Georg Herrmann hatte Glück und bekam von einem Kollegen aus Urloffen, wo es noch aktive Meerrettichbauern gibt, einige Setzlinge. So kann es nun wieder losgehen mit dem Meerrettichanbau in Niederbühl, wo einst jeder Bauer mehrere Tausend Pflanzen auf vielen Hektar anbaute.Bereits 1790 waren bis zu 80 Hektar Ackerland mit Meerrettich bepflanzt worden. Die Bauern, ihre Frauen und oft auch die Kinder zogen dann zu den Wochenmärkten in der Region, um ihr kostbares Gut anzubieten. „Wir haben 35 Pfennig pro Stange bekommen, wenn sie besonders schön war, auch mal 40 Pfennig“, erinnert sich Herrmann genau. Bis nach Wien und Paris wurden die Stangen aus Niederbühl gehandelt, die mehr und mehr zu einer Delikatesse auf dem bürgerlichen Mittagstisch wurden.

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