„Es ist ein gutes Gefühl, irgendwas tun zu können“

Rastatt (as) – Enorme Resonanz erfährt die Hilfsaktion der katholischen Gemeinschaft Rastatts für ukrainische Kriegsflüchtlinge. Noch bis Sonntag wird gesammelt, dann startet der Lkw nach Breslau.

Zahlreiche Paletten sind in Herz Jesu bereits abholbereit verpackt.Foto: Frank Vetter

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Zahlreiche Paletten sind in Herz Jesu bereits abholbereit verpackt.Foto: Frank Vetter

Von BT-Redakteurin Anja Groß

Wie in einem Bienenstock geht es am Dienstagnachmittag im Gemeindezentrum Herz Jesu Rastatt zu: Im Minutentakt schleppen Menschen kisten- und säckeweise Hilfsgüter herbei, denn hier hat die katholische Gemeinschaft Rastatts seit Montag eine große Sammelstelle eingerichtet. Noch bis einschließlich Sonntag kann man dort täglich von 16 bis 18 Uhr Spenden für Ukraine-Flüchtlinge abgeben, die dann in ein Verteilzentrum der polnischen Caritas nach Breslau gefahren werden.

„Spenden- und Hilfsbereitschaft sind enorm“, zeigt sich Pfarrer Ralf Dickerhof überwältigt, der das Ganze „angezettelt“ und damit offenbar einen Nerv getroffen hat. Dank des großen Netzwerks, der Veröffentlichung im BT, einer Flugblattaktion in den Gottesdiensten und Werbung über die sozialen Medien hat die Idee sich verbreitet wie im Flug – und schnell hatten sich über einen Doodle-Link auch mehr als 70 Helferinnen und Helfer gefunden.

Rund 30 sind an diesem Nachmittag in Herz Jesu, sortieren, packen um, kleben Kartons zu. „Wir wollten nicht die Hände in den Schoß legen, sondern was machen, solange vor Ort noch nichts zu tun ist“, begründet Dickerhof die Initiative. „Die Nachrichten deprimieren mich, und hier kann ich wenigstens ein bisschen was tun“, sagt Sylke Furrer, während sie gut erhaltene, warme Männerkleidung in einen Karton packt. Sie schenkt der Aktion gerne ihren freien Nachmittag und denkt dabei auch an ihre Eltern, die einst selbst Flüchtlinge waren.

„Warme Kleidung, keine Abendkleider“

Diesen Beweggrund nennen einige ehrenamtliche Helfer. „Uns ist damals auch geholfen worden, als wir aus der DDR geflohen sind“, sagt eine Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte: „Ich möchte damit jetzt auch etwas zurückgeben.“ Auch das „Spendenschwein“ auf dem Abgabetisch füllt sich im Lauf des Nachmittags.

„Es ist sinnvoll, hier die Dinge einzukaufen, denn vor Ort wird die Ware knapp“, sagt Anneliese Dürr und berichtet von ihrem Einkauf, dass selbst in Rastatt schon Windeln oder Hygieneartikel teils nicht zu bekommen waren. Annette Karle appelliert an Spender, mitzudenken, was die Flüchtlinge wirklich benötigen und die Dinge in sauberem Zustand abzuliefern: „Warme Kleidung ist wichtig, Decken, Schlafsäcke, Medikamente, Hygieneartikel“, nennt sie Beispiele, „aber keine Abendkleider“. „Es ist ein gutes Gefühl, irgendwas tun zu können, denn man fühlt sich so ohnmächtig“, beschreibt sie ihre Motivation, die hier wohl alle teilen – über Konfessions- und Altersgrenzen hinweg. „Da merkst Du, Du bist Gemeinde“, stellt Anneliese Dürr fest und rühmt den großen Zusammenhalt.

Pfarrer Ralf Dickerhof nickt bestätigend und erzählt: „Egal, wo ich angeklopft habe, alle waren sofort bereit, uns zu unterstützen.“ So stellt die Firma Kirchberger einen Lkw und zwei Fahrer, die die Hilfsgüter voraussichtlich Sonntagabend nach Breslau fahren werden. Aber auch Anfragen nach Umzugskartons stießen bei Bauhaus oder Flexpack in Rastatt auf offene Ohren, Sackkarren wurden organisiert, Paletten oder Verpackungsfolie, damit die Kartons auf dem Transport nicht kippen. Beim Verladen wird die Rastatter Feuerwehr helfen, berichtet Dickerhof, und auch aus dem Umland haben ihn zahlreiche Hilfsangebote erreicht.

Transport geht nach Breslau

„Der Transport wird nach Breslau zur polnischen Caritas gehen“, erzählt Dickerhof. Den Kontakt hat auf seine Bitte hin Pfarrer Wieslaw Soja von der polnischen Mission hergestellt. Die Caritas werde die Spenden dann in ein Aufnahmezentrum für ukrainische Kriegsflüchtlinge weitergeben. Damit vor Ort alles klappt, wird das polnischstämmige Ehepaar Skalski aus Rastatt nach Breslau reisen, um als Dolmetscher zur Verfügung zu stehen und bei Bedarf mit anzupacken.

Im Foyer von Herz Jesu stehen bereits palettenweise für den Hilfstransport verpackte Kartons. „16 Paletten passen in einen Lkw“, sagt Dickerhof. Wenn es mehr Hilfsgüter werden, „transportieren wir die auf jeden Fall auch weiter“, versichert er. Denn in Breslau seien bereits „so viele Flüchtlinge angekommen, da wird alles gebraucht“.

Das wird an Spenden benötigt

Decken, Schlafsäcke, Kissen, Matratzen, medizinische und hygienische Artikel, gute Kleidungsstücke, Artikel für Kinder und Babys, Milchpulver, Feuchttücher, Windeln, Pflegeprodukte, kalorienreiche Süßigkeiten und Lebensmittel mit langer Haltbarkeit werden dringend benötigt. Bis einschließlich Sonntag, 13. März, können die Spenden jeweils von 16 bis 18 Uhr ins Gemeindezentrum Herz Jesu Rastatt, Stadionstraße 3, gebracht werden.

Musikalische Friedensgebete geplant:

Mit „musikalischen Friedensgebeten“ einmal monatlich will Pfarrer Ralf Dickerhof auch Geld für Ukraine-Flüchtlinge sammeln. Das erste musikalische Friedensgebet findet am Samstag, 19. März, um 19 Uhr in St. Alexander statt. Das Programm wird gestaltet von der Kantorei St. Alexander, Pete Tex am Saxofon, dem Duo Kilian Ziegler und Maria Lomonosova-Ziegler, der Altistin Judith Ritter sowie Raphael Vilgis an der Orgel. Karten sind gegen eine Spende am Samstag, 12. März, von 10 bis 12 Uhr in der Citypastoral, Schlossstraße 4, erhältlich. Kartenausgabe solange der Vorrat reicht. Am 19. März sind keine Karten erhältlich.

Sortieren und Umpacken: Im Gemeindezentrum Herz Jesu Rastatt beteiligen sich viele fleißige Hände an der Hilfsaktion für ukrainische Flüchtlinge in Polen, die Pfarrer Ralf Dickerhof initiiert hat. Foto: Frank Vetter

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Sortieren und Umpacken: Im Gemeindezentrum Herz Jesu Rastatt beteiligen sich viele fleißige Hände an der Hilfsaktion für ukrainische Flüchtlinge in Polen, die Pfarrer Ralf Dickerhof initiiert hat. Foto: Frank Vetter


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