Farbenwucht spricht unmittelbar zum Gefühl

Rastatt (sl) - Mehr oder weniger im Verborgenen entstehen die Bilder vom Marianne Gaiser aus Rastatt. Jetzt zeigt sie sie in einer Ausstellung des Stadtmuseums.

Die Landschaften liegen Marianne Gaiser besonders am Herzen: Hier ein Bergdorf auf Korsika, das die Autodidaktin 1980 gemalt hat. Foto: Frank Vetter

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Die Landschaften liegen Marianne Gaiser besonders am Herzen: Hier ein Bergdorf auf Korsika, das die Autodidaktin 1980 gemalt hat. Foto: Frank Vetter

Von Sebastian Linkenheil

Ganz besonders viele Zusagen hatte Iris Baumgärtner diesmal auf ihre Einladung zur Vernissage im Rastatter Stadtmuseum erhalten. Umso mehr bedauern die Museumsleiterin und die Künstlerin Marianne Gaiser, dass die für Eröffnungsfeier der neuen Ausstellung „Ein musisches Zeitfenster“ mit Marianne Gaisers Malerei und Bauplastik wegen Corona-Angst kurzfristig abgesagt wurde.

Peter Hank, Leiter der Städtischen Galerie Fruchthalle, hatte bereits eine Einführung ins Werk der Rastatterin zu Papier gebracht. Den Vortrag will er nun zu gegebener Zeit im Rahmenprogramm der Ausstellung halten. Wichtig: Stadtmuseum und Ausstellung sind dennoch wie üblich geöffnet, am Sonntag, 8. März, ab 11 Uhr sogar bei freiem Eintritt. Kuratorin Iris Baumgärtner wird dann anwesend sein, eventuell sogar die Künstlerin und auch ihr Ehemann, der bekannte Rastatter Architekt Heinz Gaiser. Warum das? Weil Heinz Gaiser ganz entscheidenden Anteil daran hatte, dass seine Frau Marianne überhaupt zur Künstlerin wurde. Beim Bau der Höhenkapelle Hohritt bei Sasbachwalden in den 1960er Jahren nämlich sagte dem Architekten der Entwurf der Fenster eines vom Bauherrn vorgeschlagenen Künstlers nicht zu, daher unterbreitete er die Idee, das selbst zu machen. Nach Rastatt heimgekehrt, fragte er seine Frau, ob sie das nicht übernehmen könne. Und so kam es auch. Heute zieren Marianne Gaisers Glasfenster nicht nur die Hohritt-Kapelle, sondern auch die Niederbühler St. Laurentiuskirche und die Petruskirche in Rastatt. Die mehrfache Mutter und gelernte Textilkauffrau erweiterte ihr Schaffensfeld auf Baukeramik, arbeitete als freie Künstlerin mit der Karlsruher Majolika zusammen. Auf diese Weise stattete sie zum Beispiel das Vincentius-Krankenhaus in der Fächerstadt mit Kunst am Bau aus.

Auch Keramiken sind zu bewundern

Keramiken und Entwürfe sind im Kellergeschoss des Stadtmuseums zu bewundern. Die Augen gehen einem aber über, wenn man die Ausstellungsräume im Erdgeschoss betritt, denn jetzt kommt die Malerei: Gaisers Arbeiten aus den 1970er Jahren lassen unwillkürlich nach einer Schublade im Kopf greifen, auf der steht: „Naive Kunst“. Und natürlich handelt es sich um Bilder einer Autodidaktin. Doch Peter Hank macht darauf aufmerksam, dass man diese „Begriffshürde“, wie er es nennt, in ihrem Fall überspringen muss. Tatsächlich erinnern die frühen Werke eher an zauberhafte Illustrationen von Märchenbüchern. Und die spätere Malerei lässt dann die „Hürde“ immer weiter hinter sich. Überraschende Räumlichkeit und gekonnt komponierte Staffelung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund zeigen etwa Gaisers Landschaftsgemälde, die in die Rheinauen, die Bretagne, nach Sizilien oder Korsika und sogar in die Sahara entführen. Besonders beeindrucken jene Bilder, die durch ihre Farbenwucht unmittelbar die Gefühle ansprechen. Sie gefallen, ohne dass man viele Worte machen muss. Sie sind einfach, aber nicht simpel. Peter Hank vergleicht Gaisers Arbeitsweise sogar mit den Alten Meistern, wenn er etwa die beharrliche Sorgfalt lobt, mit der sie die Einzelblüten einer Hortensiendolde auf die Leinwand bringt.

Die Ausstellung dürfte gerade auch Kinder ansprechen. Ein museumspädagogisches Programm ist vorbereitet. Zu sehen ist die Schau bis 7. Juni.

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Erstellt:
8. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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