Flüchtlinge und Ehrenamtliche nähen Mundschutz

Rastatt (red) – Das Projekt „Weltfaden“ des Vereins Junge Flüchtlinge Rastatt hat geflüchteten Frauen Nähmaschinen, Stoffe und Garne nach Hause geliefert. Jetzt nähen sie gemeinsam mit Ehrenamtlichen Mundschutze.

Mutter und Tochter aus Afghanistan nähen in Rastatt Mundschutzmasken für den Verein Junge Flüchtlinge Rastatt. Fotos: Verein

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Mutter und Tochter aus Afghanistan nähen in Rastatt Mundschutzmasken für den Verein Junge Flüchtlinge Rastatt. Fotos: Verein

Was macht ein Verein, der sich eigentlich wöchentlich trifft, in Zeiten von Corona? Er verlagert seine Tätigkeit nach Hause und richtet viele Heimarbeitsplätze ein. Das Projekt „Weltfaden“ des Vereins Junge Flüchtlinge Rastatt hat den Frauen Nähmaschinen, Stoffe und Garne nach Hause geliefert. Jetzt nähen die Geflüchteten zusammen mit deutschen Ehrenamtlichen Mundschutze für Besteller aus ganz Deutschland. Jeder in seinen vier Wänden.

Kurz nachdem der Verein das Label „Weltfaden“ gegründet hatte, konnten sich die Flüchtlinge aus Afghanistan, Kamerun und Syrien nicht mehr im Gemeindezentrum der Katholischen Kirche St. Alexander treffen. Doch nachdem in der Öffentlichkeit das Thema Mundschutz diskutiert wurde, war die Idee geboren, so Vereinsvorsitzende Ute Kretschmer-Risché in einer Pressemitteilung: „Wir nähen und helfen. Wenn die Frauen nicht zum Nähen zusammenkommen können, muss das Nähen zu den Frauen kommen.“

Eigentlich hatten die Geflüchteten seit Oktober 2019 Kleidung, Taschen und Kissen gefertigt, die auf Märkten und Festen mit eigenem Stand verkauft werden sollten. Als alles abgesagt wurde, sei der Frust groß gewesen.

Die Nachfrage ist groß


Nachdem über Facebook das Vorhaben vom Mundschutz-Nähen mit Fotos verbreitet wurde, kamen Bestellungen von Niedersachsen bis Bayern. Selbst ein Institut für Klinische Pharmakologie hat für seine Mitarbeiter geordert. In allen Größen, Farben und Formen. Mit Gummi hinter die Ohren oder mit Bändern zum Binden. Die Baumwollstoffe seien alle bis 60 Grad waschbar. Kochbare Baumwolle wurde nachbestellt und sei genäht ab nächster Woche wieder lieferbar.

In einer mitversandten Anweisung erklärt der Verein das Handling, verweist auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und bekräftigt, dass die Masken natürlich nur ein bedingter Schutz seien. Vor allem für andere wegen Vermeidung von Tröpfcheninfektion. Von den weißen Baumwollstoffen bis zu bunten Motiven werde alles bestellt. Auch in Kindergröße und XXL. Hunderte Mundschutze sind bereits gefertigt; die ersten Lieferungen auf den Weg gebracht. „Wir empfehlen, vor der Benutzung den Mundschutz zu waschen.“ Dabei könnten manche farbigen Stoffe etwas eingehen. Für spezielle Einsätze gibt es Taschen in den Masken für Vlieseinlagen. Geliefert wird übrigens ohne Rechnung. Wer mag, kann eine Spende an den gemeinnützigen Verein überweisen.

Die ersten hundert Anfertigungen werden verschickt. Masken aus kochbarer Baumwolle gibt es erst nächste Woche wieder.

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Die ersten hundert Anfertigungen werden verschickt. Masken aus kochbarer Baumwolle gibt es erst nächste Woche wieder.

„Weltfaden“ macht fit für den Arbeitsmarkt


Das Projekt „Weltfaden“ wurde auch initiiert, um die Geflüchteten fit für den Arbeitsmarkt zu machen. So werden neben dem Nähen auch kleine Wissenseinheiten vermittelt: von der Sprache bis zum Thema „Wie setzen sich Kosten in Deutschland zusammen?“ Nach Corona wolle man Bewerbungen schreiben, Plätze für Praktika, Ausbildung oder reguläre Arbeit suchen. Sogar ein Kooperationsangebot der Schlossfestspiele Ettlingen liege vor.

Nach der großen Resonanz haben sich auch viele deutsche Hobby- und Profinäherinnen aus Rastatt und dem Murgtal gemeldet. Mittlerweile nähen fast 30 Frauen ehrenamtlich für das Projekt. Modelle, Muster und Anleitungen werden per Skype oder Soziale Medien ausgetauscht. Alle Teilnehmerinnen – egal aus welchem Land – eint die Ansage: „Wir wollen in der Krise was Gutes tun.“ Das, so Kretschmer-Risché, sei die schöne Seite von Corona: „Es entsteht trotz Abstand ein Gemeinschaftsgefühl.“

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Erstellt:
31. März 2020, 12:22 Uhr
Lesedauer:
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