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Gemeinsam für eine tierisch gute Sache

Malsch (mak) – „Wir wollen Fleisch als Lebensmittel aufwerten“, sagt Dominik Merkel aus Waldprechtsweier, auf artgerechte Tierhaltung setzt. Der 25-Jährige und seine Familie machen das im Nebenerwerb.

Cathleen Gierth, Simon und Dominik Merkel (von links) legen bei der Tierhaltung Wert auf ökologische Standards. Koch

© mak

Cathleen Gierth, Simon und Dominik Merkel (von links) legen bei der Tierhaltung Wert auf ökologische Standards. Koch

Von Markus Koch

„Wir wollen Fleisch als Lebensmittel aufwerten“, sagt Dominik Merkel aus Waldprechtsweier, der großen Wert auf eine artgerechte Tierhaltung legt. Der 25-Jährige macht mit seinem Bruder Simon (29), seiner Verlobten Cathleen Gierth und den Eltern Anita und Manfred gemeinsame Sache: Alle packen mit an, um vor und nach der Arbeit 34 Hinterwälder Kühe und sechs Alpaka-Hengste zu versorgen. Anfang November sind noch 240 Hühner hinzugekommen.

Angefangen hat alles im Jahr 2007, als die Familie Wiesengrundstücke erbte. Simon Merkel hatte die Idee, zwei Hinterwälder Kühe und zwei Kälber als Weidetiere anzuschaffen. „Als er mich gefragt hat, ob ich mitmache, war ich ziemlich schnell Feuer und Flamme“, sagt Dominik Merkel, der damals erst 13 Jahre alt war. „Wir haben früher oft Ferien auf dem Bauernhof gemacht und Simon und ich waren immer frühmorgens mit dem Bauer im Stall, obwohl wir eigentlich hätten ausschlafen können“, blickt er zurück.

Bei den zwei Muttertieren blieb es nicht, die Merkels züchteten mit dem eigenen Stier weitere Tiere nach und kauften auch welche hinzu, erläutert Simon Merkel. Auch einige Einwohner von Waldprechtsweier hätten bei ihnen angefragt, ob sie deren Wiesen mitbewirtschaften könnten. So sind es aktuell rund 30 Hektar an Wiesenflächen, um die sie sich kümmern. Das Heu wird in der kalten Jahreszeit an die Kühe verfüttert. Das Hinterwälder-Rind, das ursprünglich aus dem Südschwarzwald kommt, ist eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse. Um sie zu erhalten, zahlt das Land Haltungsprämien.

Simon Merkel ist gelernter Kfz-Mechatroniker und arbeitet im Rastatter Benz-Werk. Um die Rinder fachgerecht versorgen zu können, hat er beim Landwirtschaftsamt in Karlsruhe eine zweijährige Ausbildung zum Nebenerwerbslandwirt gemacht. Ihm macht der Umgang mit den Tieren Spaß, außerdem sei es ein guter Ausgleich zur Arbeit.

Handwerksmeister im Hauptberuf

Dominik Merkel ist Handwerksmeister Elektrotechnik und bei einem regionalen Energieversorger angestellt. Er wollte in diesem Jahr mit der Ausbildung zum Nebenerwerbslandwirt beginnen: „Für den Kurs gab es nur 22 Anmeldungen, die Mindestteilnehmerzahl beträgt jedoch 25“, erklärt er. Im nächsten Jahr will er es erneut versuchen.

Der 25-Jährige betreibt Tierhaltung aus Überzeugung nach ökologischen Standards, der Betrieb ist jedoch nicht öko-zertifiziert. Die Kühe haben alle einen Namen, die meisten reagieren auf Zuruf. Da man im Lauf der Zeit eine gewisse Bindung aufbaue, „ist es schon emotional, wenn das Tier auf seine letzte Reise geht“, verdeutlicht Merkel. Damit der Transport zum Schlachthof in Bühl so ruhig und stressfrei wie möglich abläuft, fahren sie die Tiere selbst dorthin.

Cathleen Gierth ist Diplom-Betriebswirtin und arbeitet als Projektassistentin bei Weisenburger. Die junge Frau ist ebenfalls aus Überzeugung in dem Familienbetrieb engagiert: „Ich fand Tiere schon immer toll“, meint sie. Cathleen Gierth ist mit Dominik Merkel für die Alpaka-Hengste zuständig. „Ich habe Schulungen gemacht, und gemeinsam haben wir im Vorfeld Züchter besucht“, berichtet sie. Zunächst schafften sich die jungen Nebenerwerbslandwirte drei Alpakas an, mit denen Trekking-Touren gebucht werden können. Aufgrund der guten Nachfrage sind es mittlerweile sechs.

Jeder hat seine Zuständigkeiten

Ende April/Anfang Mai werden die Tiere geschoren, die hochwertige Wolle lasse sich gut vermarkten, erläutert Gierth. Einen weiteren Vorteil bieten die Alpakas noch: „Ihr Geruch schreckt Füchse ab. Und sollte sich ein unerfahrener Jungfuchs mal in das Alpaka-Gehege verirren, dann bekommt er die Hufe zu spüren“, erläutert Dominik Merkel.

Die drei Jungbauern machen alles gemeinsam, wobei jeder seine Zuständigkeiten hat: Wenn mal ein Tier krank wird, dann ist Simon Merkel gefragt. Um die Rinder kümmern sich die Brüder mit dem Vater, die Alpakas werden von Dominik Merkel und Cathleen Gierth betreut, für die Hühner sind alle drei verantwortlich. Gierth macht außerdem in digitalen Netzwerken auf den Betrieb aufmerksam, die Homepage befindet sich noch im Aufbau.

Manfred Merkel ist als Allrounder überall im Einsatz. Er hilft seinen beiden Söhnen vorwiegend viel bei der Versorgung der Rinder, wenn die Weidefläche verlegt wird, ausgemistet oder gefüttert werden muss. Anita Merkel häkelt kleine Alpakas zum Spielen, die dann im Hofladen verkauft werden.

Dominik Merkel erledigt den kaufmännischen Bereich und beantragt die Fördermittel, zudem kümmert er sich um das nächste Projekt, den Bau eines Viehstalls. „Wir planen schon seit drei Jahren, im Herbst haben wir die Baugenehmigung bekommen und im Sommer soll der Stall stehen“, erklärt er.

Aufgrund der großen Nachfrage nach ihrem Rindfleisch wollen die Merkels den Viehbestand in diesem Jahr auf 50 erhöhen. Und wenn sich der Eierverkauf entsprechend entwickelt, können sie sich auch die Anschaffung eines zweiten Hühnermobils vorstellen.

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Erstellt:
2. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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