„Ich weiß, dass ich das kann“

Rastatt (sga) – Gerade ist der Rastatter Erwin Kintop auf „The-Voice-of-Germany-LiveTour“, danach will der bei der Casting Show Zweitplatzierte mit eigener Musik von sich hören lassen. Im BT-Interview spricht er über seine Teilnahme an der Sendung und seine Zukunft.

„Ich weiß, dass ich das kann“

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Ungezwungen, freundlich, offen. So wirkt Erwin Kintop im Interview vor seinem Auftritt in der Karlsruher Schwarzwaldhalle („The Voice of Germany – live in concert“, ausführlicher Bericht: Aus aller Welt). Dass der Zweitplatzierte der diesjährigen „The Voice of Germany“-Staffel mit Leidenschaft bei der Sache ist, ist unverkennbar. Mit BT-Redaktionsmitglied Sarah Gallenberger spricht der Rastatter über die Musik – und auch darüber, weshalb es ihm 2013 bei „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) nicht so gut gefallen hat.

BT: Herr Kintop, bei „DSDS“ hat es nicht geklappt, Sie sind nicht „The Voice of Germany“ geworden. Ist das ein Rückschlag für Sie?

Erwin Kintop: Nein, es ist kein Rückschlag für mich. Ich bin die beste männliche Stimme von „The Voice of Germany“ 2019 und der zweite Sieger. Außerdem sind für mich alle Talente gleich stark.

BT: „DSDS“ und „The Voice of Germany“ – das sind in der Musikbranche aktuell die zwei größten Castingshow-Formate in Deutschland. Was hat Ihnen besser gefallen?

Kintop: „The Voice of Germany.“ Hier wurden wir stundenlang gecoacht und motiviert – in allen Bereichen. Es gibt eine eigene Band, und die Vocal-Coaches sind mit dem Herzen dabei und machen nicht einfach nur ihren Job. Auch jetzt, während der Tour, werden wir auf alles vorbereitet und durchgehend motiviert. Während der Shows hat es unglaublich viel Spaß gemacht, mit der Band zu proben und die vielen Leute kennenzulernen. Das alles gab es bei „DSDS“ nicht – auch wenn die Zeit dort sehr positiv angefangen hat. Wir wurden nie ausführlich geschult. Dort wurde mehr Wert auf das Drama gelegt. Irgendwann kamen dann die Tiefpunkte, bei denen ich auch stimmlich nicht mehr fit war.

Tagesplan umfasst 14,5 Stunden

BT: Wieso haben Sie sich zum zweiten Mal für das Format einer Castingshow entschieden? War das der einfachere Weg, musikalisch durchzustarten?

Kintop: Bei „The Voice of Germany“ habe ich mich nicht selbst beworben, damit hat mich meine Verlobte überrascht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir am Anfang auch nicht viel dabei gedacht. Ich habe mit dem Gedanken teilgenommen, dass ich nichts zu verlieren habe. Ich habe mich selbst motiviert. Gabelstapler fahren ist einfach nicht das, was ich mein Leben lang machen möchte – ich möchte Musik machen. Also dachte ich, ich probiere es nochmal. Wenn du in so einer Show immer weiterkommst, fängst du automatisch an, Selbstbewusstsein aufzubauen. Du merkst, wie viele Menschen hinter dir stehen. Dann sind da auf einmal Leute, die dich gut finden und sehen und singen hören wollen. Das motiviert unglaublich und schenkt mir sehr viel Kraft – die ich auch brauche. Wir haben hier einen Tagesplan von 14, 15 Stunden. Mein Feierabend ist irgendwann nachts…

BT: …was Ihnen wahrscheinlich nicht viel ausmacht, es macht Ihnen ja Spaß.

Kintop: Ja, es macht Spaß. Aber du brauchst trotzdem mal ein bisschen Zeit für dich, in der du einfach mal zur Ruhe kommen kannst. Denn das ist alles auch mit Stress verbunden. Wir haben die ganze Show innerhalb von vier Tagen geprobt, 27 Songs gelernt, die Performance trainiert. Tag und Nacht nur zu singen, das ist nicht ohne.

BT: Rea Garvey war Ihr Coach – hat er Sie so intensiv unterstützt, wie es die Zuschauer im Fernsehen verfolgen konnten?

Kintop: Natürlich wurde ich auch von Rea hinter den Kulissen gecoacht. Er hat mir gesagt, dass ich an mich glauben soll. Und, dass ich es wirklich weit schaffen kann. Als die Sing-Offs anstanden, hat mich Rea privat besucht. Wir haben nach wie vor guten Kontakt zueinander. Er hat mich hinter den Kulissen besucht, kam oft zu mir und hat das Gespräch gesucht, wir haben die Single miteinander aufgenommen. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Er ist ein inspirierender Typ.

„Die Stimmung war ausgelassen“

BT: Die Stimmung zwischen den Coaches scheint, zumindest für die Zuschauer vor dem Fernseher, ziemlich ausgelassen. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Kintop: Du bekommst als Kandidat nicht alles mit, was im Fernsehen gezeigt wird. Auch, weil du zu gewissen Drehzeiten in der Maske oder anderweitig beschäftigt bist. Zum Abschluss einer Show sind meistens alle gemeinsam im Backstage-Bereich gewesen – sowohl die Coaches als auch die Talente – und haben viel Blödsinn miteinander gemacht. Die Stimmung war ausgelassen.

BT: Sie stehen auf der Bühne, die Coaches sitzen noch mit dem Rücken zu Ihnen, und dann hören Sie den ersten Buzzer und jemand dreht sich um. Was ist das für ein Gefühl?

Kintop: Das ist ein absolut krasses Gefühl. Vor allem bin ich ein Mensch, der mit wenig Erwartung in solche Dinge reingeht. Dann kann ich am wenigsten enttäuscht werden und die Freude ist größer, falls es klappt. Wenn sich dann auch noch alle vier umdrehen und dich in ihrem Team haben wollen, das ist der Wahnsinn.

BT: Ist Ihr zukünftiger Erfolg durch die Teilnahme an „The Voice of Germany“ sicher?

Kintop: Das würde ich so nicht sagen. Aber es macht vieles definitiv einfacher. Und natürlich habe ich jetzt auch die Rückendeckung von Rea. Momentan ist er selbst viel unterwegs, aber er versucht demnächst auch mal, hier vorbeizukommen.

Derzeit wird auf Deutsch getextet

BT: „DSDS“, „The Voice of Germany“ – nochmal Castingshow oder jetzt auf eigenem Weg probieren?

Kintop: Ich denke, wenn ich mich ein drittes Mal bei einer Castingshow bewerbe, können mich die Leute nicht mehr ernst nehmen und denken, ich bin verzweifelt. Aber ich bin nicht verzweifelt. Ich bin mit mir selbst sehr vertraut und weiß, dass ich das kann. Dafür brauche ich aber ein kleines Team, das mit mir zusammenarbeitet – alleine bist du in dem Haifischbecken verloren. Du brauchst Leute und Produzenten, die hinter dir stehen. Jetzt heißt es in erster Linie, die Tour gemeinsam mit den anderen Talenten durchzuziehen. Es ist wirklich schwer, die eigene Stimme fit zu halten. Im kommenden Jahr habe ich aber vor, definitiv etwas von mir hören zu lassen. Aktuell schreibe ich viel an meinen eigenen Texten, bin am Komponieren, am Produzieren von Demo-Versionen. Die möchte ich dann mit meinem Produzenten zusammen aufnehmen. Ich bin sehr vielseitig. Momentan texte ich auf Deutsch. Aber festlegen will ich mich da nicht – weder sprachlich, noch was das Genre betrifft.

Erwin Kintop mit seinem Coach Rea Garvey beim Finale. Foto: Britta Pedersen/dpa

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Erwin Kintop mit seinem Coach Rea Garvey beim Finale. Foto: Britta Pedersen/dpa

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Erstellt:
10. Dezember 2019, 00:00 Uhr
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