Initiativen gegen die soziale Isolation

Rastatt (red) – Mit zunehmender Dauer der zur Eindämmung der Corona-Pandemie eingeleiteten Maßnahmen wird die soziale Isolation für ältere und betagte Mitbürger zu einem immer größeren Problem.

Kontaktmöglichkeiten mit Senioren, die zu Hause wohnen, sind sehr eingeschränkt. Doch gegen die Vereinsamung können grundsätzlich alle einen Beitrag leisten. Foto: Patrick Pleul/dpa

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Kontaktmöglichkeiten mit Senioren, die zu Hause wohnen, sind sehr eingeschränkt. Doch gegen die Vereinsamung können grundsätzlich alle einen Beitrag leisten. Foto: Patrick Pleul/dpa

Dies bestätigt Doris Schmith-Velten, Vorsitzende des Kreisseniorenrats: „Die Kontaktmöglichkeiten mit den Senioren, die zu Hause wohnen, sind sehr eingeschränkt. Immer wieder spüren wir in unseren Telefonaten, dass die Vereinsamung ein Riesenproblem ist“.
Gerade für alleinlebende ältere Menschen stelle der Verlust regelmäßiger Treffen wie Seniorennachmittag oder Gymnastikgruppe einen großen Einschnitt dar.

Für den Lebensalltag kann die aktuell notwendige Distanz bedeuten, dass emotionale Nähe und Gesprächskontakte nicht mehr stattfinden, anregende Freizeitaktivitäten wegfallen und körperliche Bewegung nur eingeschränkt möglich ist.

Die Kontaktarmut kann dazu führen, dass zunehmend das Gefühl der Einsamkeit und Depressivität eintritt und Mangelernährung, Verwirrtheitszustände oder Stürze nicht mehr frühzeitig entdeckt werden. Nachdem der Austausch mit Bekannten, Freunden, Enkelkindern und entfernt wohnenden Angehörigen stark reduziert ist, können neue soziale und gesundheitliche Probleme entstehen. Rolf Schnepf, der Altenhilfe-Fachberater im Landratsamt, weist darauf hin, dass die psychosoziale Belastung durch die Isolation gerade auch pflegende und betreuende Angehörige besonders hart treffe, da wichtige Entlastungsmöglichkeiten wie Tagespflege oder ambulante Demenzgruppen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt sind.

Zwar wurden mit großem Engagement vielerorts Einkaufshilfen gegründet und in den Heimen Konzerte organisiert, aber wie Rudolf Fritz vom Weisenbacher Bürgernetzwerk „Helfende Hände“ berichtet, bestehe spürbar ein Bedarf an Kontaktangeboten für alleinlebende Senioren. Kontaktmöglichkeiten bieten vor allem die persönliche Nachbarschaftshilfe, aber auch örtlich organisierte Telefonketten oder Hotlines. Allerdings sei hierbei auf unseriöse Anrufe zu achten und Wachsamkeit erforderlich.

Oft reichen kleine Gesten wie ein Anruf oder die Unterstützungsnachfrage bei pflegenden Angehörigen, denn gerade derzeit zeigt sich, wie wichtig lebendige Nachbarschaften sind. Die sozialen Medien können hilfreich sein, aber auch ein Handzettel im Briefkasten. Gegen die Vereinsamung älterer Menschen können grundsätzlich alle einen Beitrag leisten, vor allem Menschen, zu denen bereits eine Beziehung besteht. Alleinstehende können dann feststellen: „Zum Glück denken sie noch an mich!“.

Infos/Kontakte:

Auch der Pflegestützpunkt des Landkreises Rastatt ist in dieser belastenden Zeit für die Menschen da, heißt es in der Mitteilung des Landratsamts. Neben den gewohnten Beratungen zu allen Fragen rund um Pflege bietet das Team eine erweiterte telefonische Begleitung für entlastende Gespräche, wenn die Pflege eines Angehörigen gerade jetzt zur besonderen Belastung wird oder Senioren wenig Außenkontakte haben. Telefonhotline: (07222) 3812834 oder 3812160 (während der Öffnungszeiten des Landratsamts) oder per E-Mail an pflegestuetzpunkt@landkreis-rastatt.de.

Weil die derzeitige Lage und die damit einhergehende Verunsicherung psychisch eine große Belastung sein können, hat das Landessozialministerium zudem eine kostenfreie, mit Experten besetzte Hotline eingerichtet unter: (0800) 3773776, täglich von 8 bis 20 Uhr.

Informationen zum Aufbau ehrenamtlicher Initiativen vermittelt die Sozialplanung im Landratsamt unter (07222) 3812170, E-Mail r.schnepf@ landkreis-rastatt.de. Ein Verzeichnis der in den Städten und Gemeinden neu gegründeten Einkaufs- und Nachbarschaftshilfen findet sich unter www.landkreis-rastatt.de.

Der Aufbau örtlicher Telefonketten und Nachbarschaftshilfen wird durch die Strategie „Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten“ des Landessozialministeriums unterstützt. Vorschläge/Musterbeispiele: www.quartier2020-bw.de.

Für die ehrenamtliche mobile Wohnberatung des Kreisseniorenrats wurde ein Online-Informationskonzept erarbeitet, das weiterhin Beratungen zum barrierefreien Wohnen ermöglicht. Kontakte über Josef Elter, (07225) 983516 oder per E-Mail an josef.elter@kreisseniorenrat-rastatt.org.

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Erstellt:
12. Mai 2020, 15:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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