Königliche Geschenke gehen auf Reisen

Rastatt – Einst schenkte sie ein König dem badischen Markgrafen, jetzt reisen sie nach Holland: Zwei über 300 Jahre alte Keramikkübel aus Schloss Favorite werden für eine Ausstellung ausgeliehen.

Mit weißen Handschuhen und viel Vorsicht hebt Restaurator Werner Hiller-König einen der kostbaren Pflanzkübel aus der geöffneten Vitrine. Foto: Frank Vetter

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Mit weißen Handschuhen und viel Vorsicht hebt Restaurator Werner Hiller-König einen der kostbaren Pflanzkübel aus der geöffneten Vitrine. Foto: Frank Vetter

Von Sebastian Linkenheil

Die Keramiksammlung von Schloss Favorite beherbergt Stücke von europäischem Rang. Das zeigt sich aktuell wieder an einer Leihanfrage des Kunstmuseums Den Haag, das die Staatlichen Schlösser und Gärten für seine Ausstellung „Koninklijk Blauw – Royal Blue“ um zwei Delfter Keramikkübel aus dem Besitz des Markgrafen Ludwig Wilhelm und Sibylla Augustas gebeten hat, obwohl man dort ja selbst an der Quelle sitzt. Jetzt machten sich die beiden kulturgeschichtlich spannenden Stücke auf den Weg in die Niederlande, ihre „alte Heimat“.
Es handelt sich um zwei große, blau-weiß glasierte Gartenkübel, die ihren Zweck aber vermutlich nie erfüllt haben, wie Restaurator Werner Hiller-König vermutet.

Kronen und Initialen weisen auf royale Herkunft hin

Denn das Dekor mit der Königskrone und den Initialen WMR deuten darauf hin, dass Markgraf Ludwig Wilhelm die beiden Gefäße als Gabe des englischen Königspaars William III. und Mary 1694 von seiner Reise auf die britische Insel mitgebracht hat. „Als royales Geschenk zeigten sie, dass die badischen Markgrafen Kontakte zum englischen Königshof besaßen“, macht Hiller-König klar, dass die beiden Stücke wohl als zu kostbar angesehene worden sein dürften, als dass sie mit Orangenbäumchen bepflanzt tatsächlich im Garten gestanden haben könnten. Sicher ist das freilich nicht, denn die Löcher im Boden der beiden Pflanzgefäße machen sie durchaus für ihren praktischen Sinn benutzbar. Dass die Glasur der rund 325 Jahre alten Keramiken an manchen Stellen abgeplatzt ist, belege weniger den Einsatz im Garten als die große Stoß- und Temperaturempfindlichkeit von Fayencen. Sie ist ein entscheidender Nachteil gegenüber dem viel härteren Porzellan, dessen Herstellung in Europa bis 1709 aber unbekannt war.

Die Keramikmanufakturen im niederländischen Delft waren berühmt für ihre Qualität. Eine der bekanntesten war „de Grieksche A“, benannt nach der Marke, mit der die Produkte gekennzeichnet waren: dem griechischen Buchstaben Alpha. Aus dieser Herstellung stammen die königlichen Geschenke.

Die Gefäße sind in ihrer Art einzigartig

Mit dieser Art Fayencen versuchte man gezielt, ostasiatisches Porzellan nachzuahmen. Die Delfter Produkte galten aber als so hochwertig, dass man sie als eigenständige Kunstwerke betrachtete. „Sie waren auch genauso teuer wie das echte Porzellan“, weiß Hiller-König. Am englischen Hof waren die Delfter Waren ebenfalls beliebt, stammte William III. als geborener Prinz von Oranien-Nassau doch selbst aus den Niederlanden.

Heute sind die beiden Kübel mit Geld gar nicht zu bezahlen, denn in ihrer Art sind sie einzigartig. Anders als die meisten Keramikgefäße ihrer Zeit sind sie nicht rund, wie es auf der Töpferscheibe weit einfacher herzustellen wäre, sondern achteckig. Zwei große geschwungene Henkel, geziert mit Masken, schmücken die Seiten zusätzlich. „Die Kübel ahmen wohl Gefäße aus Silber nach“, erklärt Hiller-König und bugsiert – vorsichtig und mit weißen Handschuhen – eines der empfindlichen Objekte aus seiner Vitrine in eine weich ausgepolsterte Kartonschachtel. Der zweite wird eine eigene Box erhalten, damit die seltenen Stücke bei der anschließenden Autofahrt nach Karlsruhe ins Depot der Schlösser und Gärten ja nicht aneinanderstoßen und Schaden nehmen. Im Transporter einer spezialisierten Kunstspedition treten die kostbaren Leihgaben dann den Weg nach Den Haag an , wo sie vom 21. März bis 16. August von den Ausstellungsbesuchern unter vielen weiteren Stücken bewundert werden können. Anschließend kehren sie nach Favorite zurück, das übrigens am 15. März aus dem Winterschlaf erwacht und wieder seine Tore öffnet.

Favorite ab 15. März wieder geöffnet

Auf die königlichen Pflanzkübel müssen die Besucher dort zwar vorübergehend verzichten, die Sammlungen Sibylla Augustas und die Ausstattung der Räume ist aber so üppig, dass das kaum ins Gewicht fällt.

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Erstellt:
6. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 50sec

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