Neue Dimension im Schlosshof

Rastatt (fuv) – Peter Maffay, José Carreras, Elton John, die Fantastischen Vier und nun Sven Väth: Die Bandbreite der Künstler, die im Ehrenhof des Rastatter Barockschlosses auftraten, ist groß. Das Techno-Event „Cocoon in the Red Residence“ ist eine neue Dimension (Foto: fuv).

Alle wollen Papa sehen: Sven Väth, Urgestein der deutschen Technoszene, legt auf. Vetter

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Alle wollen Papa sehen: Sven Väth, Urgestein der deutschen Technoszene, legt auf. Vetter

Von Frank Vetter

Rastatt – Peter Maffay, José Carreras, Elton John, die Fantastischen Vier und nun Sven Väth: Die Bandbreite der Künstler, die im Ehrenhof des Rastatter Barockschlosses auftraten, ist groß. Das Techno-Event „Cocoon in the Red Residence“ ist eine neue Dimension.


„Wir sind hier, um da Babba zu sehen“, sagen Sabrina und Marcus aus Landau in breitem Pfälzisch. Der Papa, das ist Sven Väth, Urgestein der deutschen Technoszene und nach wie vor international angesagter DJ mit Wohnsitz auf Ibiza. Warum der Hesse so gefragt ist, erschließt sich dem Zuhörer bei seinem fulminanten Auftritt in der untergehenden Sonne im Schlosshof. Bis dahin hatten jene, die bereits seit 12 Uhr in der „Rave-Arena“ Schlosshof gestanden hatten, sieben Stunden Techno-Sound von vier weiteren Sound-Mixern und jede Menge Spaß erlebt. Sabrina und Marcus zählen zu den ersten, die den Weg in den Ehrenhof heraufkommen und sich sofort vor die – im Vergleich zu Schlosshofkonzerten – kleine Bühne platzieren „Da hab ich Gänsehaut bekommen“, beschreibt Sabrina ihren ersten Eindruck von der Barockresidenz, die ja nun auch „Red Residence“ heißen darf. So eine Location hätten sie noch nie erlebt. Und dass das Ganze tagsüber stattfindet und um 22 Uhr endet, sei für sie als Eltern super.

Familienfreundlich nennen das Event auch Marcel, Annemarie und Susanne aus Göppingen. Das Trio kommt wegen Papa Väth nach Rastatt, sie sind bekennende Freunde elektronischer Tanzmusik, wie sie es nennen. Die Location sei cool.

Das finden wohl alle, die sich dem Rastatter Schloss erstmals nähern. Der Weg zur Chill-out- und Verpflegungszone im Schlossgarten durch die Sala terrena sorgt bei vielen für ungläubige Blicke. Den ganzen Nachmittag über pilgern Technofans Richtung Ehrenhof, am Schluss sind es wohl die angekündigten 5 000.

Das Ritual wiederholt sich ständig: schon leicht wippend den Aufgang hoch, das Selfie vor der Schlosskulisse und dann einfach gut drauf sein. Es beeindruckt, wie locker und friedlich so viele Besucher bei einem solchen Event sein können. Dies ist sicherlich auch der Organisation geschuldet. Das Cocoon-Team hat alles daran gesetzt, den besten Eindruck in der Barockstadt zu hinterlassen – inklusive ständiger mobiler Lärmmessungen, um die Geräuschbelastung für die Nachbarschaft in Grenzen zu halten. Das scheint wohl gelungen zu sein.

Musik gibt es auch. Den Anfang macht Fabe, gefolgt von Dana Ruh, André Galluzi und schließlich Gregor Trescher. Technosound eben, Glanzlichter in den Auftritten werden schon etwas vermisst. Macht nix – wippen und tanzen. Gregor Trescher als direkte „Vorgruppe“ für Sven Väth gibt dann schon Gas. Um 19 Uhr ist es dann soweit: Der Meister erscheint auf der Bühne und dreht den ersten Regler auf. Dann ist gleich klar, weshalb 5 000 Menschen nach Rastatt gekommen sind, weshalb der 55-Jährige noch immer so erfolgreich ist. „Papa“ versetzt den Ehrenhof in kollektives Jubeln. Es passt alles. Es gibt im Prinzip keine Lichtshow. Vier bunte Strahler von der Minibühne, den Rest erledigt die Schlossfassaden-Beleuchtung. So umrahmt wippt die große Schar, umwölkt vom Tanzstaub des Schlosshofs: elektronische Tanzmusik vom Feinsten in entsprechender Lautstärke.

Wie heißt es so schön am Ende des Bogart-Klassikers Casablanca? „Das könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein“. Zwischen Cocoon und Rastatt wäre das wünschenswert.

So sehen Fans aus: Rund 5000 Anhänger der elektronischen Tanzmusik pilgern in den Schlosshof.

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So sehen Fans aus: Rund 5 000 Anhänger der elektronischen Tanzmusik pilgern in den Schlosshof.

Laut, aber bitte nicht zu laut: Der Veranstalter lässt permanent den Lärm messen.

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Laut, aber bitte nicht zu laut: Der Veranstalter lässt permanent den Lärm messen.

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Erstellt:
5. August 2019, 00:00 Uhr
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