Neues Buch beleuchtet Entstehungsgeschichte des Auewalds

Au am Rhein (as) – Die Auewälder der Rheinauen sind menschengemachte Biotope: Kulturwälder, die seit Jahrtausenden genutzt und verändert werden. In einem 80-seitigen Buch „Europäische Kulturlandschaft Auewald“ beleuchtet Forstexperte Dr. Helmut Volk nun erstmals deren Entstehungsgeschichte und Besonderheiten. Das Werk entstand anlässlich des Dorfjubiläums 1200 Jahre Au am Rhein, das vergangenes Jahr groß gefeiert wurde.

Im alten Rhein-Flussbett angelegt: Mit dem Auewald bei Au am Rhein beschäftigt sich ein neues Buch. Foto: Schiffhauer/Archiv

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Im alten Rhein-Flussbett angelegt: Mit dem Auewald bei Au am Rhein beschäftigt sich ein neues Buch. Foto: Schiffhauer/Archiv

Von Anja Groß

Au am Rhein (red/as) – Er ist als Naherholungsgebiet in der Corona-Zeit beliebter denn je: Der 550 Hektar große Auewald bei Au am Rhein, der teilweise unter Naturschutz steht. Seine Entstehungsgeschichte und Besonderheiten beleuchtet erstmals umfänglich nun das gerade erschienene Buch „Europäische Kulturlandschaft Auewald“ von Dr. Helmut Volk vom Arbeitskreis Flussauen und Auewälder aus Freiburg.
Der meint, von Naturschutzseite werde der Wald „nicht genügend anerkannt, weil dort die nicht bewiesene Meinung vertreten wird, die Rheinkorrektion habe von Basel bis Mannheim in eine von Menschen unberührte, nicht genutzte Urwald-Landschaft zum großen Nachteil für Natur und Mensch eingegriffen.“ Vom Naturschutz würden Auflagen für den Wald gemacht, die nicht begründet seien, betont er gegenüber dem BT. Ihm geht es mit dem Buch auch darum, zu zeigen, dass Auewälder sehr wohl Kulturwälder sind, die über die Jahrhunderte durch das Leben am und mit dem Fluss entstanden. „Es ist daher notwendig, sich damit zu befassen, wie die Ideen von ungenutzten Naturlandschaften in den Rheinauen in den Naturschutz kamen und ob sie heute noch Bestand haben können“, betont Volk.

Zwei Jahre in Archiven recherchiert

Er hatte bereits für das zum Dorfjubiläum vergangenes Jahr erschienene Heimatbuch ein Kapitel über den Auewald geschrieben, berichtet Bürgermeisterin Veronika Laukart auf BT-Anfrage. Der Beitrag sei auf großes Interesse gestoßen, da das Thema in dieser Form bislang noch nie intensiv beleuchtet worden war. So sei die Idee entstanden, daraus ein ganzes Buch zu machen.

Im Auftrag der Gemeinde, des Fördervereins Dorfjubiläum und des Arbeitskreises Flussauen und Auewälder hat Forstexperte Volk zwei Jahre in Archiven recherchiert und den Erfahrungsschatz aus seiner 50-jährigen Praxis als Forstmann eingebracht. Er hat schon mehrere Bücher über Auewälder an großen Flüssen wie dem Rhein, der Donau und der Elbe geschrieben.

Auf 80 Seiten mit 125, meist farbigen Abbildungen und Grafiken im quadratischen Format beleuchtet er in größeren Kapiteln „Landschaft und Wald nach 1590 bis 1806“, „Landschaft vor der Rheinkorrektion (1806-1850)“ und „Die Rheinkorrektion (1840-1890)“.

„Die Auewälder der Rheinauen sind menschengemachte Biotope: Kulturwälder, die seit Jahrtausenden genutzt und verändert werden“, heißt es in der Einleitung. Baumriesen, üppiges Strauchwerk, Schilfgürtel und Altwasser vermittelten den Eindruck eines „badischen Aue-Dschungels“. Der heutige Wald von Au am Rhein entstand laut Volk vor 170 Jahren nach der Rheinbegradigung im alten Flussbett des Rheins. Dort wurden großflächig Böden angelandet und mit Weich- sowie Hartholz bepflanzt. Auf dem fruchtbaren Boden „wachsen die meisten Baum- und Straucharten Mitteleuropas“, heißt es im Klappentext.

Viehfutter und Faschinenproduktion

Immer wieder habe sich auch die Zusammensetzung der Auewälder verändert. Linden- und Ulmenlaub beispielsweise diente in großen Mengen als Viehfutter. Dafür wurden Äste abgeschlagen, die Bäume wurden krank und starben ab.

Im Buch beleuchtet Volk Themen wie Fischerei und Holzvermarktung ebenso wie das Leben beidseits des Rheins oder die Faschinenproduktion und den Weichholzanbau. Schon immer hätten die Menschen am Rhein den Wald genutzt und verändert. „Vor 5000 Jahren begann die Landschaftsveränderung durch Bauern“, schreibt Volk über das Rheintal. „Sie brannten die Wälder ab, rodeten, und sie pflanzten Getreide und andere Nutzpflanzen auf Äckern und Wiesen an.

Helmut Volk: Europäische Kulturlandschaft Auewald, 1200 Jahre Au am Rhein, Verlag Regionalkultur. ISBN 978-3-95505-190-7, 19,90 Euro.

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Erstellt:
10. Juni 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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