Rastatterin spendet Stammzellen

Rastatt (for) – Ob sie sich tatsächlich als Lebensretterin bezeichnen kann, weiß Denise Kölmel noch nicht. Aber sie kann auf jeden Fall von sich behaupten, dass sie alles dafür getan hat, einem anderen Menschen zumindest die Chance auf ein neues Leben zu schenken. Die Rastatterin hat Stammzellen gespendet.

Denise Kölmel fühlt sich nach ihrer Stammzellenspende zwar erschöpft, aber „überglücklich“. Foto: privat

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Denise Kölmel fühlt sich nach ihrer Stammzellenspende zwar erschöpft, aber „überglücklich“. Foto: privat

Von Janina Fortenbacher

Während der Corona-Pandemie ins Krankenhaus? – Für die meisten Menschen klingt das nach einem Albtraum. Immer wieder berichten Ärzte, dass Patienten OP-Termine oder Untersuchungen verschieben, weil sie befürchten, sich in Kliniken mit dem Coronavirus anzustecken. Für Denise Kölmel aus Rastatt war Abwarten allerdings keine Möglichkeit, denn es ging um Leben und Tod – nicht für sie, aber für einen unbekannten Menschen, der ihre Hilfe dringend benötigte. Ende Februar wurde der jungen Frau aus Plittersdorf mitgeteilt, dass sie als potenzielle Stammzellenspenderin in Frage komme. „Ich habe keine Sekunde gezögert und einer Spende sofort zugestimmt“, erinnert sich Kölmel, die seit 2012 bei der DKMS registriert ist.

Blutabnahme gestaltet sich schwierig

Drei Tage später war auch schon das Paket zur Blutabnahme in ihrem Briefkasten. Weil ihr Hausarzt zu diesem Zeitpunkt wegen Urlaub geschlossen hatte, suchte sie den Vertretungsarzt auf. Der sah es laut Kölmel aber „als nicht notwendig“ an, ihr sofort Blut abzunehmen. „Er verwies mich darauf, zu warten, bis mein Hausarzt wieder geöffnet hat“, erzählt Kölmel. Doch die 28-Jährige hörte nicht darauf: „Ich wusste, dass jeder Tag zählt und habe irgendwann auch endlich einen Arzt gefunden, der die Blutabnahme durchgeführt hat.“ Kurz darauf stand fest: Kölmel ist die passende Spenderin. „Die Freude war sehr groß“, erinnert sie sich. „Vor allem, weil ich bereits 2014 in der engeren Auswahl war, dann aber die traurige Nachricht erhielt, dass doch nicht alle Werte übereinstimmten.“

„Versucht, Corona auszublenden“

An das Coronavirus hat Kölmel bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht gedacht. „Ich wurde erst skeptisch, nachdem ich von mehreren Personen gefragt wurde, ob ich denn keine Angst habe, gerade jetzt zu spenden.“ In einem Telefongespräch mit ihrer zuständigen Betreuerin der DKMS habe sich ihre Verunsicherung allerdings schnell wieder verflüchtigt. „Ich habe einfach versucht, Corona ein Stück weit auszublenden“, sagt Kölmel. Nach der Blutuntersuchung beim Arzt sei zeitnah ein Termin zur Vorsorgeuntersuchung ausgemacht worden. „Dabei wurde ich von Kopf bis Fuß durchgecheckt“, berichtet sie.

Spritzen, um Stammzellenproduktion zu fördern

Fünf Tage vor der Spende musste sich die 28-Jährige dreimal am Tag mit einem Medikament spritzen, damit ihr Körper mehr Stammzellen produziert als üblich. „Während dieser Zeit zeigte mein Körper leichte grippeähnliche Symptome wie Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit“, erinnert sich Kölmel. Allerdings seien die Nebenwirkungen für sie erträglich gewesen.

Am Tag der eigentlichen Spende musste sich Kölmel bereits um 8 Uhr in der Klinik einfinden. „Nachdem alles vorbereitet und die Zugänge gelegt worden waren, wurde ich an ein Gerät angeschlossen, das meine Stammzellen aus meinem Blut herausfilterte“, schildert sieden Ablauf im Krankenhaus. „Auch dabei war ich ziemlich müde und hatte Kopfschmerzen, bei dem Gedanken, auf diese Weise jemandem das Leben zu retten, war aber auch das erträglich.“

„Unbeschreibliches Gefühl“

Der gesamte Prozess habe rund fünf Stunden gedauert, dann war die gewünschte Menge an Stammzellen erreicht und Kölmel wurde nach Hause entlassen – zwar etwas erschöpft, aber überglücklich, wie sie im Nachhinein erzählt. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl, zu wissen, dass man gerade einem kranken Menschen die Chance auf ein neues Leben geschenkt hat. Und das alles so einfach und mit nur wenig Aufwand!“

Spende geht nach Frankreich

Erst einen tag später erfuhr Kölmel, dass ihre Stammzellenspende an eine über 30-jährige Frau aus Frankreich ging. Nähere Details zu der Person dürfe die DKMS nicht geben. Auch Kölmels Hoffnung, ihren genetischen Zwilling einmal persönlich zu treffen, schwand schnell. Die Regelungen dafür seien in jedem Land unterschiedlich. „Leider hat man in Frankreich nie die Chance, sich persönlich kennenzulernen. Es besteht nur die Möglichkeit, anonymen Briefkontakt aufzunehmen.“ Dabei dürften allerdings keinerlei Angaben zur Person geteilt werden, merkt Kölmel an. Ob es geklappt hat, ein Leben zu retten, erfährt sie erst Anfang 2021. Dann werde sie einmalig über den Gesundheitszustand der Frau informiert. „Ich hoffe sehr, dass ich ihr helfen und ihr ein neues Leben schenken konnte.“

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Erstellt:
21. Mai 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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