Seniorenrat Muggensturm lässt sich von Corona nicht ausbremsen

Muggenmsturm (sl) – Sein erstes Jahr ist für den im Januar gegründeten Seniorenrat gleich ein ganz besonderes, denn die Pandemie hält die ehrenamtlichen Helfer auf Trab.

Bei der Gründung des Seniorenrats vor knapp einem Jahr ist von Covid 19 in unseren Breiten noch keine Rede. Foto: Gemeinde Muggensturm

© red

Bei der Gründung des Seniorenrats vor knapp einem Jahr ist von Covid 19 in unseren Breiten noch keine Rede. Foto: Gemeinde Muggensturm

Von Sebastian Linkenheil

Das erste Jahr des Muggensturmer Seniorenrats war wegen Corona gleich ein ganz besonderes. Sollte an der ganzen Krise aber schlussendlich überhaupt etwas Gutes dran sein, dann dies: Ein neues Zusammenrücken der Menschen ist spürbar, und der Wert der Solidarität gewinnt wieder an Bedeutung. Das hoffen jedenfalls die 13 Mitglieder des am Neujahrstag 2020 aus der Taufe gehobenen Seniorenrats. Ihr Ziel: Den älteren Muggensturmern, zu denen sie selbst gehören, und jenen mit körperlichen Einschränkungen im Alltag ganz praktische Hilfestellungen zu geben.
Eigentlich hatte sich der Seniorenrat außerdem auch die Geselligkeit auf die Fahnen geschrieben – unter anderem bei gemeinsamen Treffen auf dem Muggensturmer „Seniorenspielplatz“ mit seinen auf die Bedürfnisse älterer Semester angepassten Fitnessgeräten. Nur: Dann kam Corona, und die Pläne der ehrenamtlichen Helfer wurden durcheinandergewirbelt. „Wir haben da eine klare Grenze: Ab 35 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern veranstalten wir keine öffentlichen Treffen mehr“, erklärt Mitglied Walter Jüngling.

Dieser Wert ist zurzeit deutlich überschritten. Doch im Spätsommer hatte es gerade noch geklappt, gemeinsam mit der Gemeinde ein Seniorenvesper in der Alten Kelter zu organisieren. An zwei Tagen kamen jeweils 25 Senioren und ließen sich bei guten Gesprächen den Wurstsalat schmecken. Doch seit November gilt es wieder, Kontakte zu vermeiden. Sicher nicht leicht für viele, aber der Seniorenrat versucht, den älteren Muggensturmern, so gut es, geht durch diese Zeit zu helfen.

An St. Martin 53 Gänsekeulen ausgeliefert

Mit einem leckeren Mittagessen im Magen lässt sich zum Beispiel schon manches leichter ertragen. Und so war der Essenslieferdienst des Seniorenrats bereits im Frühjahr mit rund 1.000 ausgefahrenen Mahlzeiten ein Renner. Seit dem Herbst-Lockdown gibt es eine Neuauflage: Mit drei Muggensturmer Gastronomiebetrieben kooperiert der Seniorenrat. Zwei Mitglieder, unterstützt von Aushilfen, fahren die mittäglichen Speisen aus. Egal was es gerade gibt: Zehn Euro sind pro Gericht zu berappen. Die Nachfrage gibt den Senioren recht: „Allein am Martinstag haben wir 53 Portionen Gänsekeule ausgefahren“, berichtet Heidi Bechler stolz, die auch für die Verteilung der Speisepläne zuständig ist und diese immer noch mit einem aufmunternden Text oder Gedicht aufpeppt. Wobei man darauf achtet, Restaurants mit eigenem Lieferdienst keine Konkurrenz zu machen.

Ähnliches gilt für den Fahrservice des Seniorenrats. Den Taxiunternehmen wolle man nicht das Geschäft vermiesen. Aber nicht jeder kann sich eine Taxifahrt leisten oder hat einen Berechtigungsschein für Beförderungen. Und die Erreichbarkeit mit öffentlichem Nahverkehr lasse im Landkreis Rastatt doch stark zu wünschen übrige, blickt Walter Jüngling, der selbst für die SPD im Gemeinderat und im Kreistag sitzt, neidisch in den Nachbarlandkreis Karlsruhe. Der Fahrdienst des Seniorenrats ist für Arzt- und Krankenhausbesuche sowie als Einkaufshilfe gedacht. Die Mitfahrt ist nur auf dem Rücksitz und mit Maske möglich. Eine Anmeldung muss am Vortag unter (0160) 2 02 05 33 erfolgen. Das Telefon ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr erreichbar.

An 17 Sonntagen vor Seniorenheimen gesungen

Was hat der Seniorenrat noch auf die Beine gestellt in seinem ersten Jahr? Im Mai haben die Ehrenamtliche vor dem Haus Margaretha rund 150 Bratwürste gegrillt und in die betreuten Wohnungen geliefert. Doch der Mensch lebt nicht von der Wurst allein, man braucht auch Nahrung für die Seele. Und so haben Heidi Bechler und Peter Schneider, die beide nicht nur im Seniorenrat, sondern auch im Gesangverein aktiv sind, ihre Stimmen an sage und schreibe 17 Sonntagen vor dem Pflegeheim Haus Sibylla und dem Haus Margaretha erschallen lassen, unterstütz von Musikern. Das war in den sauren Wochen, als die Bewohner keinen Besuch empfangen durften.

Im Sommer heißt es Abstand halten beim Singen vor den Senioreneinrichtungen. Foto: Seniorenrat

© red

Im Sommer heißt es Abstand halten beim Singen vor den Senioreneinrichtungen. Foto: Seniorenrat

Umfrage: Wo drückt den Muggensturmer Senioren der Schuh?

Als der Muggensturmer Badesee coronabedingt auf ein Online-Bezahlsystem umstellte, ermöglichte es der Seniorenrat den Muggensturmern, die keinen Rechner haben, Tageskarten im Seniorenbüro oder im Bürgerhaus zu erwerben. Rund 250 Tickets gingen über den Tresen.

Seniorentreff und Seniorenrat veröffentlichten in Zusammenarbeit mit dem Rathaus auf der Gemeindehomepage ein Schnittmuster für Alltagsmasken, Bürgermeister Dietmar Späth und Hauptamtsleiter Claus Gerstner halfen bei der Organisation von Material, und so produzierten 33 Näherinnen aus 80 Metern Stoff rund 650 Masken für die Bewohner im Haus Margaretha und im Pflegeheim Haus Sibylla. Und als in Rastatt vor dem Kino ein Gemüsehändler aus der Pfalz im Frühjahr Obst- und Gemüsekisten anbot, holte der Seniorenrat die bestellten Vitaminbomben ab und lieferte sie in Muggensturm aus.

Doch der Seniorenrat denkt auch an die Zeit nach Corona. Mit einer Umfrage will er herausbekommen, welche Wünsche, Bedürfnisse und Ideen die Muggensturmer Senioren haben und hat deswegen eine Fragebogenaktion ins Leben gerufen. „Je mehr Senioren daran teilnehmen, umso detaillierter können die Vorschläge ans Rathaus sein“, werben die Initiatoren dafür, bei der Umfrage mitzumachen. Der Schuh dürfte, das ahnen sie schon, vor allem in Sachen Verkehr drücken. Nicht erst seit den zahlreichen Baustellen drehen vielen Muggensturmern eindeutig zu viele Lkw ihre Runden im Ort. Auch wird rücksichtsloses Verhalten beklagt. Bei einer Ortsbegehung wollen die Senioren zudem Hindernisse ausmachen und auf fehlende Zebrastreifen hinweisen, zum Beispiel in der Rastatter Straße auf höhe der Eneregio und bei Sparkasse und Apotheke. Wenn Corona es zulässt, sind kleine Wanderungen geplant und Spiele im Freien – und vielleicht klappt’s ja irgendwann doch noch mit der gemeinsamen Nutzung der Fitnessgeräte des sogenannten Seniorenspielplatzes.

Fragen beantwortet der Seniorenrat auch per E-Mail unter seniorenrat@muggensturm.de.

Zum Artikel

Erstellt:
4. Dezember 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 46sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.