Vier Fragen an: Wolfgang Hennegriff

Rastatt (stn) – Der Klimawandel macht der Natur zu schaffen. So führen die geringen Niederschlagsmengen und hohen Lufttemperaturen unter anderem dazu, dass Fließgewässer zum Teil nur noch wenig Wasser führen.

Wolfgang Hennegriff ist Amtsleiter des Umweltamtes im Landratsamt Rastatt. Foto: privat

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Wolfgang Hennegriff ist Amtsleiter des Umweltamtes im Landratsamt Rastatt. Foto: privat

Von Nora Strupp

Aufgrund der kritischen Wasserstände in Bächen und Flüssen hat das Landratsamt Rastatt die Einwohner des Landkreises in einer Pressemitteilung von Dienstag, 28. Juli, darum gebeten, Wasserentnahmen zum Schutz der Gewässer zu unterlassen. BT-Volontärin Nora Strupp hat bei Wolfgang Hennegriff, dem Leiter des Umweltamtes im Landratsamt Rastatt, nachgefragt, warum diese Maßnahme ergriffen wurde.

BT: Herr Hennegriff, wie viel Wasser wird aus den Bächen und Flüssen entnommen? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit zu überprüfen, welche Wassermengen entnommen werden? Falls ja, auf welche Art und Weise wird das überprüft?
Wolfgang Hennegriff: Der wasserrechtliche Begriff des Gemeingebrauchs lässt nur geringe Mengen zu. Im Wassergesetz Baden-Württemberg ist sogar die Art der Wasserentnahme aus dem Fließgewässer geregelt: Es ist nur das Schöpfen mit Handgefäßen erlaubt. Damit kann eine Größenordnung zu den Zeiten abgeleitet werden, wenn der Gemeingebrauch erlaubt und nicht eingeschränkt oder verboten ist. Da nur Handgefäße und keine anderen technischen Hilfsmittel wie Pumpen für die Wasserentnahme außerhalb von Niedrigwasserzeiten verwendet werden dürfen, wird daher die Größenordnung der Wasserentnahmen allein dadurch beschränkt.

BT: Wer schöpft das Wasser aus den Gewässern und zu welchem Zweck?
Hennegriff: In der Regel sind es Uferanlieger, die Wasser aus dem Bach für die Bewässerung des Grundstücks entnehmen. Im Wassergesetz Baden-Württemberg ist das Entnehmen von Wasser in geringen Mengen für die Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau im Rahmen des Gemeingebrauchs erlaubt.

BT: Wird das Landratsamt überprüfen, ob das Verbot der Wasserentnahme befolgt wird? Wenn ja, wie genau wird die Einhaltung des Verbots kontrolliert?
Hennegriff: Bei Außendiensten von Mitarbeitern des Umweltamtes wird das Verbot von Wasserentnahmen stichprobenhaft und lokal überprüft. Die Einhaltung des Verbotes ist aber auch durch die örtlichen Vollzugsdienste und die Polizeibehörden zu kontrollieren. Von daher ist eine effiziente und wirksame Kontrolle gewährleistet. Aber der Appell richtet sich an die Bürgerinnen und Bürger zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Natur und Umwelt. Daher sollte in solchen Fällen das Eigeninteresse zurückgestellt werden.

BT: In der Pressemitteilung des Landratsamts ist davon die Rede, dass durch das Abpumpen und Abschöpfen selbst geringer Wassermengen die „vielfältigen Funktionen des Gewässers“ gefährdet werden und dies zu „gewässerökologischen Schäden der Tier- und Pflanzenwelt“ führen könne. Könnten sie diese beiden Punkte bitte näher ausführen? Was genau ist damit gemeint?
Hennegriff: In erster Linie ist hier die Funktion des Gewässers als Lebensraum für die ans Wasser gebundene Flora und Fauna zu nennen. Dieser Lebensraum hängt sehr stark von der zur Verfügung stehenden Wassermenge und von der Höhe des Wasserabflusses im Fließgewässer ab. Bei Niedrigwasser ist der Lebensraum schon sehr beeinträchtigt. Bei Niedrigwasser stellen wir fest, dass Schadstoffe in höheren Konzentrationen als bei Normalabfluss auftreten. Außerdem ist das Wasser in den Bach- und Flussläufen beim sommerlichen Niedrigwasser häufig wärmer. Der niedrige Abfluss erwärmt sich auch deutlich schneller als ein Gewässer mit Normalabfluss. Bei höheren Wassertemperaturen nimmt die Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser stark ab. Die genannten Aspekte bedeuten für die Aquafauna richtig Stress in Bezug auf Gewässerqualität und Wassertemperatur, die sich weit oberhalb ihrer Habitatsansprüche und Lebensbedingungen bewegen. Wenn der Niedrigabfluss dann noch durch Wasserentnahmen zusätzlich verringert wird, kann es dazu führen, dass toxische Wirkungen erreicht werden und beispielsweise Fische oder andere Gewässerbewohner verenden.

Das Foto zeigt den Federbach am Verteilerbauwerk Federbachkanal und Alter Federbach zwischen Muggensturm und Ötigheim. Der Federbach ist oberhalb bereits vollständig ausgetrocknet. Foto: Wolfgang Hennegriff

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Das Foto zeigt den Federbach am Verteilerbauwerk Federbachkanal und Alter Federbach zwischen Muggensturm und Ötigheim. Der Federbach ist oberhalb bereits vollständig ausgetrocknet. Foto: Wolfgang Hennegriff

Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
2. August 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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