Vier Fragen an eine Journalistin und Verwaltungsfrau

Rastatt (ml) – Gisela Merklinger ist ein Phänomen: Erfolgreiche Kulturamtsleiterin, engagierte Radiojournalistin und 29 Jahre lang Landkreis-Pressesprecherin und persönliche Referentin des Landrats.

„Es ist aufregender Fragen zu beantworten, als sie zu stellen“: Gisela Merklinger. Foto: Katharina Ritscher/Landratsamt

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„Es ist aufregender Fragen zu beantworten, als sie zu stellen“: Gisela Merklinger. Foto: Katharina Ritscher/Landratsamt

Von Markus Langer

Die gebürtige Reichentälerin machte bei der Stadt Gaggenau ihre Verwaltungsausbildung und leitete danach das dortige Kulturamt. Dabei setzte sie mit überregional beachteten Ausstellungen und dem ersten Kinderferien-Programm Akzente. Danach wechselte sie in den Journalismus und volontierte beim damaligen Rastatter Lokalsender Radio Merkur, um danach in die Verwaltung zurückzukehren – als Landkreis-Pressesprecherin und persönliche Referentin des Landrats. Rund 29 Jahre hat sie dieses Amt nicht nur ausgefüllt, sondern dabei auch die Öffentlichkeitsarbeit des Rastatter Landratsamts grundlegend umgekrempelt. Jetzt ist Schluss, am Freitag sagte sie ade. BT-Redakteur Markus Langer hatte vorher noch vier Fragen an sie. In ihren Antworten zieht Gisela Merklinger eine kurze und persönliche Bilanz.

BT: Frau Merklinger, Sie gehören zu den wenigen Pressesprechern einer Behörde, die sowohl eine verwaltungstechnische wie eine journalistische Ausbildung haben. Wie sehr hat Ihnen das im Alltag geholfen?

Gisela Merklinger: Das hat mir sehr geholfen, insbesondere in den ersten Jahren. Damals hatte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Behörden einen geringen Stellenwert. Verwaltungen und Medien standen sich eher misstrauisch und argwöhnisch gegenüber. Meine Verwaltungserfahrung, das Wissen über Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe einerseits und andererseits das Wissen über die Erwartungen der Redaktionen, über deren Bedürfnis nach schnellen, offenen und kompetenten Informationen hat mir sehr geholfen, Akzeptanz auf beiden Seiten zu schaffen und das Verhältnis zu entspannen.

BT: Was war spannender: Die Arbeit in einer Redaktion oder im Landratsamt?

Merklinger: In einer Pressestelle diktiert das aktuelle Geschehen die Arbeit, ebenso wie in einer Redaktion. Vielfältige Themen müssen recherchiert werden, Mitteilungen werden verfasst, es gibt interessante Begegnungen, oft Hektik und immer wieder die Herausforderung, sich mit wechselnden Sachverhalten schnell und gründlich zu beschäftigen. Ich habe diese Abwechslung in der Radio-Merkur-Redaktion und in der Pressestelle immer sehr geliebt. Sie hat meine Neugierde wach gehalten und meinen Horizont erweitert. Einen Unterschied gibt es: Es ist meiner Ansicht nach aufregender Fragen zu beantworten, als sie zu stellen. Ich habe oft mit Bibbern auf die Tageszeitung gewartet in der Hoffnung, dass ich richtig zitiert bin.

BT: Wie haben sich Inhalte und auch die Aufbereitung von Themen verändert?

Merklinger: Früher herrschte in den Verwaltungen eher ein Obrigkeitsdenken. Das hat sich aber in den vergangenen 20 Jahren gründlich geändert. Die Bürger wollen Transparenz, Beteiligung, Mitsprache. Sie wollen ehrliche Informationen und keine Hofberichterstattung. Das Landratsamt Rastatt hat dies frühzeitig verstanden und sich aus der Anonymität einer grauen Behörde zum modernen, kundenfreundlichen, lebendigen Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Dass das gelungen ist, darauf bin ich immer ein bisschen stolz gewesen. Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nach innen und nach außen hat daran sicherlich einen großen Anteil.

BT: Wie wird sich das Zusammenspiel von Behörden und Medien in der Zukunft verändern?

Merklinger: Medien und Verwaltungen werden sich hoffentlich zunehmend als Partner in der Informationsarbeit verstehen und dieses Miteinander als Win-Win schätzen. Die sozialen Medien sind für die Verwaltungen eine Herausforderung, aber auch eine Chance, noch näher an die Bürger zu rücken. Das stetig wachsende Bedürfnis der Bevölkerung nach Informationen und Unterhaltung verändert den Journalismus und führt leider auch zu verstärkter Skandalisierung und Personalisierung. Ich hoffe, dass der Qualitätsjournalismus, wie wir ihn in unseren Tageszeitungen schätzen, seine Hauptrolle auch künftig neben den sozialen Medien behaupten kann.

Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
20. September 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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