Geschichte der Wallfahrtskirche Maria Bickesheim

Durmersheim (red) – Die Kirche Maria Bickesheim lockt seit Jahrhunderten Gläubige nach Durmersheim. Über den Namen Bickesheim, Ursprung und Alter der Kirche gibt es wenig gesicherte Erkenntnisse.

Geschichte der Wallfahrtskirche Maria Bickesheim

•Fresken aus dem 14. Jahrhundert in der Wallfahrtskirche Maria Bickesheim. Foto: Arbeitskreis Heimatpflege

Der Name geht auf das altdeutsche Wort „Bug“ oder „Buch“ zurück, schreibt der Arbeitskreis Heimatpflege Durmersheim im Beitrag über die Ortsgeschichte. Dies bedeutet „kleiner Berg, Buckel“. Bickesheim ist also das Heim auf dem Buckel. Noch heute wird die Pilgerstraße im Dialekt „Biggser Buggl – Biggser Berg“ genannt. Die Endung „-heim“ deutet darauf hin, dass es an dieser Stelle der Gemarkung schon um 500 bis 700 n. Chr. Höfe gegeben haben muss. Diese Höfe werden ab dem 14. Jahrhundert nicht mehr urkundlich erwähnt; sie sind wohl aufgegeben worden.

Das beantwortet die Frage, ob es in früheren Zeiten wie oft berichtet einen selbstständigen Ort „Bickesheim“ gegeben habe, mit „Nein“. Im Renovationsplan von 1763 sind nur die Wallfahrtskirche, das Gasthaus „Lamm“ und eine Mühle am Federbach beim heutigen Bauhof eingezeichnet.

Die Frage nach der ersten urkundlichen Erwähnung bleibt ein Rätsel. In einer Urkunde des Klosters Weißenburg aus dem Jahr 1065 schenkt Abt Samuel den Altären der Muttergottes vier Knechtshöfe in „Bugchenesheim“. Es ist aber nicht klar, ob Bickesheim gemeint ist. Weißenburg besaß zu jener Zeit auch Besitzungen im heutigen Bockenheim a.d. Weinstraße. Weiterhin könnte es sich um Böchingen im ehemaligen Speyergau handeln, das auch Verbindung nach Weißenburg hatte. Schließlich gab es Besitzungen des Klosters an der Saar, wo es im lothringischen Sarre-Union den Ortsteil „Buckenheim“ gibt.

Das Durmersheimer Bickesheim erscheint um 1100 in Urkunden des Domstifts Speyer und des Klosters Reichenbach (Murgtal) als „Buggenesheim“, 1102 als „Bukinesheim“ und 1115 als „Bokkensheim“. Eine definitive Klärung der Frage, welcher Ort im Jahr 1065 mit „Bugchenesheim“ gemeint war, ist wohl nicht mehr möglich.

Wallfahrt erstmals 1318 erwähntUnd die Entstehung der Wallfahrtskirche? Es ist anzunehmen, dass aus einem römischen Weihealtar an dieser Stelle, wo sich zwei Römerstraßen kreuzten, in christlicher Zeit eine Kapelle wurde. Eine sichere urkundliche Erwähnung der Bickesheimer Kirche und der Wallfahrt finden sich erst am 4. Januar 1318.

Weiter zurück in die Vergangenheit weist die Bausubstanz der Kirche. In ihren ältesten Teilen ist sie um 1250/60 entstanden und hängt mit dem besonderen Verhältnis der Markgrafenfamilie mit der Marienverehrung in Bickesheim zusammen. Anstelle einer romanischen Kapelle, deren Fundamente bei der Renovation 1908/09 gefunden wurden, ließen Markgraf Rudolf I. und seine Gemahlin Kunigunde von Eberstein eine neue gotische Kirche erbauen. Der Katharinenchor und das heutige Seitenschiff gehen darauf zurück. Aus dieser Bauperiode stammen auch die drei Rundpfeiler, die auf ein zweites größeres Seitenschiff hinweisen.

An einem der Pfeiler befinden sich die Wappen von Rudolf I. von Baden und Kuni-gunde von Eberstein, dazwischen ein Kruzifix, flankiert von Mond und Sonne als Symbole für Christus und Maria. Dies dürfte die älteste Darstellung des badischen Wappens überhaupt sein. Aus dieser Zeit stammt auch das Gnadenbild „Maria mit dem Kind und der ebersteinischen Rose“ im Hochaltar. Im 14. Jahrhundert erfuhr die Wallfahrt wieder einen Aufschwung. Aus dieser Zeit stammen die noch vorhandenen Fresken und das Glasgemälde im Ostfenster des Katharinenchors (Maria mit dem Christuskind).

Um 1420/1450 wurde das heutige Hauptschiff mit dem Hochchor errichtet. Wahrscheinlich geht auf jene erste Blütezeit der Wallfahrt auch der Bickesheimer Jahrmarkt zurück, dessen genaue Ursprünge unbekannt sind. Das 1910 mit einem Gedenkstein am Bickesheimer Platz gefeierte 500-jährige Marktjubiläum lässt sich nicht belegen. Erstmals erwähnt wird der Markt jedenfalls erst im Jahr 1578.

Konfession mehrfach gewechseltIn der Reformationszeit musste Durmersheim mehrmals die Konfession wechseln. Darunter litt auch die Wallfahrt. Ein neuer Aufschwung für Bickesheim kam 1622 mit dem katholischen Markgrafen Wilhelm, der die Ettlinger Jesuiten mit der Betreuung der Kirche beauftragte. Ab 1737 wurde sie renoviert und erhielt ihren barocken Innenausbau mit dem heutigen Hochaltar.

Durch den Tod des letzten katholischen Markgrafen von Baden-Baden 1771 fiel Durmersheim an das protestantische Baden-Durlach. Vorbei war die Zeit der herrschaftlichen Förderung, auch die Wallfahrt ging wieder zurück und wurde nicht mehr durch die Jesuiten betreut. An ihrer Stelle wurden sogenannte „Frühmesner“ (Kaplane, die morgens nach 6 Uhr die erste Messe des Tages/Frühmesse hielten) eingesetzt, ehe Bickesheim ab 1881 von „Benefiziaten“ versorgt wurde (Pfarrer, die ihren Unterhalt aus dem Ertrag einer Pfründe beziehen). Der bekannteste von ihnen ist Engelbert Kleiser, der blinde Pfarrer von Bickesheim. Er wirkte hier von 1898 bis 1931. An sein segensreiches Wirken erinnert die Engelbert-Kleiser-Straße. In den Jahren 1908/09 wurde das Hauptschiff um 4,8 Meter nach Westen verlängert und erhielt eine neue Fassade. Auch das Nebenschiff bekam ein eigenes Portal.

Ab 1920 wurden in Bickesheim Patres des Redemptoristenordens angesiedelt, für die 1925/26 ein Klostergebäude errichtet wurde. 2010 wurde das Kloster in der inzwischen selbstständig gewordenen Pfarrei St. Bernhard geschlossen. Heute ist im Gebäude die Katholische Verrechnungsstelle untergebracht.

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