Weiterhin „erheblicher Handlungsbedarf“

Rastatt (dm) – Mit dem Jahreswechsel ist der Eigenbetrieb Wohnungswirtschaft Geschichte. Seine Aufgaben gehen im neuen Fachbereich Gebäudemanagement auf.

Die 1844 errichteten, ehemaligen Kasernengebäude Lützowerstraße 7 und 9 umfassen zusammen fast ein Drittel des Gesamtbestands der städtischen Wohnungswirtschaft. Foto: Melcher

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Die 1844 errichteten, ehemaligen Kasernengebäude Lützowerstraße 7 und 9 umfassen zusammen fast ein Drittel des Gesamtbestands der städtischen Wohnungswirtschaft. Foto: Melcher

Mit dem Jahreswechsel ist der Eigenbetrieb Wohnungswirtschaft der Stadt Rastatt Geschichte. Seine Aufgaben gehen nun im neu an den Start gegangenen Fachbereich Gebäudemanagement auf. Die Stadt hat noch mal Bilanz über Auftrag und Handeln des Eigenbetriebs in den 17 Jahren seines Bestehens gezogen – vor allem, weil zuletzt in städtischen Gremien Kritik an dessen Arbeit geübt worden war. Fest steht: Auch in den kommenden Jahren gibt es erheblichen Handlungsbedarf bei der Bauunterhaltung.

572 Mietwohnungen hatte der Eigenbetrieb bei seiner Gründung zum 1. Januar 2003 übernommen, dazu drei Gastronomiebetriebe mit zwei dazugehörigen Wohnungen sowie 95 Stellplätze und Garagen. Im Dezember 2019 zählten noch 547 Mieteinheiten (einschließlich drei Gewerbeobjekten) sowie 90 Stellplätze und Garagen zum Portfolio.

In der Zwischenzeit hatte der städtische Betrieb 21 Wohnhäuser mit 52 Wohnungen verkauft – allesamt „kleinere Gebäude, die alle eine unwirtschaftliche Totalsanierung erfordert hätten“, so die Verwaltung. Verkauft worden seien sie, um die Ertragskraft des Betriebs zu steigern und mit dem freigesetzten Kapital an anderer Stelle bestandserhaltende Maßnahmen umzusetzen. Die Erlöse seien auch ausnahmslos in die Bauunterhaltung geflossen. 2012 erwarb man zudem das bis dahin angemietete, bundeseigene Wohngebäude Richard-Wagner-Ring 62/64 mit 24 Wohnungen für 1,25 Millionen Euro.

13,2 Millionen Euro: So hoch waren laut städtischer Aufstellung die Aufwendungen für die Unterhaltung der städtischen Wohnimmobilien bis zum 1. Dezember 2019, also rund 880000 Euro im Jahr; in den letzten fünf Jahren summierten sich die Ausgaben für die Instandhaltung auf 4,65 Millionen Euro. Die Substanz der in die Jahre gekommenen Häuser – rund 90 Prozent davon werden einer Erbauung bis 1968 zugeordnet – sei „allgemein stark beansprucht“. Der daraus entstehende Handlungsbedarf betreffe nicht nur die Gebäudeunterhaltung, sondern auch die baulichen Ausstattungen der Wohnungen selbst. Aktuell verfügen rund 54 Prozent über Zentralheizung beziehungsweise Fernwärmeversorgung, noch 27 Prozent haben Ofenheizungen. Nur 28 Wohnungen haben „Komfortmerkmale wie Aufzüge und Balkone“. Bis heute seien rund 250 Einzelwohnungssanierungen erfolgt – das Geld dafür habe der Eigenbetrieb durch Mieteinnahmen und Verkäufe generiert.

Dass nicht alle in einem Jahr geplanten Baumaßnahmen umgesetzt werden konnten – hier setzte Kritik aus den Reihen des Gemeinderats an –, sei einem dauernden Personalengpass zuzuschreiben. Seit Gründung des Eigenbetriebs sei lediglich eine Vollzeitstelle für die Bauunterhaltung zuständig gewesen – eine Verstärkung sei aufgrund der Arbeitsmarktlage nie gelungen, so die Stadtverwaltung.

Darüber hinaus sei der Eigenbetrieb bei Schaffung und Verkauf von acht Wohnbaugrundstücken im Plittersdorfer „Pfaffenbuckel“ federführend gewesen (Erlös: 612000 Euro). Die Verwaltung weist zudem darauf hin, dass ihr Vorschlag im Mai 2016, sogenannten bezahlbaren Wohnraum (zunächst zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen) auf Grundstücken im Münchfeld und in der Rheinau zu schaffen, im Gemeinderat keine Mehrheit gefunden habe.

Gegründet worden war der Eigenbetrieb Wohnungswirtschaft mit der Aufgabe, zu einer „angemessenen Wohnungsversorgung der Bevölkerung“ beizutragen. Im neuen Fachbereich Gebäudemanagement werden nun alle, bisher in verschiedenen Dienststellen und Dezernate verteilte Aufgaben rund um alle städtischen Gebäude und Grundstücke zentral bearbeitet. Davon verspricht man sich Optimierungseffekte.

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3. Januar 2020, 00:00 Uhr
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