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04-Ehrenkapitän „Oldes“ Sievers gestorben

Rastatt (red) – Wolfgang „Oldes“ Sievers war in den 60er und 70er Jahren Dreh- und Angelpunkt im Spiel des FC Rastatt 04. Vor zwei Wochen verstarb der 04-Ehrenkapitän mit 79 Jahren. Ein Nachruf.

Von Fans auf Händen getragen: Wolfgang Sievers nach dem Titelgewinn 1972. Foto: Privat

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Von Fans auf Händen getragen: Wolfgang Sievers nach dem Titelgewinn 1972. Foto: Privat

Von Pit Hirn

Am südlichen Ende des Nord-Ostseekanals ist Wolfgang Sievers aufgewachsen, beim TSV Brunsbüttelkoog verdiente er sich seine ersten fußballerischen Meriten. Studienhalber verschlug es ihn in den tiefen Süden und als Sievers Anfang der 60er Jahre mit einer Stockacher Studentenauswahl zu einem Freundschaftsspiel im Rastatter Münchfeld aufkreuzte, hinterließ er bei den 04-Verantwortlichen einen bleibenden Eindruck, bald darauf spielte er bei den Gelb-Schwarzen in der 1. Amateurliga Südbaden. Zehn Jahre lang war er auf dem Platz nicht wegzudenken, im Mittelfeld, dort, wo um die Macht auf dem grünen Rasen gerungen wird. Vor genau zwei Wochen hat Sievers seinen wichtigsten Zweikampf verloren und ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Man kannte ihn bald nur noch als „Oldes“, was zum einen auf die räumliche Nähe seiner Heimat zum Oldenburger Land herrührte und zum anderen die Robustheit und Ausdauer der Oldenburger Pferde beschrieb. Viele Male wurde Sievers in die südbadische Auswahl berufen, die damals einen ganz besonderen Stellenwert hatte und im Amateurländerpokal quer durch die Republik auf den Fußballplätzen unterwegs war. Seinen sportlichen Höhepunkt erlebte „Oldes“ im Jahr 1972: „Die Meisterschaft in der 1. Amateurliga und die Aufstiegsspiele zur Regionalliga gegen den SSV Ulm, den FC Singen 04 und den SV Waldhof Manheim vor fünfstelligen Zuschauerzahlen, waren mein größter sportlicher Erfolg. Wir hatten mit Cornelius Rastetter einen hervorragenden Trainer und hatten auch eine bärenstarke Mannschaft“, sagte Sievers vor drei Jahren im Interview mit dem viel zu früh verstorbenen BT-Sportredakteur Hucky Krämer.

Aber nicht nur als Spieler stand „Oldes“ seinen Mann. Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn beim FC Rastatt 04 wirkte er drei Jahre lang als Spielertrainer beim SV Sinzheim, von 1976 bis 1980 war er Trainer beim VfB Bühl und schaffte gleich im ersten Jahr den Aufstieg in die Landesliga. In der Folge war er jeweils noch vier Jahre beim FV Ötigheim und beim FV Plittersdorf als Trainer tätig, bevor er 1989 beim FV Sandweier auch seine Trainerlaufbahn beendete.

Norddeutsche Herkunft nie verleugnet

Beim FC 04 war er eine Ikone, sein Wort hatte Gewicht. Als Spielführer zog er die Fäden innerhalb der Mannschaft. Nach Siegen – und das kam in seiner Zeit recht oft vor – und wenn ein Gönner der Mannschaft in seine Brieftasche griff, ließ „Oldes“ bei der Clubhausbedienung fein säuberlich wechseln und verteilte die „Prämie“ an seine Mitspieler.

Seine norddeutsche Herkunft hat Sievers nie verleugnet, ab und zu mischte sich aber auch mal ein badisches Wort in seinen hanseatischen Slang. Mittelbaden war ihm zur Heimat geworden. Mit dem Fußball hingegen hatte er in den vergangenen Jahren so gut wie abgeschlossen. Wenn überhaupt Live-Fußball, dann ging „Oldes“ zu den Heimspielen des FV in seinem Wohnort Sandweier. Ab und an traf man „Oldes“ mit seiner Ehefrau Anita in mittelbadischen Cafés, doch in letzter Zeit ist es ruhiger um ihn geworden.

Seine Art zu kämpfen, die Bälle zu erobern und sie dann weiter zu verteilen, war ein Jahrzehnt lange ein Markenzeichen der ganzen ersten Mannschaft des Rastatter Traditionsvereins, an dessen Erfolgsgeschichte in den 60ern und 70er des vergangenen Jahrhunderts Wolfgang Sievers ein gehöriges Kapitel mitgeschrieben hat.

Gern erinnert sich die FC 04-Familie an ihren Ehrenspielführer, der von den Fans nach dem Auswärtsspiel im südbadischen Rheinfelden im Frühjahr 1972 auf den Schultern aus dem Stadion getragen wird – wenige Minuten, nachdem der FC Rastatt 04 nach 1955 seine zweite Meisterschaft der 1. Amateurliga Südbaden errungen hatte.

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Erstellt:
1. Mai 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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