Auf dem Rücken der Kinder

Köln (dpa) - Der Kölner „Tatort“ ist für seine Sozialkritik bekannt. Die aktuelle Folge stellt Familienschicksale in den Mittelpunkt. Es geht um zerstrittene Eltern - und die Folgen für die Kinder.

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) sind für eine Befragung in eine Hochhaussiedlung gefahren. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

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Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) sind für eine Befragung in eine Hochhaussiedlung gefahren. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

Wenn Eltern sich trennen und dann auch noch um den Unterhalt streiten, sind die Kinder die Verlierer. Der heutige „Tatort“ aus Köln (20,15 Uhr im Ersten) mit dem Titel „Niemals ohne mich“ rückt dieses Thema eindrücklich in den Mittelpunkt. Bei ihren Ermittlungen zu einem Mordfall bekommen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) erschütternde Einblicke in die Schicksale zerrütteter Familien.

„Da war jemand richtig wütend“

Die Jugendamt-Mitarbeiterin Monika Fellner (Melanie Straub) wird tot unter einer Brücke gefunden, sie wurde erschlagen. „Der Täter hat mehrfach zugeschlagen, auch noch, als sie schon auf dem Boden lag“, stellt Gerichtsmediziner Joseph Roth (Joe Bausch) noch am Tatort fest. „Da war jemand richtig wütend.“

Schnell zeigt sich, dass Fellner sich mit ihrer strengen Arbeitsauffassung gleich mehrere Feinde gemacht hatte. In ihrer Abteilung war sie dafür zuständig, Geld von säumigen Unterhaltszahlern einzutreiben - und anders als ihre Kollegen ließ sie dabei keine Milde walten.

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Auf dem Rücken der Kinder
Im Streit ums Sorgerecht und Unterhaltszahlungen für die Kinder fühlt sich Rainer Hildebrandt (Peter Schneider) alleingelassen - auch vom Jugendamt. Hier wartet er darauf, dass er die zuständige Mitarbeiterin Monika Fellner sprechen kann. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

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Auf dem Rücken der Kinder
Stefan Krömer (Gerdy Zint, links) verteidigt sich: Auf einer Baustelle wird er von zwei Mitarbeiterinnen des Jugendamtes zur Rede gestellt. Monika Fellner (Melanie Straub, Mitte) hat Beweise, dass er sich unter der Hand etwas dazuverdient. Seiner Unterhaltspflicht kommt er nicht nach. Ingrid Kugelmeier (Anna Böger) legt die gesetzlichen Regelungen nicht immer so streng aus wie ihre Kollegin. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

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Norbert Jütte (Roland Riebeling, rechts) soll im Jugendamt Akten überprüfen. Er hat Glück: Die freundliche Ingrid Kugelmeier (Anna Böger) vom Jugendamt bietet ihm Unterstützung an. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

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Tülay Firat (Yeliz Simsek) ist eine junge Mutter, die mit dem Jugendamt Ärger hatte. Kann sie den Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) weiterhelfen bei den Ermittlungen? Sie suchen den oder die Mörder der Jugendamts-Mitarbeiterin Monika Fellner. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

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Julia Beck (Karen Dahmen) und Stefan Krömer (Gerdy Zint) haben sich gerade im Skaterpark gestritten, die gemeinsame Tochter Marie leidet darunter. Die Eltern schauen zu, wie Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) und Klaus J. Behrendt) auf sie zugehen. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

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Rainer Hildebrandt (Peter Schneider) packt im Kinderzimmer eine Reisetasche. Die beiden Kinder werden gleich von ihrer Mutter abgeholt. Das Paar lebt mittlerweile getrennt. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

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Stefan Krömer (Gerdy Zint, rechts) muss sich den Fragen der Polizei stellen. Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) hört, was der Bauarbeiter zu sagen hat. Im Hintergrund steht dessen Sportwagen. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

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So scheute sie zum Beispiel nicht davor zurück, den Bauarbeiter Stefan Krömer (Gerdy Zint) auf einer Baustelle aufzusuchen, um ihre Forderungen zu stellen - woraufhin Krömer sie bedrohte. Auch ein anderer Vater wurde kürzlich aggressiv: Rainer Hildebrandt (Peter Schneider), der verzweifelt um das Sorgerecht für seine Kinder kämpft, rastete in Fellners Büro aus. „Sie zerstören Leben, ist Ihnen das eigentlich klar?“, schrie er Fellner an - die die Szene zur Beweissicherung ungerührt mit ihrem Handy filmte.

In Fellners Wohnung finden Ballauf und Schenk stapelweise Fotos, Videos und Akten, die sie offenbar als Druckmittel gegen die nicht zahlungsfähigen oder -willigen Väter und Mütter einsetzte. Auch ihre Kollegin Ingrid Kugelmeier (Anna Böger) und ihr Vorgesetzter Markus Breitenbach (Christian Erdmann) sahen Fellners Vorgehen kritisch und beschreiben die Tote als stur und verbissen.

Kein Mangel an Verdächtigen

Es gibt also jede Menge Verdächtige. Deren Familiengeschichten machen diesen „Tatort“ zu einem Sozialdrama. Die Konflikte zwischen den Eltern zeigen, dass oft keine Seite wirklich recht oder unrecht hat. Leidtragende sind aber am Ende die Kinder. Obwohl die jungen Darsteller meist nur Kurzauftritte haben, spielen sie in dieser Folge eigentlich die Hauptrollen. Ihre Gesichter spiegeln die innere Zerrissenheit der Kinder so intensiv, dass deren Schmerz bei den Zuschauern geradezu spürbar wird.

Gesellschaftskritik ist eines der Markenzeichen des Kölner „Tatort“-Krimis. Die Dialoge in „Niemals ohne mich“ greifen aktuelle Diskussionen zu Themen wie Sorgerecht, Hartz IV und Kindergeld auf. Auch die beiden Kommissare - der Einzelgänger Ballauf und der Familienvater Schenk - haben dazu unterschiedliche Ansichten und rasseln kräftig aneinander. Insgesamt ein gelungener „Tatort“, der nachdenklich macht.

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Erstellt:
22. März 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 21sec

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