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Baufragmente geschichtet: Bilder von Peter Ackermann in Karlsruhe

Karlsruhe (red) – Ineinander geschachtelte Architekturfragmente sind seine Spezialität: Die Städtische Galerie Karlsruhe zeigt Malerei und Grafiken des früheren Akademieprofessors Peter Ackermann. Der einstige Documenta-Künstler lehrte 20 Jahre an der Kunstakademie Karlsruhe.

Geschachtelte Architektur: Peter Ackermanns „Neubau aus nutzlosen Resten“ (1974) in der Städtischen Galerie Karlsruhe.  Foto: Pelz/Galerie

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Geschachtelte Architektur: Peter Ackermanns „Neubau aus nutzlosen Resten“ (1974) in der Städtischen Galerie Karlsruhe. Foto: Pelz/Galerie

Von patz

Wie ein düsterer Riegel, abweisend, fast drohend verwehrt uns ein Gebäudekomplex den Ausblick. Vier harte Zacken streben gen Himmel, eine runde, nur undeutlich sichtbare Struktur ragt nach vorn, ein altes mittelalterliches Häuschen schmiegt sich in eine Lücke, an riesigen Kettengliedern hängt ein Haken in die Tiefe.
Dunkel und fabrikschwarz ist die collageartig zusammengesetzte Architektur, die Peter Ackermann in seiner Radierung „Die Fabrik“ von 1968 neu erfunden hat: Aus unterschiedlichen Epochen hat er Teile zusammengefügt, die nicht zusammen passen, bis auf ihre unheimliche, ganz und gar nicht heimelige Atmosphäre. Und quer auf diese aus der Zeit gefallene „Fabrik“ setzte er eine Art Bauwagen auf das Dach des größten Gebäudes – ein fantastisches Element, das die Unwirklichkeit der Fabrik noch einmal mehr betont.
Es ist grade diese Spannung zwischen exakter Vedutenzeichnung und geheimnisvollen Einwürfen mit ihren bildhaften Störungen, die die Werke von Peter Ackermann auszeichnen. In einer kleinen Ausstellung aus eigenen Beständen zeigt die Städtische Galerie Karlsruhe mit 45 Zeichnungen, Radierungen, Aquarellen, Gouachen und fünf Gemälden seine konsequente Bildfindung zwischen Architektur und Erfindung. Schon in seinen frühen Werken aus den 60er Jahren werden diese räumlichen Interventionen deutlich. In einem Probedruck einer Radierung von 1966, in dem er „Marx im Lesesaal des British Museum“ zeigt, ist wie in einer Guckkastenbühne der berühmte Innenraum mit seiner Kuppel zu sehen, aber Marx sitzt nicht an einem Tisch und studiert, sondern schwebt als Büste vor dem Saal, sein Kopf durchbrochen und deutlich verfremdet.
Und das Bild der „Frauenkirche“ von 1965 zeigt die damals noch zerstörte Kuppel der Kirche klein im Hintergrund, während der Großteil der Radierung von kaum zu entziffernden Bruchstücken und düster schraffierten Bauelementen beherrscht wird, vor denen die Kirche fast zu verschwinden droht.

Documenta-Künstler lehrte 20 Jahre an Akademie Karlsruhe


Zehn Jahre später widmete sich Ackermann mehr und mehr den einzelnen Details der Architektur, erforscht die Verhältnisse zwischen Fläche, Raum, Linie und Ornamentik, die er mit freier Malerei verbindet. Oft findet er einen ironischen Zugang, wie 1974, wo er einen „Neubau aus nutzlosen Elementen“ komponiert: zu einer Art Gebäude mit einem angedeuteten Fenster.
Doch es sind nur aufeinandergeschachtelte Versatzstücke aus der Architekturgeschichte, geschwungene Elemente, Bogenteile, Säulenfragmente, Absätze. Ein richtiges Haus ergeben sie nicht, aber ein leuchtendes Bild und einen augenzwinkernden Kommentar zur Lebenswirklichkeit seiner Zeit, die von der Zerstörung der gewachsenen Innenstädte geprägt war. Mit ihrer chronologisch komponierten Ausstellung stellt die Städtische Galerie wieder einmal einen Akademieprofessor vor: 1934 in Jena geboren, studierte Ackermann in Westberlin Theaterwissenschaften, Philosophie und Germanistik, ab 1956 Kunst. 1977 stellte er auf der Documenta 6 aus und wurde für 20 Jahre Professor in Karlsruhe.
Seine Kunst ist stark vom Krieg und seinen Schäden geprägt, erst spät wird sie auch heiterer und leichter, wie im Blatt vom „Sandkorn-Theater“ von 1983 oder der Pinselzeichnung „In Camucia“, die eine typisch toskanische Straße in Cortona zeigt. In diesem kleinen Ort hatte Ackermann ein Ferienhaus und ein Atelier, dort ist er 2007 auch gestorben. Zu sehen bis 13. September bei freiem Eintritt.
Homepage der Städtischen Galerie Karlsruhe

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Erstellt:
19. Mai 2020, 08:35 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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