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Beethoven mit Wucht und Raffinesse

Baden-Baden (red) – Mit weichem, warmem Ton hat die „Philharmonische Solistin“ Fei-Fei (Foto: Prieto) Mozarts Klavierkonzert in d-Moll zusammen mit der Baden-Badener Philharmonie gespielt. Das Orchester begeisterte anschließend mit seiner Interpretation von Beethovens „Eroica“.

Beethoven mit Wucht und Raffinesse

© pr

Von Georg Rudiger

Gott schuf Adam aus einer Tonleiter. Dieser ungewöhnliche musikalische Schöpfungsakt ist zu erleben in der Ballettmusik „Die Erschaffung der Welt“ (Suite Nr. 3) des russischen Komponisten Andrej Petrow aus dem Jahr 1968, die das Abonnementkonzert der Philharmonie Baden-Baden im ausverkauften Weinbrennersaal des Kurhauses eröffnet.

So ganz traut der Komponist dem ersten Menschen nicht – schräge Harmonien und bewusst gesetzte, falsche Töne zeigen, dass der Mann doch auch einige Macken abbekommen hat. Herr und Frau Teufel werden im zweiten Satz durch gedämpftes Blech und markante Rhythmen charakterisiert. „Die Erschaffung Evas“ ist ein echter Schmachtfetzen mit Streicherglück und Klarinettenmelos. Die Philharmonie Baden-Baden spielt die gefällige, manchmal auch die Kitschgrenze streifende Musik unter ihrem Chefdirigenten Pavel Baleff mit Präzision und rundem Orchesterklang.

Pianistin Fei Fei bringt Mozart in weichem Ton

Mozarts Klavierkonzert in d-Moll KV 466 war zwei Wochen zuvor mit den Bamberger Symphonikern und der französischen Pianistin Hélène Grimaud in einer sehr dramatischen Lesart im Festspielhaus zu hören. Fei Fei, die chinesische „Philharmonische Solistin“ der aktuellen Saison, gestaltet den Klavierpart ebenfalls hochexpressiv. Aber auch die vielen lyrischen Passagen veredelt sie mit schönem Legatospiel und einem weichen, warmen Ton.

Nur im Pianobereich wünscht man sich von ihr noch ein paar Nuancen mehr. Pavel Baleff sorgt für eine gute Verzahnung zwischen der Solistin und dem Orchesterpart. Der Tuttieinsatz im ersten Satz nach der brillant gespielten Kadenz ist perfekt getimt. Auch im dramatischen Mittelteil der Romanze gelingen die heiklen Orchestereinsätze, die den durchlaufenden Triolenketten der Solistin Feuer geben, viel besser als bei den Bamberger Kollegen.

Nur der Holzbläsersatz könnte in der Balance ausgewogener sein. Nach einem technisch ganz sauber, temperamentvoll musizierten Finale, das nur am Ende im Orchester ein wenig holpert, beglückt Fei-Fei das Publikum noch mit einer besonders virtuosen Bearbeitung von Mozarts türkischem Marsch aus der A-Dur-Klaviersonate KV 331. Ein Showpiece, das die Pianistin mit ihrer stupenden Technik zu einem echten Spektakel werden lässt.

In Ludwig van Beethovens „Eroica“ nach der Pause begeistert die Philharmonie Baden-Baden mit einer differenzierten Auslegung, die die unterschiedlichen Welten der Sinfonie ausdrucksvoll gestaltet. Den Beginn des Trauermarsches spielen die Streicher mit wenig Bogendruck am Griffbrett, so dass ein verschatteter, fast unheimlicher Klang entsteht.

Das Trio des Scherzos macht die fantastische Horngruppe zu einem ganz diesseitigen, sinnlichen Statement. Baleff entwirft in den Sätzen einen klugen Spannungsbogen, der die Höhepunkte gut vorbereitet. Für manche Übergänge hätte man sich sicherlich mehr Zeit lassen können, aber der Dirigent meidet zu große agogische Freiheiten. Dringlichkeit und Wucht prägen seine Interpretation, aber auch Raffinesse wie im genau gearbeiteten, mit transparent musizierten Fugen gespickten Variationsfinale. Ein guter Start ins Beethovenjahr!

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Erstellt:
27. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 23sec

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