Beherbergungsverbot bringt neuen Stress in Kulturbranche

Baden-Baden/Donaueschingen (sr) – Die Donaueschinger Musiktage wollten vom 15. bis 18. Oktober der Pandemie trotzen, doch gegen die neuesten Corona-Regeln hatten sie keine Chance.

Uraufführungen und Klanginstallationen waren in Donaueschingen geplant, unter anderem eine Now-Jazz-Session mit Thomas Lehn (rechts am Synthesizer) und Marcus Schmickler. Foto: Markus Werner/SWR

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Uraufführungen und Klanginstallationen waren in Donaueschingen geplant, unter anderem eine Now-Jazz-Session mit Thomas Lehn (rechts am Synthesizer) und Marcus Schmickler. Foto: Markus Werner/SWR

Von Sabine Rahner-Stiefel

Sollte das umstrittene Beherbergungsverbot in Baden-Württemberg am Mittwoch wieder gekippt werden, wären die Donaueschinger Musiktage ganz umsonst abgesagt worden – aber Björn Gottstein, der Künstlerische Leiter des Festivals für Neue Musik, will nicht hadern mit der politischen Entscheidung. „Die Politiker tun, was sie für nötig halten, um Corona einzudämmen.“ Dem Festival lief zuletzt die Zeit davon. Viele SWR-Mitarbeiter wären aus Mainz und Stuttgart angereist – beide Städte gelten mittlerweile als Risikogebiet, und da greift das Beherbergungsverbot.

Von den eingeladenen Musikensembles hatten sich einige schon im Vorfeld auf Corona testen lassen und wollten mit einem bestätigten „Negativ“ in den Schwarzwald reisen, wo die 99. Musiktage vom 15. bis 18. Oktober geplant waren. Von den 22 vorgesehenen Uraufführungen konnten laut Björn Gottstein zunächst vier Auftritte gerettet werden, die bereits soweit gediehen sind, dass sie aufgezeichnet und gesendet werden können, darunter auch das Eröffnungskonzert des SWR-Symphonieorchesters unter der Leitung von Titus Engel.

2021 wird Jubiläum gefeiert

Auch das Donaueschinger Museum Art plus bleibt bei seinem geplanten Programm und zeigt die Filminstallation Hyperion von Jan Jelinek. Ob man Teile des diesjährigen Programms im nächsten Jahr realisieren kann, ist fraglich. „Nächstes Jahren feiern wir das 100-jährige Bestehen der Musiktage mit einem Riesenprogramm“, sagt Björn Gottstein, es dürfte schwierig werden, daran große Änderungen vorzunehmen.

Überhaupt ist die Absage jetzt mit mehr Aufwand verbunden als die Durchführung des Festivals, so der Künstlerische Leiter. Neben Konzerten und Installationen wäre in diesem Rahmen auch der Karl-Sczuka-Preis überreicht worden, der dieses Jahr an den französischen Klangkünstler Frédéric Acquaviva geht für sein Hörstück „Antipodes for voices and dead electronics“.

Wie Künstler und Komponisten finanziell aus der neuen Situation hervorgehen, wollte Gottstein nicht im Detail sagen, man suche nach einer angemessenen Lösung.

Das Beherbergungsverbot könnte – sollte es aufrechterhalten werden – der gesamten Kulturbranche schwer zu schaffen machen. Auch im Festspielhaus führt man darüber Gespräche, konnte aber wegen der unsicheren Situation noch keine Entscheidungen verkünden.

Bamberger Symphoniker routiniert unterwegs

Die Bamberger Symphoniker sollen hier am Freitag, 23. Oktober, mit Sol Gabetta gastieren und sehen bislang keine Probleme, wie ihr Intendant Marcus Rudolf Axt am Dienstag dem BT sagte: „Wir fahren im eigenen Bus, alle Musiker tragen Maske“, das sei schon zur Routine geworden ebenso wie die besondere Vorsicht, die die Musiker überall walten lassen. Allerdings macht das bayerische Beherbergungsverbot einen Unterschied zwischen touristischen und dienstlichen Reisen, sodass die Bamberger Symphoniker innerhalb Bayerns auch problemlos an Gastspielorten übernachten können. Für Solisten könne man Ausnahmegenehmigungen beantragen.

Auch das Badische Staatstheater ist betroffen, weil auch hier auswärtige Künstler aus regionalen Risikogebieten ein negatives Covid-19-Testergebnis vorweisen müssen. Das Ergebnis darf nicht älter als 48 Stunden sein und ist offenbar nicht leicht zu bekommen, da die Testkapazitäten teilweise erschöpft sind.

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Erstellt:
13. Oktober 2020, 19:00 Uhr
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