Corona kompakt: Baden-Württemberg ruft höchste Alarmstufe aus

Baden-Baden (red/dpa) – Corona ist seit Monaten das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Das BT informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann teilt am Samstagmittag mit, dass für das Land die höchste Alarmstufe ausgerufen wird. Foto: Marijan Murat/dpa

© dpa

Ministerpräsident Winfried Kretschmann teilt am Samstagmittag mit, dass für das Land die höchste Alarmstufe ausgerufen wird. Foto: Marijan Murat/dpa

Strobl in Quarantäne: Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat sich nach einem positiven Corona-Test eines Personenschützers in häusliche Quarantäne begeben. Der Minister habe alle Termine für das Wochenende abgesagt, teilte ein Sprecher des Landesinnenministeriums am Samstagabend mit. Strobl zeige keine Symptome. Das Ergebnis von Strobls Corona-Test stand zunächst noch aus. Er habe sich gleich am Abend testen lassen. Der Personenschützer und Strobl seien gemeinsam im Auto unterwegs gewesen. Auch eine ganze Reihe von Mitarbeitern lassen sich laut dem Sprecher nun Testen. Wie es nach den Ergebnissen weitergehe, müsse man abwarten.

Mehrere Kreise über dem Inzidenzwert: In Baden-Württemberg haben mehrere Kreises neben Baden-Baden (54,4) den Inzidenzwert von 50 Infektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen überschritten. Es sind: Heilbronn (82,9), Stuttgart (69,2), Mannheim (58,6), der Alb-Donau-Kreis (63,9) die Landkreise Esslingen (74,9), Göppingen (50,7), Ludwigsburg (72,6), Reutlingen (51,2), Schwäbisch Hall (55,9), Tübingen (65,6) sowie der Schwarzwald-Baar-Kreis (58,8).

Infektionszahlen im Land: Das baden-württembergische Sozialministerium hat am Samstagnachmittag 725 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet (Stand: 17. Oktober, 16 Uhr). Damit steigt die Gesamtzahl auf 59.365. Da ein Patient verstorben ist, klettert die Todeszahl auf 1.928. 48.236 Patienten gelten als genesen; das sind 418 mehr als am Vortag. Die Sieben-Tage-Inzidenz wurde mit 42,9 angegeben. Das bedeutet, dass sich knapp 43 Personen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tage neu angesteckt haben. Aktuell zu diesem Datenstand gab das Ministerium den Inzidenzwert für den Stadtkreis Baden-Baden mit 54,4 an; für den Landkreis Rastatt wird ein Wert von 27,2 ausgewiesen.

Höchste Alarmstufe für Baden-Württemberg: Wegen des starken Anstiegs der Infektionszahlen ruft die Landesregierung von Baden-Württemberg die höchste Corona-Alarmstufe aus. Weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie eine verschärfte Maskenpflicht in der Öffentlichkeit und weitere Kontaktbeschränkungen sollen von Montag an gelten, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Samstag nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung mitteilte. Wenn diese Maßnahmen nicht griffen, werde es noch härtere Maßnahmen geben, die auch ins Arbeitsleben eingriffen. Die dritte Phase beinhaltet weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens - unter anderem die landesweite Maskenpflicht im Unterricht. Nach dem Konzept der Landesregierung soll auch im Einzelhandel die Anzahl der Personen pro Verkaufsstelle eingeschränkt werden. In der Gastronomie könnte der Ausschank von Alkohol eingeschränkt, eine Reservierungspflicht eingeführt und der Betrieb auf Außenbereiche beschränkt werden. Veranstaltungen und Kontaktmöglichkeiten sollen eingeschränkt, Hygienemaßnahmen sowie Sanktionen bei Verstößen ausgeweitet werden. Die Regelversorgung in Krankenhäusern soll auf das Nötigste beschränkt werden. Mit diesen Maßnahmen soll ein allgemeiner Lockdown - die Schließung von Schulen und Betrieben - möglichst vermieden werden. Einen separaten Bericht von der BT-Korrespondentin in Stuttgart lesen Sie direkt hier auf der Homepage.

Bundespräsident in Quarantäne: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich am Samstag in Quarantäne begeben. Wie eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes in Berlin mitteilte, ist ein Personenschützer des Staatsoberhauptes positiv auf das Coronavirus getestet worden. Bei dem Mann aus dem Kommando des Bundeskriminalamtes handele es sich um eine Kontaktperson ersten Grades. Ein erster Test bei Steinmeier fiel negativ aus, er bleibt aber weiter in Quarantäne. In den kommenden Tagen sind weitere Tests geplant.

Slowenien gibt Nachverfolgung auf: Slowenien gibt wegen Überlastung die Corona-Kontaktnachverfolgung auf. Die Gesundheitsbehörden des Landes seien nicht mehr in der Lage, allen Kontakten von Infizierten nachzugehen, teilte das Institut für öffentliche Gesundheit am Samstag mit. In einer Erklärung wurden die betroffenen Bürger aufgefordert, ihre Kontakte selbst zu informieren.

Österreichischer Außenminister infiziert: Der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg hat sich infiziert. Der ÖVP-Politiker hat bisher keine Symptome und hat sich in Quarantäne begeben, wie seine Sprecherin am Samstag mitteilte. Es besteht demnach der Verdacht, dass sich Schallenberg beim EU-Außenministertreffen am Montag in Luxemburg angesteckt hat, an dem auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) teilgenommen hatte.

Mecklenburg-Vorpommern hebt Quarantäne-Pflicht auf: Mecklenburg-Vorpommern habt die Quarantänepflicht ab Mittwoch auf. Die Landesregierung einigte sich mit der Tourismusbranche, dass für einen Aufenthalt von Reisenden aus Risikogebieten ein aktueller negativer Test ausreicht. Die bislang zusätzlich geforderte Quarantäne von mindestens fünf Tagen und ein folgender zweiter Test entfallen.

Schwimm-DM abgesagt: Das steigende Corona-Risiko und drastisch gesunkene Meldezahlen haben zu einer Absage der Deutschen Meisterschaft im Schwimmen in Berlin geführt. Die Titelkämpfe, die eigentlich „als Zeichen des Aufbruchs und Rückkehr zur Normalität“ dienen sollten, wurden am Samstag ersatzlos gestrichen. Geplant war die DM für den Zeitraum vom 29. Oktober bis 1. November.

Eindringlicher Appell der Kanzlerin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat an die Bürger appelliert, zur Eindämmung der Pandemie beizutragen. „Wir müssen jetzt alles tun, damit das Virus sich nicht unkontrolliert ausbreitet. Dabei zählt jetzt jeder Tag“, sagte sie am Samstag in ihrem wöchentlichen Podcast. „Ich bitte Sie: Verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist, auf jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist. Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an Ihrem Wohnort.“

Deutschland befinde sich in einer „sehr ernsten Phase“ der Pandemie, sagte Merkel.

Brisante Lage in Belgien: Die belgische Außenministerin und Vize-Regierungschefin Sophie Wilmès ist positiv getestet worden. Die Ansteckung sei vermutlich im Familienkreis erfolgt, teilte die Politikerin am Samstag mit. Belgien zählt zu den am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern Europas. Die Behörden des Elf-Millionen-Einwohner-Landes meldeten zuletzt im Sieben-Tages-Schnitt fast 6.800 registrierte Fälle innerhalb von 24 Stunden. In den vergangenen 14 Tagen wurden nach aktuellen Zahlen rund 621 Infektionen pro 100 000 Einwohner gemeldet (Stand 17. Oktober).

7.830 Neuinfektionen in Deutschland: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben 7.830 neue Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet, mehr als je zuvor seit Beginn der Pandemie. Das geht aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstagmorgen hervor. Bislang haben sich nach RKI-Angaben mindestens 356.387 Menschen in Deutschland nachweislich infiziert (Stand: 17. Oktober., 0 Uhr). Die Zahl der Todesfälle lag demnach bei 9.767. Das waren 33 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 290 000 Genesene. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht bei 1,40 (Vortag: 1,22). Der Sieben-Tage-R-Wert bei 1,37.

Reisewarnungen für weitere Regionen: Seit Samstag um Mitternacht gelten neue Reisewarnungen für weitere Regionen in 15 EU-Ländern. Die Niederlande, das französische Festland, Malta und die Slowakei sind nun ganz Corona-Risikogebiete, für die das Auswärtige Amt vor touristischen Reisen warnt. Erstmals stehen mit Kampanien und Ligurien beliebte Touristenregionen in Italien sowie fünf Gebiete in Polen einschließlich der Metropolen Danzig und Krakau auf der Risikoliste. Hinzu kommen acht Kantone der Schweiz, darunter der an Deutschland grenzende Kanton Zürich, erstmals Gebiete in Schweden und Finnland sowie weitere Regionen in Großbritannien, Irland, Kroatien, Portugal, Slowenien und Ungarn.

Neue Vorgaben für Einreise nach Baden-Württemberg: Das Robert-Koch-Institut hat die Region Grand Est und den Kanton Zürich als Risikogebiete eingestuft. Das bedeutet, dass Einreisende nach Baden-Württemberg in Quarantäne müssen, wie die baden-württembergische Sozialministerium mitteilt. Ausnahmen gelten unter anderem für Kurzaufenthalte in Baden-Württemberg von weniger als 24 Stunden, für Berufspendler, Studierende und Paare.

Ausgangssperre in Frankreich: Seit diesem Samstag gilt in Paris und weiteren großen Städten Frankreichs eine nächtliche Ausgangssperre. Die neue Regelung zur Eindämmung der steigenden Corona-Zahlen trat um Mitternacht in Kraft. Die Ausgangssperre gilt nun für mehrere Wochen zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Meschen, die raus müssen und unter Ausnahmeregeln fallen, müssen ein Formular mit sich tragen.

Söder warnt vor Kontrollverlust: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat vor einem Versagen der Kontaktnachverfolgung gewarnt. „Wir stehen kurz vor dem Kontrollverlust in einigen Regionen in Deutschland. Das ist hochgefährlich“, sagte Söder der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagsausgabe). Wenn eine Nachverfolgung nicht mehr möglich sei, müssten Kontakte generell mit strikten Maßnahmen begrenzt werden. „Das wollen wir aber nicht.“

Früheres Weihnachtsgeld gefordert: Zur Stärkung des Einzelhandels und Entzerrung der Weihnachtseinkäufe fordern mehrere Politiker, Weihnachtsgeld-Zahlungen vorzuziehen. „Wir müssen den Einzelhandel jetzt unterstützen. Deshalb appelliere ich an Firmen, das Weihnachtsgeld schon mit dem Oktobergehalt auszuzahlen“, sagte der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf: Dann könnten viele Menschen ihre Weihnachtseinkäufe schon in den nächsten Wochen erledigen und der Handel müsste sich dann „vor einem hoffentlich vermeidbaren zweiten Lockdown vor Weihnachten nicht ganz so stark fürchten“.

20 Neuinfektionen in Mittelbaden: Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen hat sich in Mittelbaden von Donnerstag auf Freitag (Stand: 14 Uhr) um 20 auf insgesamt 1.121 erhöht. Sie verteilen sich auf den Landkreis Rastatt (826, plus 16) sowie den Stadtkreis Baden-Baden (272, plus 4). Die meisten Neuinfektionen werden in der Stadt Rastatt verzeichnet (11), gefolgt von Baden-Baden (4), Gaggenau (3) sowie Rheinmünster und Sinzheim (je 1). Als genesen gelten 954 Patienten, das ist der gleiche Wert wie am Donnerstag. Weiterhin sind 38 Todesfälle zu beklagen. Derzeit gibt es 129 aktive Fälle – und zwar in Baden-Baden (42), Rastatt (28), Gaggenau (25), Bühl (10), Sinzheim (4), Gernsbach (3), Durmersheim, Kuppenheim, Loffenau, Ötigheim, Ottersweier, Rheinmünster, Steinmauern (je 2) sowie Bühlertal, Iffezheim und Lichtenau (je 1).

Schärfere Regeln in Baden-Baden: Wegen der stark gestiegenen Zahl von Neuinfektionen hat das Gesundheitsamt schärfere Corona-Regeln für den Stadtkreis Baden-Baden erlassen. Die Details gibt es hier.

Premiere abgesagt: Das Theater Baden-Baden hat die für den heutigen Freitag geplante Premiere des Stückes „Mephisto“ abgesagt. Grund ist, dass sich in der Produktion eine Kontaktperson eines positiv auf COVID-19 getesteten Menschen befindet. Auch die Vorstellung am Sonntag muss ausfallen. Das Theater wird mitteilen, ab wann die Produktion gezeigt werden kann. Im Vorverkauf erworbene Tickets gelten als Gutschein für eine andere Vorstellung und werden von der Vorverkaufsstelle zu einem späteren Zeitpunkt umgetauscht. Der Preis für im Webshop erworbene Tickets wird erstattet. Hierzu reicht eine Mail mit Auftragsnummer, Name und IBAN an theaterabo@baden-baden.de

Zum Artikel

Erstellt:
17. Oktober 2020, 08:24 Uhr
Aktualisiert:
17. Oktober 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 6min 02sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.