Corona kompakt: Daimler setzt den Rotstift an

Baden-Baden (red/dpa) – Das Coronavirus ist seit Monaten das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Die BT-Onlineredaktion informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

Kürzere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich für zahlreiche Mitarbeiter und keine Prämie: Daimler setzt seinen Sparkurs fort. Foto: Marijan Murat/dpa

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Kürzere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich für zahlreiche Mitarbeiter und keine Prämie: Daimler setzt seinen Sparkurs fort. Foto: Marijan Murat/dpa

Radrennen eine Woche früher: Die Tour de France findet im kommenden Jahr wegen der Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 eine Woche früher statt. Die dreiwöchige Rundfahrt wird vom 26. Juni bis zum 18. Juli ausgetragen, da bereits eine Woche nach dem Finale in Paris die Straßenrennen in Tokio stattfinden. Das geht aus dem Kalender des Radsport-Weltverbandes UCI hervor. Damit verdichten sich die Anzeichen, dass die Tour 2021 wohl nicht in Kopenhagen starten wird. Die dänische Hauptstadt hatte einen früheren Tour-Start abgelehnt, weil bis zum 28. Juni noch Spiele der Fußball-Europameisterschaft in Kopenhagen ausgetragen werden. Zuletzt war die Bretagne als möglicher Ersatzausrichter ins Gespräch gekommen. Kopenhagen wäre dann 2022 mit dem Grand Depart an der Reihe.

Tests in Mamming negativ: Nach der Corona-Masseninfektion von 176 Erntehelfern auf einem Gemüsehof im niederbayerischen Mamming haben am Dienstag von 308 getesteten Bürgern der Gemeinde negative Ergebnisse vorgelegen. Das teilte das Landratsamt Dingolfing-Landau am Abend mit. 318 Bürger der betroffenen Gemeinde hatten sich am Montag freiwillig auf eine Infektion testen lassen. Zehn Ergebnisse stünden noch aus, sagte ein Sprecherin. In dem 3300-Einwohner-Ort war am Montag für die Bürger eine Teststation errichtet worden. Der Gemüsehof steht unter Quarantäne und ist abgeriegelt.

Premier League startet ohne Zuschauer: Die englische Premier League muss wegen der anhaltenden Corona-Pandemie voraussichtlich auch die kommende Fußballsaison mit Geisterspielen beginnen. Wie der britische Sportminister Nigel Huddleston am Dienstag mitteilte, arbeitet die Regierung auf eine Teilzulassung von Fans bei Sportveranstaltungen ab 1. Oktober hin. Beim Premier-League-Start am 12. September wären damit weiterhin keine Fans zugelassen.

Wieder stärkerer Anstieg im Land: In Baden-Württemberg wurden am Dienstag 121 neue Corona-Infektionen gemeldet. Damit stieg die Gesamtzahl auf 37.047 an. Davon sind geschätzt 34.291 Personen wieder genesen und 913 aktuell infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg um zwei auf 1.843. Der R-Wert liegt bei 0,79. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Schnitt etwas weniger als einen Menschen ansteckt. In den vergangenen sieben Tagen gab es landesweit im Durchschnitt 3,9 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Im Landkreis Rastatt liegt dieser Wert bei 3,5, im Stadtkreis Baden-Baden bei 0,0.

Land erwägt Kostenübernahme: Baden-Württemberg wird die Kosten für die geplanten Corona-Zwangstests für viele Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten möglicherweise übernehmen. Zwar müsse die schwierige Frage der Bezahlung noch geklärt werden, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart. Aber es sei nicht ausgeschlossen, dass die Kosten getragen würden und nicht von den Urlaubern bezahlt werden müssten. „Es nützt nichts, wenn man nur rein rechtlich verfährt, und nachher lassen sich die Leute nicht testen.“ Die Frage solle in den kommenden Tagen geklärt werden. Er unterstütze die Pflichttests für Reisende, wenn diese aus Risikogebieten zurückkehrten, also aus Ländern mit hohen Infektionszahlen. Derzeit werde von 8.500 Rückkehrern aus Risikogebieten pro Woche ausgegangen, sagte der Grünen-Politiker. „Allerdings können wir nicht abschätzen, wie viele Leute überhaupt in Risikogebiete fliegen.“

Generelle Maskenpflicht: Als letzte Region auf dem spanischen Festland hat nun auch die Hauptstadt Madrid eine umfassende Maskenpflicht zur Verhinderung von Corona-Infektionen angekündigt. Ein Mund-Nasenschutz müsse künftig nicht nur wie bisher in geschlossenen öffentlichen Räumen, sondern auch im Freien getragen werde, und zwar auch wenn der Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern zu nicht im eigenen Haushalt lebenden Personen gewahrt werden kann, sagte die Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso am Dienstag. Nur beim Sport und aus medizinischen Gründen gibt es Ausnahmen. Schon bisher haben die meisten Bürger der Stadt freiwillig auch im Freien Masken getragen. Nur auf den Kanaren darf man noch ohne Maske spazieren gehen.

Immer mehr Infizierte nach Trauerfeier: Nach einer Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) ist die Zahl der Corona-Infizierten gestiegen. Inzwischen wurden 58 Menschen positiv auf das Virus getestet, darunter auch zwölf Kinder, wie das Landratsamt am Dienstag mitteilte. Am Vortag waren 47 Coronafälle bekannt. Daneben habe man inzwischen ermitteln können, welcher Trauergast als erster mit dem Virus infiziert gewesen sein könnte, hieß es. Den Angaben zufolge könnten sich noch weitere Menschen angesteckt haben. Eine Teilnehmerliste zu der Trauerfeier in einer Moschee und auf einem Friedhof vor zwei Wochen gibt es laut einer Sprecherin nicht, man gehe aber von mehr als hundert Gästen aus. 150 Trauergäste und Kontaktpersonen seien bereits vergangene Woche getestet worden, 250 weitere seit Beginn dieser Woche.

Streichungen bei Daimler: Der Autobauer Daimler fährt für einen großen Teil seiner Beschäftigten in Deutschland die Arbeitszeit herunter. Um angesichts der massiven Einbrüche durch die Corona-Krise Kosten zu senken, wird in der Verwaltung und in den sogenannten produktionsnahen Bereichen wie etwa Logistik von Oktober an in der Regel zwei Stunden pro Woche weniger gearbeitet – für ein Jahr und ohne Lohnausgleich, wie Daimler am Dienstag mitteilte. Darauf hätten sich Konzernleitung und Betriebsrat geeinigt. Betriebsbedingte Kündigungen blieben damit ausgeschlossen, betonte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Mit der Einigung fällt für sämtliche Beschäftigten in Verwaltung und Produktion zudem die Prämie für das Jahr 2020 weg. Das sogenannte Tarifliche Zusatzgeld, das einmal im Jahr gezahlt wird, gibt es 2021 ebenfalls nicht – es wird für alle verpflichtend in bezahlte Freistellungstage umgewandelt.

Firma in Mühlacker unter Quarantäne: In einem mittelständischen Unternehmen in Mühlacker sind 19 Mitarbeiter positiv auf Corona getestet und die gesamte Belegschaft unter Quarantäne gestellt worden. Um wie viele Personen es dabei geht, wollte am Dienstag ein Sprecher des Landratsamtes Enzkreis mit Rücksicht auf die Firma nicht sagen. Die Zahl liege aber nicht im dreistelligen Bereich. Die Produktion der Firma sei geschlossen. Was sie herstellt, wurde nicht mitgeteilt. „Kein Fleisch, keine Lebensmittel“, sagte der Sprecher. Die ersten Infektionen waren bereits am vergangenen Freitag bekannt geworden. Die Quarantäne wurde daraufhin zum Wochenende angeordnet und mit Tests auf das Virus begonnen. Alle Mitarbeiter sollen getestet werden.

RKI in großer Sorge: Eine zunehmende Zahl an neugemeldeten Corona-Fällen lässt das Robert Koch-Institut (RKI) eine Trendumkehr in Deutschland befürchten. In den vergangenen sieben Tagen seien 3.611 Infektionen gemeldet worden, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin. Die neueste Entwicklung bereite „große Sorgen“. Als Ursache für den Anstieg nannte Wieler Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen, aber es könne sein. Im Unterschied zu den vergangenen Wochen mit einzelnen großen Ausbrüchen sei die Lage derzeit diffus, schilderte RKI-Expertin Ute Rexroth, Leiterin des Fachgebiets Surveillance. „Es sind wirklich leider viele betroffen.“ Beobachtet würden Fallzahlenanstiege in unterschiedlichen Kommunen und Gemeinden. Deutschlandweit steckten sich wieder mehr Menschen an. Zu Übertragungen komme es „wirklich überall“: bei Familienfeiern, Treffen mit Freunden, am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftsunterkünften, Altenheimen und Einrichtungen des Gesundheitswesens, wo schwere Verläufe zu erwarten seien. Auch wenn Fälle von Reiserückkehrern verzeichnet werden: Der größte Teil der Betroffenen habe sich in Deutschland angesteckt, sagte Rexroth. Das RKI hält Vorbeugung für nötig, damit sich das Virus nicht wieder rasant und unkontrolliert ausbreitet und die Gesundheitsämter Ausbrüchen nicht hinterherlaufen müssen. „Das schaffen wir nur gemeinsam“, sagte Wieler. Die weitere Entwicklung liege „in unserer Hand“. Er appellierte an die Bundesbürger, die sogenannten Aha-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) einzuhalten. Diese Regeln gelten auch im Freien und auch im Urlaub, wie Wieler betonte. Masken müssten richtig getragen werden, also über Mund und Nase.

Nur Sitzplätze und kein Alkohol: Die Deutsche Fußball Liga will in den Bundesliga-Stadien bis zum 31. Oktober ein Stehplatz- und Alkoholverbot durchsetzen. Zudem sollen die Vereine bis zum Jahresende bei den Spielen der 1. und 2. Bundesliga auf Gäste-Fans verzichten, um das Infektionsrisiko zu verringern. Dies geht aus den Anträgen des DFL-Präsidiums hervor, die bei der virtuellen Mitgliederversammlung der 36 Proficlubs am kommenden Dienstag zur Abstimmung stehen. Ausdrücklich weist die Dachorganisation in ihrer Mitteilung vom Dienstag darauf hin, dass die Maßnahmen eine vorübergehende Anpassung seien, „um angesichts der andauernden pandemischen Lage die Einhaltung und die Kontrolle der Einhaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen in den Stadien zu erleichtern“. Beim Ticketverkauf sollen die Vereine dafür sorgen, dass Infektionsketten gegebenenfalls nachverfolgt werden können. Damit wolle man die Gesundheitsbehörden unterstützen.

Lage in Mittelbaden: Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen ist in Mittelbaden von Montag auf Dienstag um einen neuen Fall auf insgesamt 739 (Stand: 12 Uhr) gestiegen. Die Neuinfektion betrifft Muggensturm. Somit sind im Landkreis Rastatt 549 Infektionen registriert, im Stadtkreis Baden-Baden weiterhin 190. Als genesen gelten 697 Patienten, das sind vier mehr als am Vortrag. Die Genesenen kommen aus Rastatt (3) und Gaggenau (1). Derzeit gibt es sechs aktive Fälle, die sich auf Rastatt (3), Bühl, Lichtenau und Muggensturm (jeweils 1) verteilen. Weiterhin gibt es 36 Todesopfer zu beklagen.

Teile von Spanien besser meiden: Wegen des starken Anstiegs der Corona-Infektionen in Spanien rät das Auswärtige Amt von touristischen Reisen in mehrere Regionen ab. Betroffen sind Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra. Die Balearen mit der beliebten Ferieninsel Mallorca oder die Kanaren bleiben verschont. Das Auswärtige Amt begründete den Schritt am Dienstag in seinen Reisehinweisen für Spanien mit den „hohen Infektionszahlen und örtlichen Absperrungen“. Auf eine Reaktivierung der formellen Reisewarnung für die stark betroffenen Regionen verzichtete das Ministerium zunächst. Die drei am stärksten betroffenen Regionen werden von der Bundesregierung aber trotz der hohen Infektionszahlen zunächst nicht zu Risikogebieten gezählt. Die katalanische Gesundheitsbehörde teilte am Montagabend mit, dass in den vergangenen 24 Stunden 724 neue Infektionen registriert worden seien.

Empfang zur Großen Woche abgesagt: Die Stadtverwaltung Baden-Baden hat den traditionsreichen Empfang zum Auftakt der Großen Woche endgültig abgesagt. Geplant war er laut Stadtpressestelle am Freitagabend, 4. September, im Casino in Baden-Baden.

Gute Chancen für Impfstoffkandidat: Das Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und sein Partner Pfizer haben die Erlaubnis der US-Behörden zum Start der Phase-2/3-Studie ihres Corona-Impfstoffkandidaten erhalten. Die Tests an bis zu 30.000 Probanden im Alter zwischen 18 und 85 Jahren werden demnach in 120 Studienzentren weltweit durchgeführt, unter anderem in Deutschland, wie Biontech am Dienstag in Mainz mitteilte. Das bereits Mitte Juli bekannt gegebene Ziel, das Zulassungsverfahren im Oktober dieses Jahres einzuleiten, wurde zudem bekräftigt. Zugleich hat sich Biontech mit einer Kapitalerhöhung gut eine halbe Milliarde US-Dollar an der Börse verschafft.

Nach den Plänen von Biontech sollen im Erfolgsfall bis Ende des Jahres zunächst 100 Millionen Impfstoffdosen weltweit geliefert werden. Bis Ende 2021 streben Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer an, mehr als 1,3 Milliarden weitere Dosen bereitzustellen.

Ärztepräsident für Pflichttests: Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hält die von der Bundesregierung geplante Testpflicht für Rückreisende aus Risikogebieten für richtig. „Aus ärztlicher Sicht sei dies wünschenswert. Ob eine solche Verpflichtung rechtlich zulässig sei, müssten Juristen klären. Es gebe zwar wegen der Inkubationszeit Unsicherheiten, aber selbst wenn nur ein Teil der Infektionen aufgedeckt wäre, sei dies sinnvoll.

Sagrotan-Hersteller mit Umsatzsprung: Der Konsumgüterhersteller Reckitt Benckiser verzeichnet einen reißenden Absatz von Produkten wie Desinfektionsmittel und Schmerztabletten. Im ersten Halbjahr sprang der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 11,9 Prozent auf 6,9 Milliarden britische Pfund (7,6 Mrd Euro) nach oben, wie der Hersteller von Calgon, Sagrotan und Nurofen am Dienstag in London mitteilte. Mit einem Plus von gut 16 Prozent zogen die Erlöse mit Hygieneprodukten besonders stark an.

EZB für Dividenden-Verzicht: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Banken in der Eurozone aufgefordert, wegen der Corona-Krise bis Januar 2021 auf die Ausschüttung von Dividenden zu verzichten. Verfügbares Kapital und Gewinne sollen die Institute lieber verwenden, um Verluste abzufedern und die Wirtschaft „in diesen Zeiten außergewöhnlicher Unsicherheit“ zu unterstützen, erklärte sie am Dienstag

Fallzahlen für Deutschland: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 633 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 206.242 Menschen in Deutschland nachweislich infiziert, wie das RKI am Dienstagmorgen meldete (Datenstand 28.7., 0 Uhr). In Deutschland starben nach den RKI-Angaben bislang 9.122 infizierte Menschen - seit dem Vortag kamen somit vier neue Todesfälle hinzu. Bis Dienstagmorgen hatten 190.800 Menschen die Infektion überstanden. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 27.7., 0 Uhr, in Deutschland bei 1,28 (Vortag: 1,22).

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Erstellt:
28. Juli 2020, 07:06 Uhr
Aktualisiert:
28. Juli 2020, 22:48 Uhr
Lesedauer:
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