Corona kompakt: Bund trägt Kosten für Tests

Baden-Baden (red/dpa) – Das Coronavirus ist seit Monaten das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Die BT-Onlineredaktion informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten sollten sich testen lassen, mahnt die Bundesregierung. Foto: Jan Woitas/dpa

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Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten sollten sich testen lassen, mahnt die Bundesregierung. Foto: Jan Woitas/dpa

Mehr als 150.000 Corona-Tote in den USA: In Amerika sind inzwischen mehr als 150.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das ging am Mittwoch (Ortszeit) aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Bislang gab es in den USA demnach rund 4,4 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2. Die Opferzahl in den USA, einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern, ist weltweit die bislang höchste in absoluten Zahlen. An zweiter Stelle steht derzeit Brasilien mit fast 90.000 Toten. Relativ zur Einwohnerzahl ist die Zahl der Opfer jedoch unter anderem in Belgien, Großbritannien, Spanien, Italien und Schweden höher als in den USA. In Belgien etwa starben Johns Hopkins zufolge rund 86 Menschen pro 100.000 Einwohner, in Spanien und Italien etwa 60, in Schweden 56. In den USA waren es bislang 45 Menschen pro 100.000 Einwohner – in Deutschland nur elf Menschen.

US Open der Golfprofis ohne Zuschauer: Bei den US Open der Golfprofis Mitte September werden wegen der Coronavirus-Pandemie keine Zuschauer zugelassen sein. Das teilten die Organisatoren der für den 17. bis 20. September in Winged Foot im Bundesstaat New York angesetzten Veranstaltung am Mittwoch mit. Auch beim ersten Major-Turnier des Jahres in der kommenden Woche in San Francisco werden die Spieler ohne die Unterstützung auf dem Platz auskommen müssen. Dort startet auch Deutschlands Top-Golfer Martin Kaymer. Wegen der Corona-Krise hatte die PGA-Tour zunächst lange pausiert und erst seit dem 11. Juni den Turnierbetrieb wieder aufgenommen. Die European Tour startete am 9. Juli mit einem kleinen Turnier in Österreich wieder.

Knapp 700 Neuinfektionen an einem Tag in Deutschland: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 684 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 206.926 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. In Deutschland starben nach den RKI-Angaben bislang 9.128 mit dem Virus infizierte Menschen – seit dem Vortag kamen somit sechs neue Todesfälle hinzu. Bis Mittwochmorgen hatten 191.300 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Die Reproduktionszahl lag nach RKI-Schätzungen bei 1,14 (Vortag: 1,25). Derweil könnte der Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein bei weiter deutlich steigenden Corona-Zahlen zum Risikogebiet werden.

Notstand in Italien wird bis 15. Oktober verlängert: Italiens Regierung will den coronabedingten Notstand bis zum 15. Oktober verlängern – und weiß dabei die Volksvertretungen hinter sich. Nach dem Senat stimmte am Mittwoch auch das Abgeordnetenhaus der Verlängerung zu. Es gab in der Kammer 286 Ja-Stimmen bei 221 Gegenstimmen und fünf Enthaltungen. Der Notstand gilt in Italien seit knapp sechs Monaten. Ohne Verlängerung würde er per Ende Juli, also am Freitag, auslaufen.

77 neue Infektionen im Land: In Baden-Württemberg wurden am Mittwoch 77 neue Corona-Infektionen gemeldet. Damit stieg die Gesamtzahl auf 37.124 an. Davon sind geschätzt 34.340 Personen wieder genesen und 939 aktuell infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg um zwei auf 1.845. Der R-Wert liegt bei 0,89. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Schnitt etwas weniger als einen Menschen ansteckt. In den vergangenen sieben Tagen gab es landesweit im Durchschnitt 3,7 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Im Landkreis Rastatt liegt dieser Wert bei 3,5, im Stadtkreis Baden-Baden bei 0,0.

Kleine Parteien wollen klagen: Corona treibt auch die Wahlkämpfer im Südwesten um. Die Parteien stehen bei der Vorbereitung der Landtagswahl infolge der Krise unter Zeitdruck. Weil sie um ihre Zulassung für den Urnengang am 14. März 2021 fürchten, wollen fünf nicht im Landtag vertretene Parteien im August vor den Verfassungsgerichtshof ziehen. Freie Wähler, die Linke, die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), die Satire-Partei „Die Partei“ und die Piratenpartei kritisieren die Vorgaben im Wahlgesetz: Für eine landesweite Teilnahme an der Wahl müssen die noch nicht im Landtag vertretenen Parteien bislang 10.500 Unterschriften in den 70 Wahlkreisen sammeln. Dies sei unter Corona-Bedingungen sehr schwierig. Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier.

Fußballprofi des FC Sevilla positiv getestet: Der Verein teilte am Mittwoch aber nicht mit, um wen es sich handelt. Der Infizierte zeige keine Symptome, sei in gutem gesundheitlichen Zustand und daheim isoliert. Sport- und Gesundheitsbehörden seien informiert und das Training vorübergehend ausgesetzt, hieß es. Europa-League-Rekordsieger Sevilla trifft im Achtelfinale am 6. August in Duisburg auf AS Rom. Das Achtelfinale zwischen den beiden Clubs wird in nur einem Spiel entschieden, weil das Hinspiel im März wegen der Coronavirus-Pandemie nicht mehr ausgetragen werden konnte. Der kleinere Europapokal-Wettbewerb wird in dieser Saison mit einem Finalturnier in Nordrhein-Westfalen beendet.

Jugendliche zocken mehr: Kinder und Jugendliche haben während des Lockdowns einer Studie zufolge 75 Prozent mehr Zeit mit digitalen Spielen verbracht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung zur Mediennutzung der Krankenkasse DAK-Gesundheit zusammen mit Forschern des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Demnach stieg bei Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren, die mindestens einmal pro Woche spielen, die Nutzungsdauer von digitalen Spielen auf Tablets, Smartphones, Spielkonsolen oder am PC deutlich an: Während im September 2019 die durchschnittliche Spieldauer werktags noch bei 79 Minuten lag, kletterte sie im April – also rund vier Wochen nach Beginn der Kontaktbeschränkungen – auf 139 Minuten.

EU-Luftbrücke bringt 1.100 Tonnen Hilfsgüter: Über eine Anfang Mai gestartete Luftbrücke sind inzwischen rund 1.100 Tonnen medizinischer Hilfsgüter in Krisenregionen in aller Welt geflogen worden. Diese Zahl nannte die EU-Kommission am Mittwoch. Auch 1.475 Helfer wurden transportiert. Insgesamt gab es 45 Flüge. Die Luftbrücke wurde am 8. Mai eingerichtet, weil Hilfsorganisationen während der Corona-Pandemie Schwierigkeiten hatten, Hilfsgüter in Krisenregionen zu bringen. Die EU-Kommission koordiniert und finanziert die Flüge und bietet die Kapazität den EU-Staaten an. Zu den unterstützten Ländern zählen Afghanistan, Burkina Faso, die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo, der Iran, der Sudan, der Südsudan, Haiti, Somalia, Guinea-Bissau, der Irak und der Jemen.

Warn-App einmal täglich anklicken: Die Regierung rät, die Corona-Warn-App mindestens einmal am Tag zu öffnen. So könne sichergestellt werden, dass sich die Informationen aktualisierten, sagte Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin. Die Smartphone-Anwendung steht wegen technischer Probleme derzeit in der Kritik. Zur Ursache sagte Demmer: „Das Zusammenspiel zwischen Code der App und Betriebssystem hat nicht so funktioniert, wie es hätte funktionieren sollen.“ Die Entwicklung der App laufe sieben Wochen nach dem Start noch weiter, „wir arbeiten rund um die Uhr daran, dass dieses Ding besser wird“. 16,5 Millionen Mal sei sie bisher heruntergeladen worden.

Rekord an Neuinfektionen in Israel: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist in Israel auf ein Rekordhoch gestiegen. Das Gesundheitsministerium des Landes teilte am Mittwoch mit, am Vortag seien 2.104 Fälle gemeldet worden – so viele wie nie zuvor an einem Tag. Zum Vergleich: Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts zuletzt 684 neue Infektionen innerhalb eines Tages. Deutschland hat etwa neunmal so viele Einwohner wie Israel. Israels neuer Corona-Beauftragter Ronni Gamzu will die Armee nun stärker in den Kampf gegen das Virus einbinden.

Eine Neuinfektion im Ortenaukreis: Von Dienstag auf Mittwoch, 29. Juli, wurde in Willstätt eine neue Infektion gemeldet. Damit steigt die Zahl der positiv Getesteten im Ortenaukreis auf 1.235.

Chancen für Fußball mit Zuschauern: Die Bundesregierung ist grundsätzlich offen für eine begrenzte Zulassung von Zuschauern bei Fußball-Bundesligaspielen mit Corona-Schutzauflagen. Wenn entsprechende Konzepte tragfähig seien, sei kein generelles Hemmnis dafür vorhanden, sagte ein Sprecher des für Sport zuständigen Innenministeriums in Berlin. Soweit sicherzustellen sei, dass bei Stadionbesuchen keine Infektionsketten ausgelöst würden, gebe es gute Chancen, dass Fußball mit Zuschauern möglich sei. Die Vereinbarkeit von Lebensfreude und Gesundheitsschutz sei auch an anderen Stellen unter Beweis gestellt worden. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat ein Konzept für die Teilzulassung von Zuschauern zur neuen Saison in der 1. und 2. Liga vorgelegt. Es sieht unter anderem keine Gästefans bis zum Jahresende und ein Stehplatz- und Alkoholverbot in Stadien mindestens bis 31. Oktober vor. Über die entsprechenden Anträge des DFL-Präsidiums sollen die 36 Proficlubs am kommenden Dienstag entscheiden.

Bund übernimmt Kosten für Tests: Die geplanten zusätzlichen Testmöglichkeiten auf das Coronavirus für Reiserückkehrer nach Deutschland will der Bund finanzieren. Die Kosten würden durch einen erhöhten Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Mittwoch in Berlin. Die entsprechende Verordnung soll in dieser Woche in Kraft treten. Die Ressortchefs von Bund und Ländern hatten freiwillige Tests für alle Rückkehrer aus dem Ausland beschlossen, die für die Reisenden kostenfrei sein sollen. Darüber hinaus will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Rückkehrer aus internationalen Risikogebieten mit hohen Fallzahlen eine Testpflicht anordnen. Sie soll in der kommenden Woche in Kraft treten, einen genauen Tag nannte das Ministerium noch nicht. Sie solle so schnell wie möglich kommen, damit sich alle darauf einstellen könnten.

EU verteilt Medikament: Zur Versorgung von 30.000 schwerkranken Covid-19-Patienten mit dem Mittel Remdesivir hat die EU-Kommission einen Bezugsvertrag mit dem Hersteller Gilead geschlossen. Der Wirkstoff – die bisher einzige in Europa zugelassene Arznei gegen schwere Fälle der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit – werde ab Anfang August geliefert, teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit. Die Menge reiche für den dringenden Bedarf in der EU und Großbritannien und werde gerecht verteilt.

Drei neue Fälle in Mittelbaden: Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen ist in Mittelbaden von Dienstag auf Mittwoch um drei auf 742 gestiegen. Somit sind im Landkreis Rastatt nun 552 Fälle registriert, während die Zahl im Stadtkreis Baden-Baden weiterhin bei 190 liegt. Die Neuinfektionen betreffen Bühl, Bühlertal und Muggensturm. Als genesen gelten – wie am Vortag – 697 Patienten, weiterhin sind 36 Todesfälle zu beklagen. Derzeit gibt es neun aktive Fälle, die sich auf Rastatt (3), Bühl (2), Muggensturm (2), Bühlertal und Lichtenau (jeweils 1) verteilen.

Rückschlag bei Medikament: Ein eigentlich gegen Arthritis gerichtetes Medikament des Schweizer Pharmakonzerns Roche verfehlt bei Corona-Patienten die gewünschte Wirkung. Das hätten sogenannte klinische Phase III-Studien gezeigt, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Basel mit. Der Wirkstoff Tocilizumab wurde bei Patienten eingesetzt, die mit dem Coronavirus infiziert waren und eine schwere Lungenentzündung hatten. Es habe sich aber weder der Zustand der Patienten verbessert, noch sei die Sterblichkeit gesunken, hieß es. Roche werde weiterforschen, ob dieser Wirkstoff in Kombination mit einem antiviralen Medikament bessere Ergebnisse bringe, so das Unternehmen.

Jeder fünfte Klinik-Patient gestorben: Gut ein Fünftel der Corona-Patienten, die im Frühjahr in deutschen Kliniken aufgenommen wurden, hat laut einer Studie nicht überlebt. Besonders hoch war die Sterblichkeit mit 53 Prozent bei Patienten, die beatmet wurden, wie aus einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido), der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und der Technischen Universität Berlin hervorgeht. Insgesamt lagen der Untersuchung Daten von rund 10.000 Patienten zugrunde, von denen etwa 1.700 beatmet wurden. Von den Krankenhauspatienten, die nicht beamtet wurden, starben 16 Prozent. Derzeit sind laut dem Divi-Intensiv-Register noch 258 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, davon wird knapp die Hälfte beatmet (Stand 28. Juli). Insgesamt sind in dem Register mehr als 15-000 abgeschlossene Covid-19-Behandlungen erfasst, ein Viertel dieser Patienten starb.

Zu langsame Tests in den USA: Hunderttausende Corona-Tests pro Tag stellen die Vereinigten Staaten auf die Probe - längere Wartezeiten könnten das Aufspüren von Erkrankten in der Bevölkerung dabei erschweren. Zuletzt hatten sich die Berichte und Beschwerden in Sozialen Netzwerken gehäuft. Demnach stehen Testergebnisse in einigen Teilen des Landes teilweise erst nach einer Woche oder später zu Verfügung. Je länger ein potenziell Erkrankter aber warten muss, desto schwerer sind möglicherweise ebenfalls infizierte Kontaktpersonen aufzuspüren. Auch ein negatives Ergebnis hat nach einer Zeit nur noch begrenzte Aussagekraft, denn die betreffende Person könnte sich auch in der Zwischenzeit angesteckt haben.

Appell an Urlauber: Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, hat an Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten appelliert, sich auch wirklich auf das Coronavirus testen zu lassen. „Dies dient dem eigenen Schutz, aber auch der allgemeinen Sicherheit“, sagte der Wirtschaftsstaatssekretär. „Auch Reisende aus Risikogebieten mit Bahn und Pkw sollten sich testen lassen. Reisen darf nicht zur Gefahr werden“, so Bareiß. Jeder Einzelne trage eine besondere Verantwortung für seine Mitmenschen.

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Erstellt:
29. Juli 2020, 06:52 Uhr
Aktualisiert:
29. Juli 2020, 22:18 Uhr
Lesedauer:
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