Corona kompakt: Durchwachsene Bilanz des Schulstarts

Baden-Baden (red/dpa) – Das Coronavirus ist seit Monaten das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Die BT-Onlineredaktion informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

Die Bilanz des Schulstarts unter Corona-Bedingungen fällt durchwachsen aus. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Die Bilanz des Schulstarts unter Corona-Bedingungen fällt durchwachsen aus. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Masken im Stadion: Die Zuschauer im baden-württembergischen Bundesliga-Duell zwischen dem VfB Stuttgart und dem SC Freiburg müssen auch auf der Tribüne Mund-Nasen-Masken tragen. Darauf verwies der VfB in einer Pressemitteilung am Freitagabend vor der Partie in der Fußball-Bundesliga am Samstag (15.30 Uhr/Sky). Die am Nachmittag in Kraft getretene Neufassung der „Corona-Verordnung Sport“ des Landes Baden-Württemberg habe kurzfristig zu einer Verschärfung der einzuhaltenden Hygienevorschriften in der Mercedes-Benz Arena geführt. Ursprünglich hieß es, dass die Fußballfans Masken nur bis zur Einnahme des Sitzplatzes zu tragen haben.

Der VfB wird aus Vorsichtsgründen zunächst maximal 8.000 Zuschauer ins Stadion lassen, obwohl laut der bundeseinheitlichen Regelung für Sport-Arenen bis zu 12.000 Fans möglich wären.

Bußgeldverfahren nach Masken-Kontrollen: Bei Kontrollen der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Wartebereichen hat die Polizei Ravensburg am Freitag fünf Bußgeldverfahren eingeleitet. Bei insgesamt rund 3.500 Kontrollen in den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und im Bodenseekreis wurden knapp 1.000 Menschen angesprochen, die vorwiegend an den Wartebereichen ohne Mund-Nasen-Schutz angetroffen wurden oder ihn falsch trugen, wie die Polizei mitteilte. „Dies geschah jedoch gelegentlich in Unkenntnis darüber, dass die Maskenpflicht auch im Freien an Bus- und Bahnsteigen sowie im Wartebereich der Anlegestellen von Fahrgastschiffen und in Bahnhofs- oder Flughafengebäuden gilt, oder aber aus Nachlässigkeit“, hieß es von der Polizei. Die Kontrollierten hätten sich „mit ganz wenigen Ausnahmen einsichtig gezeigt“, so Polizeipräsident Uwe Stürmer. Gegen fünf Menschen wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Ein 21-Jähriger habe auf die Kontrolle in Ostrach (Kreis Sigmaringen) „sofort aggressiv reagiert, die Beamten mehrfach beleidigt und versucht, eine brennende Zigarette nach ihnen zu werfen.“ Er muss sich nun wegen versuchter Körperverletzung und Verstoßes gegen die Corona-Verordnung verantworten.

Absage: Der Sitzungskarneval in Nordrhein-Westfalen soll für die kommende Session abgesagt werden. Das sagte der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, am Freitag in Düsseldorf nach einem Gespräch mit der Landesregierung. „Gesellige Karnevalsveranstaltungen sind nicht möglich“, sagte Staatssekretär Nathanael Liminski. Kleine „Kulturveranstaltungen“ mit Bühnenprogramm könnten dagegen in Übereinstimmung mit den Corona-Regeln möglich sein.

Schnellere Ergebnisse angemahnt: Corona-Tests sollten von der ersten Anfrage bis zum Ergebnis aus Sicht der EU-Kommission nicht länger als 24 Stunden dauern, damit Kontakte sinnvoll nachverfolgt werden können. Ihre Empfehlungen für eine gemeinsame Teststrategie legte die Brüsseler Behörde am Freitag den EU-Staaten vor. Auch Deutschland müsste demnach mehr Tempo machen. Nach Angaben der Kommission vergehen hier bis zu 36 Stunden zwischen Test und der Bekanntgabe des Ergebnisses. Die Bevölkerung solle leichten Zugang zu Teststellen haben, betont die Kommission. Es müsse Priorität sein, alle Fälle von Covid-19-änlichen Symptomen zu testen. Möglichst solle gleichzeitig auf das Coronavirus, Grippe und andere Atemwegsinfekte untersucht werden.

Lage im Südwesten: Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen hat sich in Baden-Württemberg am Freitag um 351 auf insgesamt 46.771 erhöht. Mit zwei Todesfällen im Landkreis Emmendingen sowie im Rems-Murr-Kreis erhöhte sich die Zahl der Verstorbenen auf 1.871. Insgesamt 40.790 Infizierte sind als genesen eingestuft, das sind 252 mehr als am Vortag. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, liegt bei 1,0. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Mittel einen weiteren Menschen ansteckt. In den vergangenen sieben Tagen gab es landesweit durchschnittlich 14,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Für den Landkreis Rastatt liegt dieser Wert bei 9,1, für den Stadtkreis Baden-Baden bei 5,5. Die Stadt Mannheim nähert sich mit 31,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner dem Vorwarnwert (35). In Stuttgart wurde ein Ausbruch in einer Arbeitsstätte mit 31 Fällen gemeldet.

Einschränkungen im Landkreis Cloppenburg: Der niedersächsische Landkreis Cloppenburg hat auf das Überschreiten des Sieben-Tages-Grenzwertes bei Corona-Neuinfektionen mit zusätzlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens in einigen Gemeinden reagiert. Am Freitag wurden im Landkreis Cloppenburg 61,5 neue Infektionen auf 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche gemeldet. In den betroffenen Teilen des Landkreises Cloppenburg dürfen sich nun bis zum 4. Oktober privat maximal sechs Menschen treffen. Vereinen ist es untersagt, Zusammenkünfte abzuhalten, Gaststätten müssen um 22 Uhr schließen. Zuvor waren in den betroffenen Gemeinden bereits Schulen geschlossen worden. Zudem war landkreisweit Mannschaftssport untersagt worden. Auch die bayerische Landeshauptstadt München riss die kritische Marke und erreichte einen Wert von 50,7. Dies geht aus der täglich aktualisierten Statistik des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vom Freitag hervor. Weitere Beschränkungen blieben hier aber zunächst aus. In Bayern stellt die Landeshauptstadt keine Ausnahme dar. Auch die Stadt Würzburg (70,38), die Stadt Kaufbeuren (61,51), der Landkreis Garmisch-Partenkirchen (58,78) und der Landkreis Kulmbach (50,11) sind besonders betroffen.

Neue Schulden geplant: Im Kampf gegen die Corona-Krise will Finanzminister Olaf Scholz (SPD) im Bundeshaushalt 2021 rund 96 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen. Auch im kommenden Jahr soll die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse ausgesetzt werden, wie es am Freitag aus Kreisen des Finanzministeriums hieß. Der Krise solle nicht hinterhergespart werden.

Sechs Neuinfektionen in der Ortenau: Im Ortenaukreis hat sich die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen am Freitag um sechs auf insgesamt 1.474 erhöht.

Großbritannien droht zweiter Lockdown: Wegen der sich dramatisch verschlimmernden Corona-Lage könnte Großbritannien wieder ein landesweiter Lockdown drohen. Top-Forscher hätten die zweiwöchige Maßnahme der Regierung empfohlen, um die stark steigenden Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, berichtete die „Financial Times“. Der Lockdown soll nach einer Empfehlung des wissenschaftlichen Beratergremiums der Regierung („Sage“) während der Schulferien im Oktober stattfinden. „Wir möchten einen nationalen Lockdown vermeiden, aber wir sind darauf vorbereitet“, räumte Gesundheitsminister Matt Hancock am Freitag in einem BBC-Interview ein. Es sei das „letzte Mittel der Verteidigung“. Man setze zunächst auf lokale Beschränkungen.

Vier Neuinfektionen in Mittelbaden: Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen hat sich am Freitag in Mittelbaden um vier auf insgesamt 927 erhöht. Diese verteilen sich auf den Landkreis Rastatt (702, plus 2) sowie den Stadtkreis Baden-Baden (225, plus 2). Die neuen Fälle betreffen Baden-Baden (2) sowie Bühl und Gaggenau (je 1). Als genesen sind 847 Menschen eingestuft, zwei mehr am Vortag. Die Abgänge kommen aus Baden-Baden und Rastatt. Weiterhin gibt es 37 Todesfälle zu beklagen. Derzeit gibt es 43 aktive Fälle – und zwar in Baden-Baden (12), Rastatt (9), Iffezheim (6), Sinzheim, Bühl (je 3), Au am Rhein, Gaggenau, Kuppenheim, Muggensturm (je 2) sowie Bietigheim und Ötigheim (je 1).

Hilfspaket für Kommunen: Bund und Länder haben angesichts von Einbrüchen bei der Gewerbesteuer ein milliardenschweres Hilfspaket für Städte und Gemeinden beschlossen. Damit sollen die Kommunen handlungsfähig bleiben und weiter investieren können. Das soll auch dem Bau und dem Handwerk helfen, weil Städte und Gemeinden viele Aufträge vergeben.Nach dem Bundestag am Donnerstagabend stimmte am Freitag auch der Bundesrat den Milliardenhilfen zu, und zwar einstimmig. Für das Gesetz war eine Änderung des Grundgesetzes notwendig. Konkret geht es um eine einmalig anwendbare Ausnahmeregelung für das Jahr 2020. Der Städtetag erwartet in diesem Jahr aber beispiellose finanzielle Einbußen.

Finanzspritze für Kliniken: Die knapp 2.000 Kliniken in Deutschland erhalten über die Corona-Krise hinaus eine Milliarden-Spritze für Investitionen. Das beschloss der Bundestag am Freitag. Der Bund stellt drei Milliarden Euro bereit. Krankenhäuser sollen investieren, damit sie Notfallpatienten besser versorgen können. Sie sollen die Digitalisierung voranbringen und ihre IT-Sicherheit verbessern können. Die Länder sollen weitere Investitionsmittel von 1,3 Milliarden Euro aufbringen.

Skepsis bei Immunitätsausweis: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sieht einen Corona-Immunitätsausweis kritisch. Sie befürchte, dass ein solcher Ausweis, je nachdem wie dieser ausgestaltet werde, eher spalte. Sie stellte auch infrage, ob eine Infektion tatsächlich vor Wiederansteckung schütze. Zudem seien viele grundrechtliche und datenschutzrechtliche Fragen zu klären.

Infektionsgrenzwert überschritten: Im Landkreis Cloppenburg in Niedersachsen ist am Freitag der Grenzwert von 50 Infektionen je 100.000 Einwohnern überschritten worden. Die Infektionszahl lag bei 61,5, teilte das Sozialministerium in Hannover mit. Der Ausbruch entstand rund um eine Fußballmannschaft.

Elektro-Bonus zeigt Wirkung: Die Anfang Juni erhöhte Kaufprämie für Elektroautos und Plug-in-Hybride sorgt nach Angaben des baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbes für einen kräftigen Schub beim Interesse an Autos mit diesen Antriebstechnologien. Die Anträge auf den Umweltbonus bewegten sich auf Rekordhoch teilte der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg am Freitag mit. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) habe im August 3.549 Anträge für den Umweltbonus im Südwesten registriert, im Juli waren es noch 3.419. Insgesamt seien für den Südwesten seit Beginn der Förderung 2016 41 154 Umweltboni bewilligt worden. Seit dem 3. Juni gilt die neue erhöhte Kaufprämie für Elektroautos. Sie kann aus einem Zuschuss von bis zu 6.000 Euro vom Staat und einem Rabatt von bis zu 3.000 Euro vom Hersteller bestehen.

Wirtshaus-Wiesn startet: Trotz der Absage des Oktoberfests rüsten sich Wirte in München für einen Anstich. In vielen Wirtshäusern werden zum ursprünglich geplanten Wiesnstart am Samstag um 12 Uhr Bierfässer angestochen. Mit der „Wirthaus-Wiesn“ wollen gut 50 Wirte bis 4. Oktober ein wenig Oktoberfeststimmung schaffen. Für die „Wirtshaus-Wiesn“ gelten wie für alle gastronomischen Betriebe die Regelungen der Staatsregierung zum Infektionsschutz.

Fallzahlen für Deutschland: Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland 1.916 neue Corona-Infektionen gemeldet, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitagmorgen mitteilte. Damit ist die Zahl wieder unter 2.000 gerutscht, nachdem sie diesen Wert am Vortag überschritten hatte. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 267.773 Menschen in Deutschland nachweislich infiziert (Datenstand 18. September., 0 Uhr). Die Zahl der Todesfälle liegt nach RKI-Angaben bei 9.378. Seit dem Vortag wurden sieben Todesfälle mehr gemeldet. Bis Freitagmorgen hatten etwa 238.700 Menschen die Infektion überstanden. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag am Mittwochabend bei 1,00 (Vortag: 1,04). Aktuellere Daten hatte das RKI bis zum frühen Freitagmorgen nicht veröffentlicht. Der Sieben-Tage-R-Wert lag bei bei 1,06 (Vortag: 1,00). Einen ausführlichen Bericht zur Entwicklung der Zahlen lesen Sie hier in der Rubrik Topthemen.

Gemischter Start in Schulen: Kurz nach dem Start des neuen Schuljahres in allen Bundesländern ziehen Lehrerverband und Bildungsgewerkschaften eine durchwachsene Zwischenbilanz. Dass es unter Corona-Bedingungen bis jetzt so gut funktioniert habe, liege weniger an „vollmundigen Hygieneplänen“ der Kultusministerkonferenz und der einzelnen Landesministerien, sondern daran, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland derzeit noch überschaubar sei, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Alle gäben sich aber viel Mühe, sagte Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es gebe viel Verunsicherung. Schulleitungen beschwerten sich, dass vieles an ihnen hängenbleibe und der Rückhalt von der Politik fehle. Positiv bewertet wird vom Lehrerverband, dass in allen Ländern wieder Präsenzunterricht in ganzen Klassen und Lerngruppen stattfinde und dass es in einigen Bundesländern gelungen sei, mehr Lehrpersonal in die Schulen zu bekommen. Fortschritte seien auch erzielt worden bei Leihgeräten für Schüler und der Frage der Ausstattung von Lehrkräften mit Dienstlaptops. Auch bei der professionellen Betreuung der IT-Systeme an Schulen zeichneten sich Fortschritte ab.

Kritik äußerte Meidinger allerdings erneut daran, wie verschieden das Vorgehen in den Bundesländern sei:

Bühl bewertet Corona-Lage: Die Stadt Bühl hat im Gemeinderat einen aktuellen Corona-Bericht vorgestellt. Es ging dabei um die Lage in Schulen, Gastronomie sowie den Umgang mit Reiserückkehrern. Den ausführlichen Bericht lesen Sie hier.

Drosten warnt vor Zuspitzung: Mit Blick auf die verschärfte Lage in manchen anderen europäischen Ländern hat der Virologe Christian Drosten vor einer ähnlichen Entwicklung in Deutschland gewarnt. Angesichts der derzeit hierzulande gemeldeten Neuinfektionen müsse man sich klarmachen, „dass wir, wenn wir die Kurven übereinanderlegen, etwas hinterherhinken hinter Spanien und Frankreich und England“, sagte der Leiter der Charité-Virologie. Er betonte, „dass wir uns aber auch nicht vormachen sollten, dass sich das bei uns alles ganz anders entwickelt. Wir machen auch jetzt nicht sehr viele Sachen sehr anders“.


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