Corona kompakt: SPD fordert 1.000 zusätzliche Lehrer

Baden-Baden (red/dpa) – Das Coronavirus ist seit Monaten das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Die BT-Onlineredaktion informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

Nach dem Willen der baden-württembergischen SPD soll es im kommenden Schuljahr ein durchgängiges Nachhilfeangebot geben. Foto: Friso Gentsch/dpa

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Nach dem Willen der baden-württembergischen SPD soll es im kommenden Schuljahr ein durchgängiges Nachhilfeangebot geben. Foto: Friso Gentsch/dpa

79 Neuinfektionen im Land: Am Dienstag wurden dem Landesgesundheitsamt 79 neue Infektionen gemeldet (Stand Dienstag, 11. August, 16 Uhr). Damit stieg die Gesamtzahl auf mindestens 37.978 an. Davon sind schätzungsweise 35.070 Personen als genesen eingestuft. Im Landkreis Freudenstadt wurde ein weiterer Todesfall gemeldet. Die Zahl der Todesfälle steigt damit auf 1.859. Derzeit gelten geschätzt noch 1.049 Personen als infiziert. Der 7-Tage-R-Wert liegt bei 0,9. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Durchschnitt etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. In den vergangenen sieben Tagen wurden landesweit durchschnittlich 3,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner verzeichnet. Im Landkreis Rastatt liegt dieser Wert bei 6,9, im Stadtkreis Baden-Baden bei 3,6.

Großveranstaltungen weiter verboten: In Frankreich bleiben Veranstaltungen mit mehr als 5.000 Menschen bis mindestens 30. Oktober verboten. Das kündigte Premier Jean Castex am Dienstag an. „In Frankreich hat sich die Situation im Zusammenhang mit Covid-19 in den letzten Tagen verschlechtert“, warnte Castex. Die Zahl der Einweisungen in Krankenhäuser und auf Intensivstationen nehme wieder zu. Castex kündigte außerdem an, sich an die regionalen Behörden wenden zu wollen, um die Maskenpflicht an öffentlichen Orten so weit wie möglich auszudehnen. In Frankreich sind Schutzmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen geschlossenen Räumen wie Läden oder Restaurants Pflicht. Viele Orte, darunter auch die Hauptstadt Paris, setzen aber vermehrt auf Maskenpflicht unter freiem Himmel an bestimmten Orten. „Welche Vorkehrungen wir auch treffen, die Wirksamkeit dieser Maßnahmen hängt in hohem Maße von jedem einzelnen von uns ab“, sagte Castex. Man müsse kollektiv reagieren, um ein Wiederaufflammen der Epidemie zu verhindern. Er stelle einen Mangel an Wachsamkeit, Disziplin und Solidarität bei einigen fest. Frankreich ist mit mehr als 30.000 Toten in Verbindung mit Covid-19 schwer von der Pandemie getroffen. In den vergangenen Wochen war die Zahl der Neuinfektionen wieder angestiegen.

Vorverkauf für Großkonzert startet: Für das umstrittene Düsseldorfer Großkonzert mit 13.000 Zuschauern hat trotz heftiger Kritik der Vorverkauf begonnen. Der Ticket-Shop für das geplante Event am 4. September mit Rocker Bryan Adams und Sängerin Sarah Connor wurde am Dienstagvormittag freigeschaltet. Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.

Strandbesuch mit Abstandsmarkierung und Vorbelegung per App: Die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro will inmitten Pandemie den Aufenthalt an seinen Stränden wieder erlauben. Die Öffnung sieht zunächst vor, Flächen mit Bändern zu markieren, innerhalb derer kleine Gruppen den Strand besuchen können, wie Rios Bürgermeister Marcelo Crivella am Montagabend (Ortszeit) bekanntgab. Demnach sollen 30 Prozent der Flächen über eine App vorbelegt, die anderen 70 Prozent nach der Reihenfolge der Ankunft vergeben werden. Crivella hatte im Juli angekündigt, den Verbleib am Strand wie beim Sonnen erst zu erlauben, wenn es eine Impfung gäbe. Zuletzt waren Mannschaftssport am Strand und das Baden im Meer wieder zugelassen worden. Ein großer Teil des Lebens in Rio spielt sich im Freien ab. Vor allem am Wochenende ist es schwer, die „Cariocas“, wie die Bewohner der Stadt heißen, dazu zu bewegen, zu Hause zu bleiben. Dann füllen sich für gewöhnlich Strände und Bars. Brasilien ist das von der Pandemie am zweitstärksten betroffene Land nach den USA, hat inzwischen mehr als drei Millionen Infizierte und mehr als 100.000 Tote. Nach Daten der Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro verzeichnete die Stadt Rio bis Montag 74.674 Infizierte, 8.622 Patienten sind gestorben.

Testpflicht für Erntehelfer und Saisonarbeiter: Bayern hat eine Testpflicht für Erntehelfer und Saisonarbeiter eingeführt. „In landwirtschaftlichen Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten dürfen ab sofort nur noch Personen beschäftigt werden, die zu Beginn ihrer Tätigkeit einen negativen Corona-Test vorlegen können“, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Dienstag. „Damit wollen wir lokalen Hotspots vorbeugen und die Betriebe vor einer möglichen Schließung schützen.“ Das Kabinett hatte die Testpflicht am Montag bei einer außerplanmäßigen Sitzung beschlossen. „Ziel ist, dass es gar nicht erst zu Ausbrüchen in Betrieben kommt“, erklärte die Ministerin. Betriebe müssen Erntehelfer und Saisonarbeiter 14 Tage vor Beschäftigungsbeginn mit Name, Unterbringungsort, Art und Dauer der Beschäftigung sowie Kontaktdaten den Kreisverwaltungsbehörden melden. Können Arbeitskräfte keine höchstens 48 Stunden alte Bescheinigung in deutscher oder englischer Sprache mitbringen, müssen sie sich vor Ort testen lassen, wie ein Ministeriumssprecher am Dienstag in München erläuterte. Bis das geschehen ist, müssen die Betriebe sie von Kolleginnen und Kollegen trennen. Bei Verstößen drohen bis zu 25.000 Euro Strafe.

700 Jahr-Feier von Leiberstung terminiert: Anfang Juli hätte ein großer Festumzug anlässlich der erstmaligen urkundlichen Erwähnung Leiberstungs stattfinden sollen. Coronabedingt musste er abgesagt und aufs kommende Jahr verschoben werden. Die Feier mit historischem Umzug, Bauernmarkt und Bühnenprogramm soll nun am 19. und 20. Juni 2021 stattfinden. Das teilte die Gemeinde Sinzheim am Dienstag mit.

Palmer beteiligt sich an Studie: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat sich als Versuchsperson gegen Covid-19 impfen lassen. Er habe als Testperson bei der Studie zum Corona-Impfstoff der Tübinger Firma Curevac mitgemacht, teilte der 48-jährige Grünen-Politiker am Dienstag auf seiner Facebook-Seite mit. „In meiner Altersgruppe hat es an Probanden gefehlt, die den Gesundheitscheck überstanden. Ich habe mich gerne dafür zur Verfügung gestellt.

SPD fordert zusätzliche Lehrer: Der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch fordert vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie zusätzliche Lehrkräfte im Land für das neue Schuljahr. Statt dem vom Kultusministerium geplanten zweiwöchigen Nachhilfeunterricht am Ende der Sommerferien brauche es ein Nachhilfeprogramm für das ganze nächste Schuljahr, sagte Stoch im „Schwäbischen Tagblatt“. Baden-Württemberg solle 1.000 zusätzliche Lehrkräfte einstellen, um zu unterrichten, wo Unterricht sonst ausfallen würde und außerdem Nachhilfeunterricht zu geben. Den Schülern müsse geholfen werden, den Rückstand der vergangenen Monate aufzuholen.

Bundesministerium zurückhaltend bei russischem Impfstoff: Nach der von Russland bekanntgegebenen Zulassung eines Impfstoffes hat sich das Bundesgesundheitsministerium zurückhaltend geäußert. „Zur Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit des russischen Impfstoffs sind hier keine Daten bekannt“, sagte eine Sprecherin. „Die Zulassung eines Impfstoffs in Europa setzt neben dem Nachweis der pharmazeutischen Qualität hinreichende Erkenntnisse aus klinischen Prüfungen zum Beleg von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit voraus.“ Es müsse ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis des Stoffes nachgewiesen werden, bevor er in der Breite angewendet werden könne. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Dienstag die weltweit erste staatliche Zulassung eines Impfstoffs bekanntgegeben. Er wurde vom Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt. Erst wenige Menschen haben ihn im Rahmen einer Studie erhalten. Eine Zulassung vor Vorliegen der Ergebnisse großer klinischer Studien widerspricht dem international üblichen Vorgehen. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hat sich angesichts der Zulassung eines ersten Impfstoffes gegen das Virus skeptisch gezeigt. „Ich sehe die Zulassung sehr, sehr zurückhaltend. Es gibt bislang keine publizierten Daten zu dem Impfstoff – das ist schon mal eine ganz große Schwierigkeit“, sagte Schmidt-Chanasit.

Drei weitere Infektionen in Mittelbaden: Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen ist von Montag auf Dienstag in Mittelbaden um drei auf insgesamt 765 gestiegen. Die neuen Fälle kommen aus Forbach (2) und Gernsbach (1), bei ihnen handelt es sich um Reiserückkehrer. Somit stieg die Zahl der Infektionen im Landkreis Rastatt auf 573 an, während sie im Stadtkreis Baden-Baden konstant bei 192 liegt. Die Zahl der als genesen eingestuften Patienten beträgt unverändert 708. Weiterhin gibt es 36 Todesopfer zu beklagen. Derzeit gibt es in Mittelbaden 21 aktive Fälle, die sich auf Rastatt (16), Baden-Baden (2), Forbach (2) und Gernsbach (1) verteilen.

Testlabore haben noch Kapazitäten: Die Labore im Südwesten sind zu Beginn der Reisezeit nur zur Hälfte mit Corona-Tests ausgelastet. Zurzeit würden rund 78.000 Corona-Tests pro Woche durchgeführt, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Bei voller Auslastung könnten sie etwa 150.000 Tests pro Woche vornehmen. Es sei aber gut, dass so viele freie Kapazitäten zur Verfügung stünden. „Wir rechnen nicht damit, dass das so bleibt“, sagte die Sprecherin mit Blick auf Zehntausende Reiserückkehrer in den kommenden Wochen und auf die Lehrer im Land, die sich zum Ende der Ferien testen lassen können.

Lage in Deutschland: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 966 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Damit nähert sich die Zahl wieder der Marke von 1.000 Neuinfektionen. Der Wert hatte in der vergangenen Woche bereits am Donnerstag, Freitag und Samstag über der Schwelle von 1.000 gelegen - erstmals seit Anfang Mai wieder. Am Sonntag- und Montagmorgen liegen die Meldezahlen oft niedriger, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1.000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder. Experten sind besorgt, dass es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kommen könnte, der die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten an Grenzen bringt. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 217.293 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Dienstagmorgen im Internet meldete (Datenstand 11. August, 0 Uhr). Seit dem Vortag wurden vier neue Todesfälle gemeldet. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben nun bei 9.201. Bis Sonntagmorgen hatten 198.100 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 10. August, 0 Uhr, in Deutschland bei 1,09 (Vortag: 1,17). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen ansteckt.


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