Corona kompakt: Flötentöne von Walter Dorn im Impfzentrum in Frankfurt

Baden-Baden (BT/dpa) – Corona ist das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Das BT informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

Ein Elchesheim-Illinger im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle: Flötist Walter Dorn mit Mezzosopranistin Dzuna Kalnina. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

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Ein Elchesheim-Illinger im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle: Flötist Walter Dorn mit Mezzosopranistin Dzuna Kalnina. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

USA warnen vor Japan-Reisen: Zwei Monate vor den Olympischen Sommerspielen in Japan hat das US-Außenministerium angesichts der Ausbreitung des Coronavirus vor Reisen in das Land gewarnt. Die Warnstufe für Reisen wurde am Montag auf die höchste Stufe vier angehoben. Dies basiere auf der Einstufung des Infektionsgeschehens in Japan durch die US-Gesundheitsbehörde CDC, wonach es dort derzeit eine „sehr hohe“ Verbreitung des Virus gibt. Selbst vollständig geimpfte Reisende könnten sich in Japan infizieren und dadurch Varianten des Virus verbreiten, erklärte die Gesundheitsbehörde. „Reisende sollten jegliche Reisen nach Japan vermeiden“, hieß es.

Musik zur Impfung: Im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle hat am Pfingstmontag eine besondere Musikreihe begonnen. Zahlreiche Menschen saßen gerade vor den Impfkabinen und warteten auf ihren Piks, als aus der Ferne eine Arie zu hören war. Dzuna Kalnina stand im roten Kleid auf der Empore zwischen den leeren Sitzreihen und ließ im Mezzosopran „Die Fledermaus“ von Johann Strauss erklingen. Kalnina gehört zu elf Musikern der Kammeroper Frankfurt, die seit Pfingstmontag die Impfungen in der Frankfurter Festhalle musikalisch begleiten. Beteiligt war auch ein Musiker, der aus Elchesheim-Illingen stammt: Walter Dorn. „Die Musik wird auch die Zeit für die Impfenden verkürzen“, sagte der Flötist, der bei den Konzerten als Solist Bach und Händel spielen wird. Die Akustik der Festhalle sei hervorragend. Die Kammeroper habe sich entschieden, ohne elektrische Verstärkung zu spielen. „Die Musik würde sonst vom Impfen ablenken“, sagte Dorn. Seit November hätte das Ensemble keine Auftritte gehabt. „Ich freue mich, einfach nur wieder spielen zu können.“ An mehreren Terminen im Mai, Juni und Juli finden die Konzerte jeweils zwischen 15 und 18 Uhr statt. Da das Ensemble wegen der Abstandsregeln nicht gemeinsam auftreten kann, spielen die Musiker für 20 Minuten allein oder im Duo.

Herdenimmunität erreicht: Malta hat nach Angaben seines Gesundheitsministers als erstes EU-Land 70 Prozent seiner erwachsenen Bevölkerung mit wenigstens einer Dose gegen Covid-19 geimpft. „Wir haben heute die Herdenimmunität erreicht“, sagte Minister Chris Fearne am Montag bei einer Pressekonferenz. In dem Land mit etwa 500.000 Einwohnern wurden laut Daten des Gesundheitsministeriums Stand Sonntag bislang mehr als 475.000 Impfstoffdosen verabreicht. Fearne zufolge sind von den Menschen über 16 Jahren knapp 42 Prozent durchgeimpft.

Lage in Baden-Württemberg: Die Sieben-Tage-Inzidenz im Südwesten ist am Pfingstmontag auf 74,6 gesunken. Am Tag zuvor hatte die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche bei 80,2 gelegen. Wie das Landesgesundheitsamt weiter mitteilte, ist die Inzidenz nach wie vor im Zollernalbkreis am höchsten mit 163,2 (Vortag: 169,0). Am niedrigsten ist sie im Landkreis Emmendingen mit 24,0. Im Stadtkreis Baden-Baden liegt der Wert bei 56,2, im Landkreis Rastatt bei 78,2. Noch acht Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg liegen bei der Sieben-Tage-Inzidenz über der Marke von 100. Das sind drei weniger als am Sonntag. 36 der 44 Stadt- und Landkreise unterschreiten nach Angaben des Landesgesundheitsamts vom Montag damit den Wert von 100 erkannten Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen in einer Region.

Ausschreitungen in Heidelberg: Nach Randale und Ausschreitungen von Hunderten Feiernden in Heidelberg hat die Stadt ein Aufenthaltsverbot für die Neckarwiese erlassen und strenge Kontrollen angekündigt. Die Feiern von Hunderten Menschen waren am Pfingstwochenende in der Innenstadt teils ausgeartet, es war randaliert worden, Polizisten wurden mit Flaschen beworfen. Wegen der Ausschreitungen wird wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt, wie die Beamten mitteilten. Bereits am frühen Samstagabend hatten sich im Zentrum bis zu rund 400 und auf der Neckarwiese weitere bis zu 1.000 überwiegend junge Menschen zum Feiern versammelt. Gegen 23.30 Uhr sei die Stimmung gekippt, die Menschen seien zunehmend betrunken und aggressiv gewesen, hieß es. Polizisten schritten um kurz nach 1 Uhr wegen zu lauter Musik auf der Neckarwiese ein. Dutzende weigerten sich aber auch Stunden später noch zu gehen. Parkbänke, ein Verkaufsstand und ein Corona-Testzelt sowie acht Autos der Polizei wurden beschädigt, drei Beamte verletzt. Rund 300 Menschen hätten die Randalierer lautstark angefeuert. Eine Nacht später mussten die Beamten wieder eingreifen, weil erneut Hunderte Menschen zum Feiern zusammengekommen waren.

Hochzeitsfeier im Flugzeug: Ein indisches Paar hat Corona-Regeln umgangen und in einem gecharterten Flieger geheiratet. Ein Reisebüro habe den Flug gebucht und dabei angegeben, dass es sich um einen Trip nach einer Hochzeit handle, sagte am Montag ein Sprecher der Billigfluggesellschaft SpiceJet der Deutschen Presse-Agentur. Doch dann hätten die Gäste einfach während des Flugs eine Hochzeitszeremonie abgehalten. Der Sprecher sagte, dass seine Firma überlege, Schritte gegen die Hochzeitsgesellschaft zu unternehmen.

Präsenzunterricht für alle: In der Millionenmetropole New York soll es im kommenden Schuljahr nach den Corona-Einschränkungen der vergangenen Monate keinerlei Distanzunterricht geben. Ab September sollen alle Schüler aller Klassen wieder vor Ort unterrichtet werden, sagte Bürgermeister Bill de Blasio am Montag dem TV-Sender MSNBC. „Man kann keine komplette Genesung haben, ohne dass die Schulen wieder auf voller Stärke laufen – mit allen wieder in den Klassenzimmern und lernenden Kindern. Es ist an der Zeit. Es ist wirklich an der Zeit, wieder auf voller Stärke zu laufen.“

Nordirland lockert: Als letzter Landesteil des Vereinigten Königreichs hat auch Nordirland zahlreiche Corona-Regeln gelockert. Pubs, Restaurants und Cafés dürfen seit Montag wieder Gäste auch in geschlossenen Räumen empfangen. Hotels und Museen haben geöffnet. Bis zu sechs Menschen dürfen sich in Innenräumen treffen und bis zu 15 in privaten Gärten, an Veranstaltungen im Freien dürfen bis zu 500 Gäste teilnehmen. Anders als in den übrigen Landesteilen bleiben aber soziale Abstandsregeln in Kraft, Umarmungen und Begrüßungsküsse sind also weiterhin untersagt. Die Gesundheitspolitik ist im Vereinigten Königreich Sache der Regionalregierungen.

Zweifel an Impfung in Betrieben: Die baden-württembergischen Metallarbeitgeber stellen das geplante Impfen in den Betrieben angesichts des mangelnden Impfstoffs und der Termine von Beschäftigten bei Hausärzten in Frage. „Schon heute ist klar, dass weder die gewünschten Mengen noch die gewünschten Termine eingehalten werden“, sagte Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“. „Vor diesem Hintergrund ist eine verlässliche Betriebsplanung nicht möglich. Die Impfvorgänge nannte er „zerfleddert“. Pro Woche würden voraussichtlich im Juni viel weniger Beschäftigte geimpft werden können, als die Unternehmen geplant hätten.

Schnelltest per Atemanalyse: Die ungeliebten Corona-Schnelltests durch Abstriche in Nase oder Rachen könnten demnächst vielleicht der Vergangenheit angehören: In Singapur haben die Gesundheitsbehörden einen neuartigen Atemtest vorläufig zugelassen, der das Virus „akkurat innerhalb einer Minute“ nachweisen soll, wie die National University of Singapore (NUS) am Montag mitteilte. Der Test wurde von der Firma Breathonix entwickelt. Das von NUS-Absolventen gegründete Unternehmen arbeitet in der Probephase eng mit dem Gesundheitsministerium des südostasiatischen Stadtstaates zusammen. Das „BreFence Go Covid-19 Breath Test System“ soll den Angaben zufolge nun an der Grenze zwischen Malaysia und Singapur am so genannten Tuas Checkpoint bei Einreisenden verwendet werden.

Massenimpfzentren: Japan hat am Montag seine ersten Corona-Massenimpfzentren eröffnet, um die nur schleppend vorangehende Impfkampagne kurz vor den Olympischen Spielen zu beschleunigen. In den beiden vom Militär betriebenen Zentren in Tokio und Osaka sollen täglich tausende Menschen geimpft werden, zunächst ältere Einwohner, die besonders gefährdet aufgrund der derzeitigen vierten Virus-Welle sind. Das Zentrum in Tokio soll bis zu 10.000 Vakzindosen pro Tag verimpfen, in Osaka sollen es bis zu 5.000 Impfungen täglich sein.

Tote Pflegekräfte: Mindestens 115.000 Pflegekräfte sind nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion ums Leben gekommen. „Es gibt nur spärliche Berichte, aber wir schätzen, dass mindestens 115.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheits- und Pflegedienste mit dem Leben für ihren Dienst an anderen bezahlt haben“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag zum Auftakt der Jahrestagung der 194 WHO-Länder in Genf.

Positive am Geruch erkennen: Trainierte Hunde können einer britischen Studie zufolge Corona-Infizierte am Geruch erkennen. Sechs Hunde hätten Proben von Infizierten mit einer Genauigkeit von 82 bis 94 Prozent erschnüffelt, teilte die London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) am Montag mit. Das Ergebnis betätigt frühere Studien unter anderem aus Deutschland. Die britischen Forscher nutzten Socken von 400 Probanden. 200 der Menschen waren infiziert, hatten aber keine oder allenfalls leichte Symptome, 200 waren in der Kontrollgruppe. Die Hunde, die zur Wohltätigkeitsorganisation Medical Detection Dogs gehören, waren auf das ursprüngliche Coronavirus trainiert. Sie hätten aber bereits ohne zusätzliches Training auch die zunächst in Südostengland entdeckte Corona-Variante recht gut erschnüffelt, sagte Studienleiter James Logan.

Merkel warnt: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum Auftakt der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor neuen Pandemiegefahren gewarnt. Sie rief die Weltgemeinschaft auf, bessere Vorbereitungen zu treffen. „Diese Pandemie ist noch nicht bewältigt; und sie wird auch nicht die letzte sein“, sagte Merkel in einer Videobotschaft, die am Montag bei der virtuellen Tagung der 194 WHO-Mitgliedsländer eingespielt wurde. Die Bundeskanzlerin warb für einen internationalen Pandemievertrag, der Länder zu besserer Kooperation bringen soll.

Tui weitet Reiseangebot aus: Nach monatelangen Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie weitet der weltgrößte Reiseanbieter Tui sein Angebot wieder aus. „Nach und nach öffnen die Mittelmeerziele wieder für touristische Reisen“, sagte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak. „Die Aufhebung der Reisewarnung für die Kanaren ist ein wichtiger Schritt und auch unsere Hotels in Portugal und Italien gehen jetzt an den Start.“ Die Nachfrage steige. „Allein in der vergangenen Woche haben wir ein deutliches Buchungsplus im Vergleich zum Sommer 2019 verzeichnet“, so Andryszak. Derzeit gehörten die Kanarischen Inseln zusammen mit Mallorca zu den am stärksten gebuchten Urlaubsregionen. Corona-Schnelltests seien dort vielerorts möglich.

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Erstellt:
24. Mai 2021, 09:07 Uhr
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