Corona kompakt: Schwere Panne in Bayern

Baden-Baden (red/dpa) – Das Coronavirus ist seit Monaten das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Die BT-Onlineredaktion informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland hat den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht. Symbolfoto: Sven Hoppe/dpa

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Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland hat den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht. Symbolfoto: Sven Hoppe/dpa

Probleme in Bayern: Nach Bekanntwerden einer schweren Panne bei den Corona-Tests an bayerischen Autobahnen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen für Donnerstag und Freitag geplanten Besuch an der Nordsee abgesagt. Die bayerische Staatsregierung hatte zuvor eingestehen müssen, dass die Verzögerungen bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen in Bayern deutlich dramatischere Ausmaße haben als bisher bekannt: 44.000 Reiserückkehrer, die im Ausland im Urlaub waren, warten nach Tests an bayerischen Autobahnen noch auf ihre Ergebnisse, darunter auch 900 nachweislich positiv getestete. Das hatte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am späten Nachmittag einräumen müssen. Wie viele davon aus dem Freistaat und wie viele aus dem übrigen Bundesgebiet kommen, konnte sie zunächst nicht sagen. Die Infizierten sollten aber bis Donnerstagmittag ihr Ergebnis bekommen.

Kein Impfstoff im Herbst: Für Verwirrung sorgte ein Positionspapier des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur möglichen Verfügbarkeit eines Impfstoffs. Das Institut hatte das Papier auf seiner Internetseite veröffentlicht, darauf via Twitter hingewiesen und die Urheberschaft auf Nachfrage auch bestätigt. In dem Dokument war mit Datum 12. August zu lesen, vorläufige Prognosen ließen „die Verfügbarkeit eines Impfstoffs (ggf. mehrerer) bis Herbst 2020 möglich erscheinen“. Wenige Stunden später erklärte das RKI, bei dem Papier handele es sich um eine ältere Version, diese sei in der Zwischenzeit mehrfach überarbeitet und versehentlich online gestellt worden. Man gehe nicht von der Verfügbarkeit eines Impfstoffs bereits im Herbst aus.

Lage in Baden-Württemberg: Dem Landesgesundheitsamt wurden am Mittwoch 187 weitere Corona-Infektionen gemeldet. Damit stieg die Gesamtzahl auf 38.165. Davon sind geschätzt 35.152 wieder genesen. Die Zahl der Todesfälle liegt weiterhin bei 1.859. Vermutlich sind derzeit 1.154 Menschen infiziert. Der R-Wert liegt bei 0,99. Das bedeutet, dass jeder Infizierte durchschnittlich etwa einen weiteren Menschen ansteckt. In den vergangenen sieben Tagen wurden landesweit durchschnittlich 4,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert. Im Landkreis Rastatt liegt dieser Wert bei 7,3, im Stadtkreis Baden-Baden bei 3,6.

Warten auf Testergebnisse: Zehntausende Reiserückkehrer warten nach Corona-Tests in Bayern noch auf das Ergebnis, darunter auch 900 nachweislich positiv getestete. Etwa 44.000 Befunde seien noch nicht übermittelt worden, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch in München. Die positiv Getesteten sollten bis Donnerstagmittag ihre Ergebnisse bekommen. Der Zeitverzug ärgere sie „massiv“, sagte Huml, sie bedauere das sehr. Es gebe eine „Übermittlungsproblematik“, „da gibt es nichts schönzureden“. An den Stationen seien Menschen aus ganz Deutschland getestet worden. Angaben, wie lange die Menschen bereits warten, konnte Huml nicht machen.

Weitere Finanzspritze für Tui: Der weltgrößte Reisekonzern Tui soll zur Überbrückung des Geschäftseinbruchs in der Corona-Krise weitere staatliche Hilfen erhalten. Unter anderem werde dabei ein schon bestehender Kredit der Förderbank KfW um 1,05 Milliarden Euro aufgestockt, wie das Unternehmen in Hannover mitteilte. Tui hatte bereits ein erstes Hilfsdarlehen über 1,8 Milliarden Euro zugesprochen bekommen.

Polizei geht gegen Maskenmuffel vor: Um die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen durchzusetzen und Verweigerer zu bestrafen, werden von Donnerstag an auch Polizisten eingesetzt. Die Beamten sollten zunächst vor allem im Ostalbkreis, im Rems-Murr-Kreis und im Kreis Schwäbisch Hall kontrollieren, ob die Masken wie vorgeschrieben getragen werden, teilten das Innenministerium und das Polizeipräsidium Aalen am Mittwoch mit. Ohne Maske wird seit dem 1. Juli ein Bußgeld von bis zu 250 Euro fällig. Die Polizeibeamten sollen die Summe aber nicht gleich kassieren, sondern die Verweigerer nur anzeigen. Gezahlt werden muss dann später.

Zwei neue Fälle im Ortenaukreis: Im Ortenaukreis ist die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen von Dienstag auf Mittwoch um zwei auf insgesamt 1.253 gestiegen. Die neuen Fälle betreffen Achern und Kehl.

Eine neue Infektion in Rastatt: Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen ist in Mittelbaden von Dienstag auf Mittwoch um einen weiteren Fall in Rastatt auf insgesamt 766 gestiegen. Davon entfallen 574 Fälle auf den Landkreis Rastatt und weiterhin 192 auf den Stadtkreis Baden-Baden. Die Zahlen der als genesen eingestuften Patienten (708) sowie der Todesfälle (36) haben sich nicht verändert. Derzeit gibt es 22 aktive Fälle. Sie verteilen sich auf Rastatt (17), Forbach (3) sowie Baden-Baden (2). Gegenüber Dienstag wurde eine Zuordnung angepasst. Ein zunächst in Gernsbach registrierter Fall wird nun in Forbach geführt.

Industrie erholt sich: Die Industrieunternehmen in der Eurozone haben sich im Juni weiter von dem Einbruch in der Corona-Krise erholt. Die Industrieproduktion stieg um 9,1 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mitteilte. Im Mai war die Produktion um revidierte 12,3 Prozent (zunächst 12,4 Prozent) gestiegen. Im März und April war die Produktion wegen der Pandemie drastisch zurückgegangen. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat fiel die Produktion im Juni um 12,3 Prozent. Im Mai war sie noch um revidierte 20,4 Prozent (zunächst 20,9 Prozent) gefallen. Die stärksten Rückgänge im Jahresvergleich wurden in Portugal (-14,8 Prozent), Deutschland und Spanien (je -14,1 Prozent) und Italien (-13,7 Prozent) registriert.

Generelle Maskenpflicht in Brüssel: Wegen stark steigender Coronavirus-Infektionen muss in der belgischen Hauptstadt Brüssel ab sofort überall in der Öffentlichkeit ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die Regel gelte für alle Personen, die älter als zwölf Jahre sind, teilte der Ministerpräsident der Region Brüssel-Hauptstadt, Rudi Vervoort, am Mittwoch mit. Grund sei, dass die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen die Schwelle von 50 pro 100 000 Einwohner überschritten habe. Zuletzt lag der Wert bei 54,4.

Sorge vor Reisewarnung auf Mallorca: Angesichts steigender Zahlen geht auch auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln die Angst um, zu einem Risikogebiet erklärt zu werden. Wenn die Infektionszahlen so steigen wie bisher, könne dies bald der Fall sein, schrieb die deutschsprachige „Mallorca Zeitung“ am Mittwoch. Für die extrem vom Tourismus abhängigen Inseln wäre das ein weiterer schwerer Schlag. Zuvor hatte schon die Ende Juli angeordnete Quarantänepflicht in Großbritannien für Rückkehrer aus Spanien für einen Einbruch bei den Buchungen gesorgt. Erst am Dienstagabend hatte das Auswärtige Amt in Berlin die Reisewarnung für Teile Spaniens um Madrid und das spanische Baskenland wegen der „erneut hohen Infektionszahlen“ erweitert. Bereits seit Ende Juli gilt eine deutsche Warnung vor Reisen in drei andere spanische Regionen, darunter Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava. Das geschieht in der Regel, wenn die Zahl der Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt. Diesem Wert nähern sich die Balearen langsam an.

Anstieg der Infektionszahlen „besorgniserregend“: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht den Anstieg der Infektionszahlen als Alarmzeichen. „Das ist ohne Zweifel besorgniserregend“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch. „Hier sehen wir, dass durch Reiserückkehr, aber eben auch durch Partys aller Art, durch Familienfeiern an ganz vielen Stellen im Land wir eben in fast allen Regionen des Landes kleinere und größere Ausbrüche haben. Und das kann natürlich – wenn wir jetzt nicht alle miteinander aufpassen – eine Dynamik entfalten.“ Es gelte, „sehr, sehr wachsam“ zu sein, weil es nicht mehr nur lokale Ausbrüche seien. Das Gesundheitssystem könne die derzeitigen Infektionszahlen gut bewältigen, sagte Spahn. „Aber es ist besorgniserregend, wenn die Entwicklung bleibt.“ Denn: „Mit jeder Infektion wird es für die Gesundheitsämter schwieriger.“ Der Minister appellierte erneut an die Bürger, die Hygieneregeln einzuhalten, Masken zu tragen, Abstand zu halten und bei Veranstaltungen den Rahmen zu wahren. „Da wo dann auch Alkohol im Spiel ist, wo es tatsächlich aus der feierlichen Veranstaltung zur Party wird, da geht es dann eben auch sehr, sehr schnell.“

Lockdown führt zu Rezession in Großbritannien: Das Vereinigte Könoigreich ist wegen der Krise in eine Rezession gerutscht. Im zweiten Quartal schrumpfte die britische Wirtschaftsleistung um 20,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistikamt ONS am Mittwoch in London nach einer ersten Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Monate April bis Juni mitteilte. Bereits im ersten Quartal hatten sich in der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas Spuren der Krise gezeigt. In den Monaten Januar bis März war die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um 2,2 Prozent gesunken. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer „technischen Rezession“. Großbritannien zählte zu den Ländern in Europa, die von der Pandemie besonders stark getroffen wurden. Zuvor waren bereits von allen führenden Volkswirtschaften der Eurozone drastische Konjunktureinbrüche gemeldet worden.

Mozilla streicht rund ein Viertel der Jobs: Der Firefox-Entwickler Mozilla streicht als Folge der Krise etwa jeden vierten Arbeitsplatz und will sein Geschäft mit der beschleunigten Entwicklung neuer Dienste ausbauen. Rund 250 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, der Standort in Taiwan wird geschlossen, wie Mozilla-Chefin Mitchell Baker am Dienstag (Ortszeit) ankündigte. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie hätten den Umsatz erheblich gedrückt, räumte Baker ein. Eine zentrale Einnahmequelle von Mozilla ist ein Deal mit Google: Der Internet-Konzern bezahlt dafür, dass seine Suchmaschine im Firefox-Webbrowser voreingestellt wird. Google meldete für das vergangene Quartal einen Rückgang der Online-Werbeerlöse. Bei den neuen Diensten will sich Mozilla unter anderem auf Datenschutz-Angebote für Internet-Nutzer fokussieren, wie Baker ankündigte. Investitionen in Angebote für Software-Entwickler sollen dagegen zurückgefahren werden.

KSC-Profis verzichten für gesamte Saison auf Teile ihres Gehalts: Die Profis des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC werden auch weiterhin nicht ihre vollen Bezüge beanspruchen. „Die ganze Mannschaft verzichtet dankenswerterweise für die gesamte Saison erneut auf zehn Prozent ihres Gehalts. Bei unseren Spielern ist die Corona-Krise nun definitiv angekommen“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer. Der finanziell angeschlagene Verein plant in der neuen Saison mit rund vier Millionen Euro weniger Einnahmen. „Wir müssen daher ein wenig mehr auf den Geldbeutel schauen, weil uns die Zuschauer wegbrechen und wir auch weniger TV-Geld bekommen“, sagte der 54-Jährige. Letzteres habe die Deutsche Fußball Liga (DFL) dem Club vergangene Woche mitgeteilt. Rund drei Viertel der geplanten Mindereinnahmen beim KSC werden durch den Ausschluss der Zuschauer im Wildparkstadion verursacht. Eine weitere Million stammt aus Mindereinnahmen bei den TV-Geldern. Neben seinem Budget von rund 10 Millionen Euro will der KSC auch seine Kadergröße anpassen. Drei Torhüter, 18 Feldspieler und fünf Nachwuchsspieler sieht der Kaderplan laut Kreuzer im Moment vor.

Höchster Stand seit Mai – 1.226 Neuinfektionen: Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland hat den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 1.226 neue Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Höher lag der Wert zuletzt am 9. Mai mit 1.251 registrierten Neuinfektionen. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1.000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder. Als Ursache für den Anstieg hatte RKI-Präsident Lothar Wieler Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln genannt. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 218.519 Menschen in Deutschland nachweislich infiziert, wie das RKI am Mittwochmorgen im Internet meldete (Datenstand 12. August, 0 Uhr). Seit dem Vortag wurden sechs neue Todesfälle gemeldet. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben nun bei 9.207. Bis Sonntagmorgen hatten 198.800 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Die Reproduktionszahl lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 11. August, 0 Uhr, in Deutschland bei 0,97 (Vortag: 1,09). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Nach RKI-Schätzungen lag der 7-Tage-R-Wert mit Datenstand 11. August, 0 Uhr, bei 1,04 (Vortag: 1,05).


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