Corona kompakt: Spanien – außer Kanaren – nun Risikogebiet

Baden-Baden (red/dpa) – Das Coronavirus ist seit Monaten das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Die BT-Onlineredaktion informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

.Spanien ist – mit Ausnahmen der Kanarischen Inseln – zum Risikogebiet erklärt worden. Davon betroffen ist auch Mallorca. Foto: Clara Margais/dpa

© dpa

.Spanien ist – mit Ausnahmen der Kanarischen Inseln – zum Risikogebiet erklärt worden. Davon betroffen ist auch Mallorca. Foto: Clara Margais/dpa

Paris als aktive Corona-Zone eingestuft: Frankreichs Hauptstadt Paris gilt wegen der steigenden Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder als Zone, in der das Virus aktiv zirkuliert. Ein entsprechender Erlass wurde am Freitag veröffentlicht. Auch das Département Bouches-du-Rhône, in dem die Stadt Marseille liegt, ist von der neuen Einstufung betroffen. Das bedeutet, dass die regionalen Behörden dort das öffentliche Leben einschränken können - theoretisch etwa durch das Schließen von Restaurants oder Märkten oder die Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Paris weitete als Reaktion auf die Einstufung am Freitagabend die Maskenpflicht unter freiem Himmel aus. Sie galt bisher in einigen Straßen und etwa am Seine-Ufer. Nun ist die Maske ab Samstag in weiten Teilen des Stadtzentrums Pflicht. Außerdem werden Versammlungen von mehr als zehn Personen verboten, bei denen die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.

Tui sagt Pauschalreisen nach Spanien ab: Der Reisekonzern Tui wird nach der Reisewarnung für fast ganz Spanien die ab Samstag geplanten Pauschalreisen dorthin absagen. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, wie ein Tui-Sprecher am Freitagabend sagte. Weil man nicht von allen Kunden Kontaktdaten habe, nehme man außerdem Kontakt zu Reisebüros auf. Reisenden, die bereits in den betroffenen Feriengebieten sind, biete Tui an, sie auf Wunsch früher als geplant nach Hause zu fliegen.

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Spanien samt Mallorca: Fast ganz Spanien samt der Ferieninsel Mallorca gilt für deutsche Urlauber nun als Corona-Risikogebiet wegen hoher Infektionszahlen. Eine Ausnahme bilden die Kanaren. Das entschieden die beteiligten Bundesministerien für Gesundheit und Inneres sowie das Auswärtige Amt am Freitag. Noch am selben Abend gab das Außenministerium eine offizielle Reisewarnung heraus. Sie gilt für ganz Spanien lediglich mit Ausnahme der Kanarischen Inseln. Zuvor hatte bereits das bundeseigene Robert-Koch-Institut (RKI) seine Liste der Corona-Risikogebiete entsprechend aktualisiert. Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. Eine Reisewarnung geht weiter. Sie ist zwar kein Reiseverbot, aber eine abschreckende Wirkung ist beabsichtigt. Und sie hat eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren. Bisher gibt es für Spanien schon Reisewarnungen für die Hauptstadt Madrid, Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und die Strände der Costa Brava sowie für das spanische Baskenland und die Regionen Navarra und Aragón.

Zahl der Neuinfektionen steigt weiter leicht an: Die Zahl der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ist erneut leicht gestiegen. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bis Donnerstagabend 1449 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Höher lag der Wert zuletzt am 01. Mai mit 1639 registrierten Neuinfektionen. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 221 413 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Freitagmorgen im Internet meldete (Datenstand 14.8., 0.00 Uhr). Seit dem Vortag wurden 14 neue Todesfälle gemeldet. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben nun bei 9225. Bis Freitagmorgen hatten 200 200 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 14.8., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 1,08. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt.

Lage in Baden-Württemberg: Am Freitag wurden dem Landesgesundheitsamt weitere 152 Infektionen gemeldet. Deren Gesamtzahl stieg somit auf 38.425. Davon sind vermutlich 35.322 als genesen eingestuft. Die Zahl der Todesfälle liegt unverändert bei 1.859. Derzeit gibt es geschätzt 1.224 aktive Fälle. Der R-Wert liegt bei 1,18. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Durchschnitt etwas mehr als eine Person ansteckt. In den vergangenen sieben Tagen wurden landesweit 5,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert. Im Landkreis Rastatt liegt dieser Wert bei 3,0, im Stadtkreis Baden-Baden bei 0. Dabei kann es aufgrund zeitlicher Verschiebungen bei der Berücksichtigung von Meldungen zu statistischen Verzögerungen kommen.

Österreich gibt Reisewarnung für Kroatien heraus: Wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen in Kroatien warnt Österreich nun vor Reisen in das EU-Partnerland. Die Reisewarnung tritt am Montag offiziell in Kraft, wie das Außenministerium am Freitag in Wien mitteilte. Österreichische Urlauber, die sich in Kroatien befinden, wurden jetzt schon zur Heimreise aufgefordert. Kroatien hatte am Donnerstag 180 Neuansteckungen innerhalb von 24 Stunden registriert, den höchsten Tageswert seit Beginn der Pandemie.

Serbien schränkt Reisefreiheit ein: Serbien hat wegen der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in einigen Nachbarländern am Freitag die Reisefreiheit eingeschränkt. Wer aus Kroatien, Nordmazedonien, Bulgarien und Rumänien einreisen will, muss künftig mit einem Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, seine Gesundheit beweisen. Für Reisende aus Deutschland bedeutet die neue Regelung, dass sie weiterhin ohne Einschränkungen nach Serbien fliegen oder mit dem Auto über Ungarn fahren können. Für die Einreise mit dem Auto über Kroatien ist nun jedoch ein Test erforderlich. Serbien selbst gilt in der EU als Risikoland. Deutsche oder in Deutschland ansässige Personen, die aus Serbien nach Deutschland zurückkehren, müssen in Quarantäne.

Spanien verschärft Beschränkungen: Angesichts steigender Corona-Zahlen ergreift Spanien wieder drastische Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Das Nachtleben werde landesweit unterbunden, das Rauchen im öffentlichen Raum verboten, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, und Alkohol dürfe nicht mehr im Freien getrunken werden, sagte Gesundheitsminister Salvador Illa am Freitag nach einer Krisensitzung mit den Vertretern der Regionen in Madrid. Von Mittwoch auf Donnerstag waren binnen 24 Stunden landesweit fast 3.000 neue Corona-Infektionen registriert worden, so viele wie zuletzt im April.

Masken und Visiere obligatorisch: Die Philippinen machen am Arbeitsplatz und in öffentlichen Verkehrsmitteln neben Masken auch Plastikvisiere verpflichtend. Die neue Regel zur Eindämmung des Coronavirus tritt ab Samstag in Kraft, teilte die Regierung am Freitag mit. Der zusätzliche Gesichtsschutz dürfe nur entfernt werden, wenn die Arbeit dies unbedingt erfordere oder wenn die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter dies nötig mache. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt die Maßnahme sowohl für Passagiere als auch für den Fahrer.

Hohe Dunkelziffer in Kupferzell: Bei einer Antikörperstudie zum Corona-Hotspot im baden-württembergischen Kupferzell hat das Robert Koch-Institut (RKI) eine hohe Dunkelziffer nicht über Tests erfasster Infektionen ermittelt. Danach gab es in der 6000-Einwohner-Gemeinde im Hohenlohekreis fast vier Mal (3,9) so viele Infizierte wie bisher bekannt waren, erklärten Forscher des RKI am Freitag in Kupferzell. Bei 7,7 Prozent der 2203 getesteten Erwachsenen seien Antikörper gegen das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Selbst ein solcher im Bundesvergleich relativ hoher Wert reiche aber nicht aus, um eine befürchtete „zweite Welle“ zu verhindern, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade.

Vier neue Infektionen in Mittelbaden: In Mittelbaden ist die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen von Donnerstag auf Freitag um vier auf 770 gestiegen. Davon entfallen 577 Fälle auf den Landkreis Rastatt und 193 auf den Stadtkreis Baden-Baden. Die Neuinfektionen verteilen sich auf Baden-Baden, Gaggenau, Bühl und Rastatt (je 1 Fall). Gleichzeitig stieg die Zahl der als genesen eingestuften Patienten ebenfalls um vier auf 712. Die Abgänge verteilen sich auf Baden-Baden und Rastatt (jeweils zwei). Somit gibt es nach wie vor 22 aktive Fälle – und zwar in Rastatt (16), Forbach (3), Baden-Baden, Gaggenau und Bühl (je 1).

Keine Entscheidung über Triage: Das Bundesverfassungsgericht zwingt den Gesetzgeber vorerst nicht, verbindlich zu regeln, wen Ärzte in der Corona-Pandemie bei Engpässen retten sollen und wen nicht. Einen Eilantrag mehrerer Kläger mit Behinderungen und Vorerkrankungen wegen der sogenannten Triage wiesen die Richter ab, wie das Gericht in Karlsruhe am Freitag mitteilte. (Az. 1 BvR 1541/20) Es geht dabei um das Szenario, dass so viele Menschen schwer krank sind, dass es nicht für alle Platz auf der Intensivstation gibt. Gesetzliche Vorgaben dafür gibt es bislang nicht. Mehrere medizinische Fachgesellschaften haben gemeinsam Empfehlungen erarbeitet, die sich an den Erfolgsaussichten orientieren. Die Kläger befürchten, bei diesem Kriterium auf der Strecke zu bleiben. Die Verfassungsbeschwerde werfe schwierige Fragen auf, die nicht auf die Schnelle beantwortet werden könnten, hieß es zur Begründung. Die Verbreitung der Krankheit und die Auslastung der Intensivstationen lasse es derzeit auch nicht wahrscheinlich erscheinen, dass so eine Situation in Deutschland eintrete. Der Beschluss stammt von Mitte Juli, seither ist die Zahl der Infizierten wieder gestiegen.

Quarantänepflicht kommt zurück: Paris will auf die britische Quarantänepflicht für Reisende aus Frankreich reagieren und eine gleichwertige Maßnahme für Reisende aus Großbritannien einführen. Reisende aus Frankreich und den Niederlanden müssen nach ihrer Ankunft in Großbritannien von diesem Samstag an wieder in eine zweiwöchige Selbstisolation gehen. Das hatte der britische Verkehrsminister Grant Shapps am Donnerstagabend mitgeteilt.

Curevac geht an die Börse: Das Tübinger Biotechunternehmen Curevac startet an der Börse in New York, um Geld für die Entwicklung seines Corona-Impfstoffs einzusammeln. Aus dem Erlös werden dafür rund 150 Millionen Dollar (knapp 130 Millionen Euro) veranschlagt. Mit weiteren 50 Millionen Dollar wird laut Börsenprospekt die kurzfristige Produktionskapazität ausgebaut. Der Hauptinvestor von Curevac, SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, wird nach dem Börsengang die Kontrolle behalten. Der Börsengang von Curevac an der Technologiebörse Nasdaq soll rund 245 Millionen Dollar einbringen. Hopp will zusätzlich Aktien für 100 Millionen Dollar kaufen. Nach der Aktienplatzierung soll Hopps Firma Dievini, die bisher Mehrheitseigentümer war, knapp 50 Prozent der Anteile halten. Die stattliche Förderbank KfW kommt dann noch auf knapp 17 Prozent und der Pharmakonzern GlaxoSmithKline auf gut 8 Prozent.

Testspiel fällt aus: Der VfB Stuttgart muss auf den für Freitagabend geplanten Test gegen Olympique Marseille wegen eines Corona-Verdachtfalls beim französischen Erstligisten verzichten. Marseille teilte die Entscheidung zur Absage am späten Donnerstagabend mit.

Zum Artikel

Erstellt:
14. August 2020, 07:35 Uhr
Aktualisiert:
14. August 2020, 21:22 Uhr
Lesedauer:
ca. 6min 00sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.