Der „Maradona des Skispringens“ ist tot

Helsinki (sid) – Finnland trauert um Matti Nykänen (Foto: dpa) . Der viermalige Skisprung-Olympiasieger starb im Alter von 55 Jahren. Die Todesursache ist noch unbekannt, Nykänen soll seit längerer Zeit krank gewesen sein. Nach seinem Karriereende hatte er große Alkoholprobleme.

Die drei Olympia-Goldmedaillen von 1988 haben Matti Nykänen im späteren Leben kein Glück gebracht. dpa

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Die drei Olympia-Goldmedaillen von 1988 haben Matti Nykänen im späteren Leben kein Glück gebracht. dpa

Matti Nykänen steht auf einer kleinen Bühne in Helsinki, Schweiß auf der Stirn, er grölt seinen größten Hit ins Mikrofon. „Lennä Nykäsen Matti“ singt der wohl beste Skispringer der Geschichte am Freitag in der Bar Ravintola Pallogrilli, „flieg, Matti, flieg“. Das Publikum, mit Biergläsern in der Hand, brüllt die nächste Zeile mit: „Flieg, und komm lebend zurück.“ Keine drei Tage nach seinem letzten Auftritt ist der große Finne tot.

Nykänen, der „Maradona des Skispringens“, verstarb nach einem turbulenten Leben mit nur 55 Jahren. „Das ist schockierend, eine schlimme Nachricht“, sagte sein langjähriger Konkurrent Jens Weißflog. Nykänen und Weißflog hatten über Jahre das Skispringen bestimmt, bei Olympia 1984 in Sarajevo „haben wir uns die Medaillen geteilt“, so Weißflog. Vier Jahre später in Calgary holte der Finne bei drei Starts sogar dreimal Gold.

International dürfte Nykänen daher bis heute einen größeren Namen haben als Weißflog. „Matti war für das Skispringen, was Lionel Messi und Diego Maradona für den Fußball sind“, sagte Sportdirektor Clas Brede Brathen vom finnischen Skisprungverband: „Er war der Held, ein Idol für Generationen. Jeder wollte so springen wie Matti.“ Nykänens Karriere liest sich zunächst wie ein Skisprung-Märchen. Mit 18 gewann er die WM, mit 19 die Vierschanzentournee, mit 20 Olympia-Gold in Sarajevo.

Doch später folgte der tiefe Absturz des Überfliegers. Der Alkohol, die Frauen, das Herz. Die Hölle sei nicht so schlimm „wie mein Leben jahrelang war“, sagte der gefallene Held 2012 in einem Welt-Interview: „Die Hölle muss ein besserer Ort sein.“

„Nykänen hatte diese Genialität leider nur auf der Schanze, im Leben war er etwas verloren“, sagte Bundestrainer Werner Schuster einmal. Da hatte der Finne gerade seinen Uralt-Rekord von 46 Weltcup-Siegen an Gregor Schlierenzauer verloren. Nykänen reiste daraufhin zum Springen nach Kuopio, um dem Österreicher persönlich zu gratulieren: „Gregor, du bist jetzt ein ganz großer Skispringer. Für mich der größte aller Zeiten.“ Das war höflich, aber nicht unbedingt richtig. Vier Olympiasiege wie Nykänen hat Schlierenzauer nicht zu bieten. Vier Triumphe im Gesamtweltcup auch nicht. „Matti war zu seiner Zeit einzigartig“, sagt auch Weißflog: „Uns verband eine gesunde Rivalität. Nykänen war für mich eine Art Vorbild.“

Doch all die Titel, all die Medaillen, sie halfen Nykänen im richtigen Leben nicht weiter. In seinem Wikipedia-Eintrag finden sich heute mehr Zeilen über die Zeit nach der Karriere als über die Jahre als Sportler. Die meisten handeln von Skandalen. Von seinen Scheidungen. Von einer Vorstrafe wegen Körperverletzung, weil er seine fünfte Ehefrau mit einem Messer attackierte. Von seiner Zeit als Sänger und als Darsteller in Erotikvideos. Von einem Herzinfarkt 2004. Und immer wieder von Alkohol. „Wenn du trinkst, lebst du wie in einer Blase, siehst keinen Sinn“, sagte Nykänen und versuchte sich an einer Erklärung: „Ich stand viele Jahre im Mittelpunkt, alle haben sich um mich gerissen. Ich hatte es satt, es war zu viel. Ich war sehr jung, als ich erfolgreich geworden bin, die Medien waren die ganze Zeit um mich herum – ich hätte Hilfe gebraucht. Das war der Anfang. Ich habe später getrunken, weil ich nichts anderes zu tun hatte, weil ich vergessen wollte.“ Am Wochenende macht der Weltcup in Lahti Station. Matti Nykänen wird an der Heimschanze irgendwie präsent sein.(dpa)

Der „Maradona des Skispringens“ ist tot

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Matti Nykänen 2017.

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Matti Nykänen 2017.

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Erstellt:
5. Februar 2019, 00:00 Uhr
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