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„Die Bilder der Brüder“: Museum Frieder Burda öffnet wieder

Baden-Baden (cl) – Mit der Ausstellung „Die Bilder der Brüder. Eine Sammlungsgeschichte der Familie Burda“ öffnet das Museum Frieder Burda nach der Corona-Schließung nun wieder. Gezeigt werden bis zum 4. Oktober expressionistische Meisterwerke, die die Brüder Frieder, Hubert und Franz Burda im Lauf der Zeit zusammentrugen, darunter Gemälde von Kirchner, Schmidt-Rottluff, Münter und Beckmann. US-Künstler Carl Ostendarp hat sie in farbige Wandmalereien gebettet.

Nur mit Schutzmaske zur Kunst: Das Museum Frieder Burda öffnet wieder mit ausdrucksstarker Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Zu sehen ist auch das Gemälde „Nordsee III“ (1937) von Max Beckmann.  Foto: Deck/dpa

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Nur mit Schutzmaske zur Kunst: Das Museum Frieder Burda öffnet wieder mit ausdrucksstarker Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Zu sehen ist auch das Gemälde „Nordsee III“ (1937) von Max Beckmann. Foto: Deck/dpa

Von Christiane Lenhardt

Mit einem Bekenntnis zur ausdrucksstarken Farbe und der neuen Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ öffnet das Museum Frieder Burda heute wieder fürs Publikum. Wie andere Museen auch war das Baden-Badener Privatmuseum wegen der Corona-Pandemie gut zwei Monate geschlossen – die ursprünglich für Anfang April geplante Eröffnung der Schau zur Sammlungsgeschichte der Familie Burda musste verschoben werden.
Maskiert und mit gebotenem Abstand können die Besucher nun bis 4. Oktober Meisterwerke des deutschen Expressionismus aus den Kunstsammlungen von Frieder, Hubert und Franz Burda betrachten. Der Rundgang ist mit Pfeilen auf dem Boden vorgegeben. Der vor bald einem Jahr verstorbene Museumsgründer Frieder Burda hatte die Schau noch zu seinen Lebzeiten mitgeplant. Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Emil Nolde und Gabriele Münter bilden den Kern der Sammlungsschau der Burda-Familie, hinzu kommen frühe Werke von Max Beckmann, seine Baden-Baden-Bilder sowie ein Spätwerk Karl Hofers, das den ganz persönlichen, expressiven Stil des Karlsruher Künstlers in einem fast schon klassischen „Frauenporträt“ von 1944 zeigt.
Die deutsche Avantgarde hatte im noch jungen 20. Jahrhundert die Farbe vom Gegenstand befreit – und mit der intensiven, kontrastreichen und vehement eingesetzten Kolorierung der Aufgewühltheit der frühen Moderne Ausdruck verliehen. Es war eine Epoche des großen Kampfes um die Kunsterneuerung, in der die Dresdner Brücke-Künstler und die Künstler des Blauen Reiters in Bayern eine neue Generation der Schaffenden und Genießenden – kämpferisch, die einen, antibürgerlich beschwingt die anderen – beschworen.

Farbwogen von Carl Ostendarp auf den Wänden


Die Bilder der Brüder“ ist auch ein stückweit Zeit- und Familiengeschichte. Schon die Eltern, das Offenburger Verlegerpaar Aenne und Franz Burda, in der Nachkriegszeit erfolgreicher Gründer der Zeitschrift „Bunte“ im damals neuen Vier-Farb-Druck, hatten bereits wie es sich in gutbürgerlichen Kreisen gehörte, Kunst gesammelt. Gekauft wurden kleinere und mittlere Formate – die man zu Hause aufhängen konnte, denn mit den Bildern im Haus haben die Burdas gelebt. Ihre Leidenschaft für farbenfrohe Kunst wurde an die drei Söhne weitergegeben. Die Sammlung von Bruder Franz Burda, der Anfang 2017 gestorben war, wird seither vom Museum Frieder Burda mitbetreut. Auch der letzte, noch lebende Sohn, der 80-jährige Münchner Verleger Hubert Burda, hat seine Expressionisten für die Schau ausgeliehen.
Andy Warhols bereits häufig in Baden-Baden gezeigtes Gruppenporträt „The Three Gentlemen“, ein rot-grüner Siebdruck der drei Brüder von 1982, markiert den Auftakt der Schau. Welche Bilder aus welcher Sammlung stammen, ist nicht kenntlich gemacht. Das Kuratorenteam Udo Kittelmann und Patricia Kamp hat die Auswahl chronologisch gehängt – auf Augenhöhe, teilweise sogar noch tiefer. „Für die Kleinen“, erklärt der Berliner Museumschef Kittelmann. Als zusätzlicher Augenreiz werden die Bilder auf poppig bunten Wänden präsentiert – und wirken, als solle die Comic-Kultur die Schönheit der ruhig und beseelt wirkenden Avantgarde-Landschaften von Schmidt-Rottluff, Münter bis Heckel fürs junge Publikum zeitgemäß pushen.
So reiten die Expressionisten auf sanften Farbwogen des US-Künstlers Carl Ostendarp, mit denen er die sonst weißen Wände des Richard-Meier-Baus zweifarbig in Wellen von Türkis bis Taubenblau im Erdgeschoss und von Flieder ins Apricot im oberen Saal bemalte. So fasst eine wogende Pop-Landschaft die gut 100 Jahre alten Dorf- wie Stadtkulissen, Küsten- und Berglandschaften: Und sie segeln in diesem Farbenmeer zuweilen optisch leicht schräg anmutend dahin.
Homepage des Museums Frieder Burda

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Erstellt:
12. Mai 2020, 08:07 Uhr
Lesedauer:
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