EU-Behördenchefin: Gefahr ist nicht vorbei

Baden-Baden/Stockholm (kli) – Die Direktorin der EU-Gesundheitsschutzbehörde, die deutsche Medizinerin Andrea Ammon, warnt im BT in der Corona-Krise vor einer zu schnellen Rückkehr in den Alltag.

Mahnt schrittweise Lockerungen an, um deren Auswirkungen bewerten zu können: Andrea Ammon, Direktorin der EU-Gesundheitsschutzbehörde. Foto: Annette Reuther/dpa

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Mahnt schrittweise Lockerungen an, um deren Auswirkungen bewerten zu können: Andrea Ammon, Direktorin der EU-Gesundheitsschutzbehörde. Foto: Annette Reuther/dpa

Mit Blick auf die Lockerung der Corona-Auflagen überall in der EU sagte Ammon dem Badischen Tagblatt: „Als ganz wichtig sehe ich, dass die Bevölkerung klar informiert werden muss, dass damit die Gefahr nicht vorbei ist. Es ist essenziell, dass auch weiterhin Abstand gehalten wird und eine gründliche Händehygiene beibehalten wird.“ Lockerungen könne es aus ihrer Sicht nur geben, wenn „ausreichend Kapazität für die zeitnahe Testung von erkrankten Personen und die Ermittlung von Kontaktpersonen vorhanden sind“, so Ammon. Darüber hinaus mahnte Ammon, die Maßnahmen sollten „nach und nach gelockert werden“, damit dazwischen genügend Zeit bleibe, um die Auswirkung der Lockerung beobachten und eventuell Gegenmaßnahmen treffen zu können.

Kritik zurückgewiesen

Zugleich wies Ammon Kritik an der Arbeit ihrer Behörde zurück. Zuletzt wurde die Kritik laut, die Behörde habe zu spät und zu wenig intensiv vor den Gefahren der Pandemie in Europa gewarnt. „Man kann nicht mit dem Wissen von heute die Entscheidungen im Januar rückwirkend bewerten“, sagte Ammon dazu. Man habe bereits Ende Januar darauf hingewiesen, dass die mögliche Auswirkung von Covid-19 Ausbrüchen weitreichend sein können. Zu diesem Zeitpunkt habe es EU-weit nur 17 Fälle gegeben. „Wir haben zu diesem Zeitpunkt das Risiko, dass weitere Mensch-zu-Mensch-Übertragungen erfolgen, als gering bewertet, falls Fälle frühzeitig entdeckt werden und rigorose Infektionsschutzmaßnahmen, besonders im medizinischen Bereich, getroffen werden“, so Ammon.

Das komplette Interview erscheint in der Samstagsausgabe sowie (ab 4 Uhr) im E-Paper.

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Erstellt:
12. Juni 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 45sec

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