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Eleganz und viel Elan

Baden-Baden (red) – Mit spürbarer Vertrautheit haben Cellist Gautier Capuçon und Pianistin Yuja Wang die César-Franck-Sonate und weitere Virtuosenstücke im Festspielhaus Baden-Baden interpretiert. Mit Chopins g-Moll-Sonate führten die beiden in eine andere Welt (Foto: Sharkey).

Eleganz und viel Elan

© pr

Von Karl Georg Berg

Welches Stück wurde im Festspielhaus Baden-Baden am häufigsten aufgeführt? Vor ein paar Jahren war die Antwort: keine Beethoven- oder Bruckner-Sinfonie, sondern die Violinsonate A-Dur von César Franck. Auch wenn das vielleicht nicht mehr hundertprozentig stimmen sollte, ein sehr beliebtes Werk bei Publikum und Interpreten ist diese Sonate auf alle Fälle. Und das nicht nur bei Geigern, wie die vielen Bearbeitungen für andere Instrumente belegen. Es gibt ja auch die für Violoncello und Klavier von Jules Delsart, die noch zu Lebzeiten von Franck entstand. Diese haben Cellist Gautier Capuçon zusammen mit der Pianistin Yuja Wang bei der jüngsten Aufführung des Stücks im Festspielhaus gespielt.

Die beiden prominenten Virtuosen haben Ende des vergangenen Jahres eine gemeinsame CD beim Label Erato vorgelegt, mit deren Programm, zu dem auch Introduction et Polonaise brillante C-Dur op. 3 sowie die g-Moll-Sonate op. 65 von Frederic Chopin gehört, sie zurzeit auf großer Tournee sind. Eines dieser Stücke war nun im Konzert zu hören, das den Gästen zu sonntagnachmittäglicher Stunde Kammermusik auf höchstem Niveau bescherte. Auch die Reihenfolge des Programms und die Zugabe mit „Le Grand Tango“ von Astor Piazzola (in Baden-Baden optisch in stimmungsvolles Rotlicht gehüllt) war mit dem CD-Programm identisch.

Es war jedoch nicht einfach nur ein werbewirksames Release-Konzert, wie das neudeutsch heißt, was die Beiden boten, sondern vor dem Hintergrund einer spürbaren Vertrautheit mit den Stücken ein sehr differenziertes und eminent präsentes musikalisches Miteinander zwischen Cellist und Pianistin. Da war keine oberflächliche Eitelkeit zu spüren: Es ging dem Duo um die möglichst authentische Vergegenwärtigung der Musik. Je nach musikalischer Situation waren die Prioritäten verteilt – und trotz des großen Raums hatte der Vortrag die nötige kammermusikalische Intimität.

César-Franck-Sonate
empfindsam angelegt

Zart und intim, ganz sachte fragend begann denn auch die César-Franck-Sonate, die auch auf dem Cello vorzüglich klingt. Erst recht, wenn es mit so viel Ebenmaß in der Entfaltung der Melodielinien und so weichem, aber immer sehr tragfähigen Ton gespielt wird, wie von Gautier Capuçon. Der französische Musiker entfaltete nicht zuletzt die gesanglichen Qualitäten des Werks aufs Schönste.

Ebenso empfindsam wie leichtfüßig und perlend spielte die chinesische Pianistin Yuja Wang, die ihre virtuosen Qualitäten ganz in den Dienst eines ausgewogenen kammermusikalischen Spiels stellte. Überhaupt war der Ausgleich von feiner Emotionalität und Formsinn einer der großen Vorzüge dieser Interpretation. Diese hatte besonders im großen zweiten Satz auch ihre dramatischen Züge. Es war eine Wiedergabe wie aus einem Guss, schließlich sind die Sätze die Sonate ja auch thematisch eng miteinander verknüpft.

Eleganz und viel Elan, dazu natürlich virtuoses Feuer hatte das Spiel der Beiden bei Introduction et Polonaise brillante von Chopin. Nach der Pause führte dann die g-Moll-Sonate von Chopin in eine andere Welt. Das Werk belegt, dass der Komponist auch zu großen zyklischen Formen fähig war. Gautier Capuçon und Yuja Wang vermieden auch hier den äußeren Effekt. Sie spielten mit großer Intensität, abermals das richtige Maß an Leidenschaft findend, ohne die innere Logik des Werks zu gefährden. Klar, dass hier nun der pianistische Anteil etwa größer war als bei Franck, aber es war immer in hohem Maß ein Duett gleichberechtigter Partner und erstklassiger Interpreten.

Das Publikum war begeistert – und erhielt die von der CD her zu erwartende Zugabe aus Südamerika. Obwohl aus einer anderen Zeit und Region stammend, passte im Charakter und dem packenden Zugriff beim Spiel dieser große Tango sehr gut zu Franck und Chopin.

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Erstellt:
21. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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