Es darf wieder bunt zugehen

Karlsruhe (ist) – Zwölf Karlsruher Galerien laden am Samstag zum Rundgang mit neuen Ausstellungen. Dies ist auch eine Möglichkeit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Kunst zum Staunen: Grafiken, Skulpturen und Gemälde etwa von A.R. Penck (links), Stephan Balkenhol („Torso“, Mitte), Horst Antes (rechts) gehören zur beeindruckenden Ausstellung mit Werken namhafter Künstler in der Galerie Zlotos. Foto: Uli Deck/Artis

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Kunst zum Staunen: Grafiken, Skulpturen und Gemälde etwa von A.R. Penck (links), Stephan Balkenhol („Torso“, Mitte), Horst Antes (rechts) gehören zur beeindruckenden Ausstellung mit Werken namhafter Künstler in der Galerie Zlotos. Foto: Uli Deck/Artis

Von BNN-Redakteurin Isabel Steppeler

Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein: „Für uns hat sich nichts geändert. Nur die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen, ist neu.“ Entspannte Aussagen wie diese der Galeristin Rita Burster sind momentan selten zu hören. Vor allem nicht aus dem Munde von Veranstaltern in den Tagen vor einem Kulturereignis. Vieles muss ja kurzfristig abgesagt werden. Und natürlich hat die Pandemie auch das Geschäft der Galerien verändert. Von Schließungen oder Absagen aber waren sie 2021 weitgehend verschont geblieben. Also kann sich Burster stellvertretend für den Galerienverband Karlsruhe mit gutem Gefühl auf einen Samstag im Zeichen der Kunst freuen.

Wie schon im September 2021 ist es auch am 15. Januar wieder soweit: Karlsruher Galerien laden zum Galerientag und zeigen in größtenteils brandneuen Ausstellungen eine vielfältige Auswahl regionaler und internationaler Künstlerinnen und Künstler. Malerei, Skulptur, Zeichnung, Installation, Video, Fotografie, junge und etablierte, zeitgenössische und klassische Positionen, Einzel- und Gruppenausstellungen, die künstlerische Vielfalt ist groß bei den Karlsruher Galerien. Neben der Entdeckung neuer Positionen lädt der Galerientag Karlsruhe ein, mit den anwesenden Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Umschreibungen der Realität

Waren zuletzt elf Galerien an Bord des Ereignisses, das zum Rundgang durch Karlsruhe lädt, so ist nun eine zwölfte hinzugekommen: die Galerie „gray&gray“, die ihren Hauptsitz an der Kriegsstraße 134 zwar erst im Frühjahr 2022 eröffnen kann, schon jetzt aber Kunst in ihrem Schauraum in der Welfenstraße 6 präsentiert. Ihre Gründer Jeremiah Quarshie, Clemens Köhler und Kasimir Vollmer richten dort unter dem Titel „X 307-2“ den Blick auf junge Kunst mit der Gemeinschaftsausstellung von Ute Essig und Henrik U. Müller. Beide arbeiten materialbetont und reflektieren poetisch und künstlerisch Umschreibungen der Realität. Essig arbeitet hauptsächlich mit Papier, Fäden und Porzellan. Die Werke von Müller sind Blattgold unterlegte Kompositionen mit Papier und bedruckten Inkjetfolien.

Clemens Köhler ist als Galerist in Karlsruhe kein Unbekannter. Er hat bereits im „Geschwisterraum“ und im Projektraum der Galerie Martin Mertens präsentiert. Wenn im März oder April dann der Hauptsitz von „gray&gray“ eröffnet, soll dort in Zusammenarbeit mit dem Kurator Jeremiah Quarshie aus Ghana ein Schwerpunkt auf afrikanischer Kunst liegen.

Bekannte Künstler wiederum sind in einer wahrhaft musealen Präsentation bei Zlotos Fine Art in Rüppurr zu bestaunen. Die aktuelle Ausstellung „Kunstkabinett“ schlägt dort den Bogen zu den Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance und des Barock – und zwar mit Klassikern der Nachkriegszeit und Werken etwa von Stefan Balkenhol oder Horst Antes.

Leuchtende Pracht: Gemälde wie „Forsythia (#2152)“ von Wilhelm Neusser zeigen Knecht und Burster. Foto: Wilhelm Neusser/Knecht&Burster

Leuchtende Pracht: Gemälde wie „Forsythia (#2152)“ von Wilhelm Neusser zeigen Knecht und Burster. Foto: Wilhelm Neusser/Knecht&Burster

Mit der Materialität beschäftigt sich die Ausstellung „Material in tension. sanft und widerstandsfähig“ bei Yvonne Hohner Contemporary in der Südstadt mit Werken der Bildhauer Jessica Kallage-Goetze und Rainer Jacob, die mit ephemeren Stoffen arbeiten. Michael Oess hat für die Neue Kunst Gallery den Fokus auf die konzeptuell arbeitende Objektkünstlerin Anja Luithle gerichtet. Die Galerie Clemens Thimme widmet sich mit dem Titel „La vie en rose“ der französischen Malerin Bénédicte Peyrat. Der metaphorischen Grauzone, dem Übergang von Weiß zu Schwarz, gibt die Galerie Knecht und Burster einen Raum mit der neuen Ausstellung „in flux“. Sie zeigt neueste Bilder des Malers Wilhelm Neusser, der sich aktuell diesem unscharfen Verlauf in vibrierenden Farben widmet.

Das faszinierende Werk der Kunstinstallateurin Eva Koťátková ist bei Meyer Riegger. Dem Baden-Badener Bildhauer Karl Manfred Rennertz widmet die Galerie Rottloff zum 70. Geburtstag eine Schau. Bei Schrade am Zirkel gibt es eine Accrochage aus Werken etwa von Clapeko, Christopher Lehmpfuhl, Antonio Marra, Lothar Quinte, HA Schult oder Susanne Zuehlke. Mit Werken von Hyung-Jin Park widmet sich die Galerie artpark der Dreidimensionalität, während die Galerie Spektrum einen Blick auf ihr 40-jähriges Bestehen wirft.

Und Rita Burster? Die Organisatorin des Galerientages lädt selbst in die Baumeisterstraße zur nunmehr zweiten Einzelausstellung von Gary Schlingheider. Seine Grenzüberschreitungen von Malerei und Skulptur lassen unter dem Titel „Pretty in pink“ neue Symbiosen von kraftvollen Farben und geometrischen, reduzierten Körpern erleben.

Galerientag Karlsruhe am Samstag, 15. Januar, von 15 bis 20 Uhr. Es gelten die aktuellen 2G-Corona-Regelungen. www.galerientage-karlsruhe.de

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Erstellt:
15. Januar 2022, 06:30 Uhr
Lesedauer:
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