Fernsehtipp: „Die Getriebenen“ mit der Kanzlerin auf 3sat

Baden-Baden (cl) – Eine epochale Krise aus Perspektive der Macht zeigt der Politkrimi „Die Getriebenen“ über die Kanzlerin und die Flüchtlingswelle. Er läuft im Wettbewerb des Fernsehfilm-Festivals.

Wird der Kanzlerin immer ähnlicher: Imogen Kogge (Mitte) als Angela Merkel im WDR-Film „Die Getriebenen“. Am heutigen Dienstagabend zu sehen auf 3sat. Foto: Volker Roloff/ARD/RBB

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Wird der Kanzlerin immer ähnlicher: Imogen Kogge (Mitte) als Angela Merkel im WDR-Film „Die Getriebenen“. Am heutigen Dienstagabend zu sehen auf 3sat. Foto: Volker Roloff/ARD/RBB

Von Christiane Lenhardt

Ein Hauch von Politkrimi liegt über dieser Produktion: Der Fernsehfilm „Die Getriebenen“ (RBB/NDR) von Stephan Wagner und Florian Oeller (Drehbuch) zeigt die 63 aufreibenden Tage der Flüchtlingswelle im Sommer 2015, als die Kanzlerin im Zentrum des Geschehens stand – und blickt fiktional wie dokumentarisch hinter die Kulissen des politischen Tauziehens und des Kräftemessens im engsten Zirkel der Regierung.
Heute (Dienstag, 24.11.) um 20.15 Uhr läuft der Film auf 3sat, ein Höhepunkt im Wettbewerb des im Netz und im TV ausgetragenen Baden-Badener Fernsehfilm-Festivals. Auch in der 3sat-Mediathek ist dieser beispielhafte Film, ein unaufgeregt wie spannendes Lehrstück über die politische Bewältigung von extremen Krisensituationen, noch verfügbar – so wie wir sie momentan wieder angesichts der Corona-Pandemie erleben müssen.
Regisseur Wagner hat diese Perspektive auf die Macht interessiert. Im Jurygespräch, das im Baden-Badener E-Werk aufgezeichnet wurde, sagt er: „Ich wollte den Ablauf einer epochalen Situation mit den Mitteln der Fiktion aus der Perspektive der Macht erzählen, weil sie nur so einem größeren Publikum vermittelt werden kann.“ Der Zirkel um die Kanzlerin befinde sich wie in einer Blase. Die Protagonisten des historischen Ereignisses, die mit herausragenden Schauspielern besetzt sind, etwa Josef Bierbichler als Horst Seehofer und Walter Sittler alias Frank Walter Steinmeier, sind in feinen Gesten treffend charakterisiert, ihre Spielräume und die Grabenkämpfe perfekt in Szene gesetzt. Festivalchefin Cathrin Ehrlich nennt den Film ein gutes Beispiel im Sinne eines von der Akademie befürworteten Aktualitätsanspruchs des Fernsehfilms – und empfahl: „den müsste man in jeder Schule zeigen“.

Beispielhafte Komödie über Polit-Klüngel: „Der König von Köln“


Die elf besten Fernsehfilme des zurückliegenden Fernsehjahrs, vornehmlich Produktionen, die vor der Corona-Zeit entstanden sind, laufen noch bis morgen auf 3sat und sind nach der Ausstrahlung in der Mediathek verfügbar. Zu sehen ist auch die sensationell gelungene Politkomödie „Der König von Köln“ (WDR) von Richard Huber über den berühmt-berüchtigten „Kölsche Klüngel“, in den ein einfacher Beamter des Bauamts verstrickt wird: Er wird zum Spielball einiger Superreicher, die bei einem Großprojekt absahnen möchten; wunderbar mit verwoben sind bundesdeutsche Wirtschaftsskandale, wie die Kaufhof-Pleite und der Niedergang des Bankhauses Oppenheim.
Die öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland, Österreich und der Schweiz produzieren trotz vieler auferlegter Sparrunden in den zurückliegenden Jahren jede Menge Filme. Das beste seit November 2019 Ausgestrahlte aus dieser Menge läuft im Wettbewerb um den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, der am Freitag online vergeben wird. Darunter sind herausragende Filme, die das ganze Spektrum des filmischen Erzählens abdecken, Krimis („Tatort“), Zeitgeschichte, Sozialdramen, Komödien. Die Zuschauer können im Rahmen des 3sat-Zuschauerpreises mitbestimmen.
Die Bewertung der Filme durch die fünf Juroren unter der Leitung der Medienmanagerin Christiane von Wahlert – auch Schauspielerin Gesine Cukrowski und die ehemalige hr-Fernsehfilmchefin Liane Jessen sind im Gremium – wird jeweils nach der 3sat-Ausstrahlung online gestellt. „Zwar fehlt bei den Gesprächen das Publikum, wie sonst im Kurhaus Baden-Baden, aber es ist schon einzigartig, dass wir ein solches Format anbieten können, das hat kein anderes Festival derzeit“, erklärte Festivalleiterin Cathrin Ehrlich.

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Erstellt:
24. November 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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