Genossenschaftsverband: Anleger fahren bei ihren Geldanlagen weiterhin auf Sicht

Trotz teilweiser negativer Zinssätze auf Sichteinlagen tragen die Deutschen ihr Geld weiterhin fleißig zu den Volks- und Raiffeisenbanken im Land. Am Freitag präsentierte der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) in Stuttgart die zusammengefasste Bilanz der Branche im Südwesten.

BWGV-Präsident Roman Glaser: „Wir haben bereits seit vielen Jahrzehnten leistungsfähige Sicherungssysteme.

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BWGV-Präsident Roman Glaser: „Wir haben bereits seit vielen Jahrzehnten leistungsfähige Sicherungssysteme.

Von Tobias Symanski

Auffällig ist dabei vor allem die Entwicklung bei den kurzfristig angelegten Geldern. Im Bereich der täglich fälligen Kundeneinlagen konnten die genossenschaftlichen Institute im Südwesten ein Plus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbuchen. Das Gesamtvolumen stieg daher auf mehr als 89 Milliarden Euro. „Es gibt einen ungebrochenen Trend: Die Kunden vertrauen den genossenschaftlichen Instituten ihr Geld an, obwohl es dafür keine Zinsen mehr gibt“, sagte BWGV-Präsident Roman Glaser.

Auch die Spareinlagen legten leicht um 1,2 Prozent auf 35,7 Milliarden Euro zu. Glaser: „An dem Verhalten der Kunden, sich eine eiserne Reserve zu bewahren, auf die im Notfall zurückgegriffen werden kann, hat sich über die Jahre nur wenig verändert.“

Verändern wird sich 2020 aber wohl wieder die Zahl der genossenschaftlichen Banken im Land. Laut Glaser sind sieben bis acht Fusionen im Südwesten angedacht, damit würde die Zahl der Genossenschaften weiter sinken. Zur Einordnung: Im Jahr 2009 gab es 242 Volks- und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg, zehn Jahre später waren es nur noch 168 – Tendenz weiter sinkend.

Aktuelles Beispiel sind die Fusionsgespräche der Volksbank in der Ortenau mit Sitz in Offenburg mit der Volksbank Schwarzwald Baar Hegau in Villingen-Schwenningen. Sollte ihr Zusammenschluss gelingen, entstünde wohl die größte Volksbank im Südwesten, noch vor der Volksbank Stuttgart. „Es ist sicher nicht die naheliegendste Fusion“, sagte Glaser mit Blick auf das Geschäftsgebiet, das bei einem Zusammenschluss nicht zusammenwachsen würde. Auch von der Größe her gehören beide Geldhäuser bereits heute zum oberen Drittel im Land.

Obwohl der Druck auf die Banken aufgrund steigender Regulierungsanforderungen stetig wachse, gebe es durchaus „die unterschiedlichsten Fusionsideen“ und auch gute Gründe, weiterhin eigenständig am Markt existierten zu wollen, sagte Glaser. Neben der Frage der Wirtschaftlichkeit bewege die Institute dabei auch der Gedanke, ob die Bank ihren regionalen Förderauftrag, beziehungsweise die dazu notwendigen Dienstleistungen noch erfüllen könne. „Wenn eine Bank ein schlankes Geschäftsmodell fährt, ist das auch im Rahmen der Digitalisierung möglich. Was mir aber wirklich Sorgen bereitet, ist die Frage der Regulatorik.“ Hier wünscht sich Glaser eine spürbare Entlastung für kleinere und mittlere Banken.

Ein besonderes Auge wirft der BWGV derzeit zusammen mit dem Sparkassenverband auf das Thema EU-weite Einlagensicherung. Hier gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen, die eine Vergemeinschaftung der Systeme in der Eurozone befürworten. „Die EU-Kommission setzt massiv das Vertrauen der Sparer aufs Spiel“, sagte Glaser. Faktisch würde bei einer Zusammenlegung der Sicherungssysteme der deutsche Sparer für Risiken ausländischer Banken haften. Zudem habe er selbst keinen Vorteil davon: „Wir haben bereits seit vielen Jahrzehnten leistungsfähige Sicherungssysteme. Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken haben in dieser Zeit noch keinen einzigen Pfennig oder Cent verloren.“


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