Grenzen als Spielregeln des Miteinanders

Baden-Baden – In seiner Kolumne „Denk-Anstoß“ stellt Autor Wolfram Frietsch alle zwei Wochen philosophische Ansätze und Ideen vor. Dieses Mal geht es um die individuelle Komfortzone.

Die philosophische Kolumne im BT-Magazin gibt alle zwei Wochen einen Denk-Anstoß. Grafik: Fotogestoeber/stock.adobe.com

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Die philosophische Kolumne im BT-Magazin gibt alle zwei Wochen einen Denk-Anstoß. Grafik: Fotogestoeber/stock.adobe.com

Von Wolfram Frietsch

Der Psychologe Paul Watzlawick beschreibt eine groteske Szene: In einem Hotel fielen regelmäßig Personen über die Brüstung der Gartenterrasse und landeten unsanft im Garten. Warum taten sie das? Erst nach längerer Beobachtung kam man auf die Lösung dieses eigenartigen Phänomens. Es stellte sich heraus, dass, wenn die Gesprächspartner sich meist sehr angeregt unterhielten, der eine auf den anderen zuging und ihm immer näherkam, während der andere gleichzeitig vor ihm zurückwich. Dies ging so lange, bis die Terrasse zu Ende war und derjenige, der zurückwich, ehe er sich versah, rücklings in den Garten fiel. Der Grund für dieses eigenartige Gebaren des Vor- und Zurückweichens liegt darin, dass beide Gesprächspartner eine unterschiedliche Auffassung von Nähe und Distanz hatten. So war dem einen die Nähe zu seinem Gesprächspartner wichtig, während der andere eine gewisse Distanz bevorzugte. Jeder hatte eine eigene Auffassung von „Sicherheitsabstand“ vor dem anderen, der nicht unterschritten oder überschritten werden durfte. Wenn also der eine zurückwich, folgte ihm der andere, um dem für ihn gültigen Abstand wieder herzustellen, worauf der andere, weil ihm das zu nahe war, erneut zurückweichen musste.

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